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So ist die Lage bei den Kliniken Südostbayern

Omikron-Welle: „Diese Unsicherheit hängt wie ein Damoklesschwert über uns!“

Die Pflegekräfte arbeiten an den Kliniken Südostbayern teils in Schutzkleidung. KSOB
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Pflegekräfte der Kliniken Südostbayern in Schutzkleidung.

Die Kliniken mehrerer Nachbarlandkreise schlagen bereits Alarm, sie würden sich in der Omikron-Welle aktuell allmählich der Belastungsgrenze nähern. Wir haben uns bei den Kliniken Südostbayern, der kommunalen Krankenhausträgergesellschaft der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land, erkundigt, wie die Lage sich dort aktuell darstellt.

Bad Reichenhall/Traunstein - „Die Pandemie ist nach wie vor in vollem Gange und das Infektionsgeschehen hochdynamisch. Die schiere Zahl an Neuinfektionen bedingt eine erneut rasch steigende Hospitalisierung von CoV-2 Patienten. Zudem verzeichnen wir auch ein hohes Notfallaufkommen über alle Abteilungen und Kliniken bei ebenso hohen krankheitsbedingten Personalausfällen“, berichtet Ralf Reuter, Pressesprecher der Kliniken Südostbayern (KSOB), „Was sich in der Gesamtlage des Landes kritisch zeigt, starke Fallzahlen und steigende Inzidenzen, ist auch bei uns in den Landkreisen so. Die Lage in unseren Kliniken ist erneut als angespannt zu bezeichnen.“

Entwicklung der 7-Tage-Inzidenzen in Südostbayern (Stand 24. März).

Am Donnerstag waren erstmals in der Corona-Pandemie binnen eines Tages mehr als 300.000 neue Corona-Infektionen an das Robert Koch-Institut übermittelt worden. Auch in der Region stiegen die Zahlen weiter an. „Jegliche planbare Eingriffe müssen im Verbund und in vielen Teilen des Landes wieder verschoben werden, weil die komplette Krankenhausversorgung auf die Notfall- und COVID-Versorgung gebündelt werden muss“, fährt Reuter fort. „Hinzu kommen jetzt erhebliche ebenso covidbedingte Personalausfälle in allen Bereichen, vor allem in der größten Mitarbeitergruppe, der Pflege.“

Omikron-Welle: So ist die Lage bei den Kliniken Südostbayern aktuell

Die Omikron-Welle trifft aktuell die Kliniken beziehungsweise Klinikverbünde der Region mit voller Wucht, wie auch der Blick in weitere Landkreise zeigt. „Es werden mehr und mehr Operationen verschoben“, berichtete etwa Dr. Jens Deerberg-Wittram, Chef der Romed-Kliniken aus dem Landkreis Rosenheim gegenüber den OVB-Heimatzeitungen, die Situation sei „extrem angestrengt“. Schon jetzt schiebe Romed eine Menge von Fällen vor sich her, „wir müssen jetzt schon Monate einrechnen, bis wir das aufgearbeitet haben, weil der normale Betrieb weitergeht“. Auch die Kliniken der Kreise Altötting und Mühldorf sind in ihrem Betrieb durch die aktuelle Situation stark eingeschränkt. Mit über 80 Corona-Patienten ist die Zahl dort fast so hoch wie im Herbst, was auch dort Auswirkungen auf andere Patienten hat.

Schon Ende Februar hatte die Regierung von Oberbayern, angesichts der nach wie vor hohen Belastung des Gesundheitssystems, 76 Kliniken im Regierungsbezirk dazu verpflichtet, weiterhin von unter medizinischen Aspekten aufschiebbaren stationären Behandlungen abzusehen. Beispiele für „aufschiebbare“ Behandlungen sind etwa planbare Operationen wie künstliche Hüft- und Kniegelenke, Leistenbrüche, Schilddrüseneingriffe oder auch Gefäßverengungen, die noch keine Beschwerden machen. Dies umfasst also Fälle, in denen die Gesundheit des Patienten ist nicht akut bedroht ist und die Eingriffe geeignet terminiert werden können. Ausnahmefälle sind natürlich Notfalloperationen und unaufschiebbare Eingriffe wie die Behandlung von Unfallverletzten, Herzinfarkten und Schlaganfälle, akute Gefäßverschlüsse oder auch die Leistenbrüche, die drohen einzuklemmen.

