Georg Hackl: „Ich bereue, dass ich mein Haus nicht aus Holz gebaut habe.“

Neues Landratsamt Bad Reichenhall soll in Holzbauweise errichtet werden

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Das neue Landratsamt soll größtenteils aus Holz gebaut werden.

Bad Reichenhall – Der Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung die einstimmige Grundsatzentscheidung gefällt, dass der geplante Neubau des Landratsamtes in Bad Reichenhall weitestgehend in Holzbauweise erfolgen soll. Holzbauexperte Prof. Dr. Stefan Winter von der Technischen Universität München hatte im Vorfeld über die Vorteile der Holzbauweise informiert und anhand zahlreicher Beispiele gezeigt, dass das Arbeiten mit Holz vorteilhaft sei.

Das neue Landratsamt soll nach ersten Erkenntnissen über 30 Millionen Euro kosten und nicht, wie bislang angenommen, aus Beton und Stahl, sondern aus Holz gebaut werden. Landrat Georg Grabner möchte mit der Holzbauweise ein „Vorzeigemodell bei Verwaltungsgebäuden“ auf die Beine stellen. Grabner warb bei der anwesenden Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber darum, das Projekt im Ministerium vorzustellen und unterstützend zu begleiten. Kaniber sagte, dass die „Region für Vorzeigeprojekte prädestiniert ist.“ Sie kündigte an, das Landratsamt-Projekt, zumal es sich in ihrer Heimat befindet, zu unterstützen. 

Bereits vor wenigen Wochen hatte Prof. Dr. Stefan Winter über die Vor- und Nachteile beim Thema Holzbau in einer internen Veranstaltung informiert und die Kreisvertreter überzeugen können. Im Kreistag wies er nun darauf hin, dass der Holzbau in der Region seit Langem verankert sei, „zur regionalen Wertschöpfung beitragen kann und den Markenprozess des Landkreises unterstützt.“ Winter sagte, dass die individuellen Anforderungen in einer Holzbauweise „von Beginn an sehr umfangreich und sorgfältig hinterfragt werden müssten.“ 

So sollte während der Planung und der Ausführung darauf geachtet werden, „dass man weiß, was man will, denn ansonsten kann es teuer werden.“ Entscheidungen für den Rohbau, die Außenhautgestaltung sowie den Innenausbau seien „von hoher Bedeutung.“ Der Einsatz von verschiedenen Baustoffen habe immer auch wechselseitige Auswirkungen, etwa auf die Umwelt, das zukünftige Raumklima, die Ökonomie sowie Ökologie. Stefan Winter wies darauf hin, dass es aufgrund der erforderlichen Trennung von erdberührten und luftberührten Bauteilen sowie brandschutztechnisch relevanten Bauteilen zu „keiner 100 prozentigen Holzbauweise kommen wird.“ Empfehlenswert sei, so Winter, dass sich der Bauherr flexibel zeige und eine „Hybridlösung“ anstrebe, also eine Mischung zwischen Holzbau und Massivbau. 

Ökologische und raumklimatische Aspekte sprechen für den Holzbau

Winter zeigte eine Auswahl bereits umgesetzter Holzbaugebäude, teilweise siebenstöckig hoch, die in wenigen Monaten errichtet worden waren. „Ökologische und raumklimatische Aspekte sprechen für den Holzbau“, sagte Winter: „ein regional vorkommender Baustoff wird für die Errichtung verwendet und spiegelt den derzeitigen Trend wieder.“ Für die Mitarbeiter hätte das Raumklima entscheidende Vorteile. Eine Holzbauplanung sei „integraler und detaillierter“, zudem seien die finanziellen Risiken für die Entscheidungen des Bauherren komprimierter „und werden in die ersten Planungsphasen verschoben.“ 

Trotzdem seien die Investition und die Instandhaltung – ohne geeignete Schutzmaßnahmen – höher als im Massivbau. „Mit einer Entscheidung zum Holzbau könnten sich die bisher veranschlagten Kosten gegebenenfalls erhöhen“, so das Fazit. Landrat Grabner sagte, dass man bereits beim Hauptquartier des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland in Berchtesgaden von der Holzbauweise Gebrauch gemacht hatte und höchst zufrieden mit dem Ergebnis sei. Das bestätigte auch der ehemalige Profi-Rodler und Kreisrat Georg Hackl: „Ich bereue, dass ich mein Haus nicht aus Holz gebaut habe.“ 

Kreistagsmitglied Rudi Zeif befürwortet den Holzbau, sagt, dass es wichtig sei, „viele Gespräche zu führen“, um eine gute Planung bewerkstelligen zu können. Grabner erwiderte, dass dies das Ziel sei: „Wir haben deshalb einen Bauausschuss gegründet, der sich alleine dem Landratsamt-Neubau widmet.“ 

Mehr Flexibilität in der technischen Gebäudeausrüstung 

Roman Niederberger erinnerte daran, dass ein Neubau in jedem Fall eine „notwendige Flexibilität mit