„Zentral ist für uns, die Versorgungsqualität unserer Patienten aufrechterhalten zu können. Aktuell kommen leider mehrere herausfordernde Faktoren zusammen: Eine hohe Hospitalisierungsrate sowie erhebliche covidbedingte Personalausfälle“, so KSOB-Sprecher Reuter weiter. „Die stark zunehmende Hospitalisierungsrate betrifft vor allem den normalstationären Bereich. Deshalb spielt für uns die Frage, ob die stationäre Aufnahme ‚mit‘ oder ‚wegen‘ Covid erfolgt aufgrund des Isolierungsaufwandes eine untergeordnete Rolle. Der Covidanteil auf den Intensivstationen im Rettungsdienstbereich Traunstein bewegt sich immer noch zwischen 17 und 25 Prozent, allerdings sind viele der Intensivpatienten ‚mit‘ Covid, nicht ‚wegen‘ Covid auf der Intensivstation.

„Diese Unsicherheit hängt wie ein Damoklesschwert über uns“

Hinzu kämen jetzt erhebliche ebenso covidbedingte Personalausfälle in allen Bereichen, vor allem in der größten Mitarbeitergruppe, der Pflege. „Die Mitarbeiter der Krankenhäuser sind hier ein Spiegel der Bevölkerung der Region, wobei die Impfquote beim Klinikpersonal im Vergleich zur Bevölkerung höher liegt. Aber Pflegekräfte und Ärzte können nicht im Homeoffice arbeiten. Sie müssen sehr nah an ihren Patienten und oft auch an ihren Kolleginnen und Kollegen arbeiten. Leider infizieren sich mit Omikron auch viele Geimpfte, gottlob in den allermeisten Fällen ohne schwer zu erkranken und meist mit nur leichten Symptomen.“ Die Belastungen für das Personal seien derzeit extrem hoch. „Die Covidversorgung bindet das etwa zwei bis zweieinhalbfache unseres Personals. Es bleibt kaum Zeit zur Ruhe zu kommen. Alle gemeinsam geben ihr Möglichstes, um auch diese ‚Welle‘ zum Wohl unserer anvertrauten Patienten meistern zu können.“

„Es ist nicht abzusehen wie sich das Virus weiterentwickeln wird. Es hat uns schon mehrmals mit neuen Varianten und unterschiedlichen Verläufen überrascht, auf die wir stets flexibel reagieren konnten. Mittlerweile sind wir auch Krisenerprobt und können unsere Strukturen situativ anpassen“, berichtet Reuter mit Blick auf eine mögliche weitere Verschärfung der Lage, „Nach über zwei Jahren durchgehender Pandemie und enormen Belastung unserer Mitarbeiter, wünschen wir uns eine dauerhafte Entspannung der Lage, können aber dennoch keine Prognose abgeben. Im Moment zeigt uns ja auch die Omikronvariante, dass dieses Virus nicht verharmlost werden darf. Deshalb sind aus unserer Sicht die gängigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, wie Abstandhalten und Maske, weiterhin absolut notwendig.“

„Entscheidend für die nächsten Wochen wie auch Monate ist die Welle der besonders ansteckenden Omikron-Variante, die auch im Ausland eine sehr hohe Dynamik zeigt mit entsprechendem Anstieg von Krankenhausfällen. Diese Unsicherheit hängt wie ein Damoklesschwert über uns und im Moment können wir dort noch keine belastbaren Prognosen abgeben“, schließt Reuter, „Insofern gilt auch hier weiterhin, eine wirkliche Barriere ist nur durch eine konsequente Durchimpfung zu erreichen sowie, wie oben beschrieben, in der weitern Einhaltung der persönlichen Hygiene- und Schutzmaßnahmen.“

hs

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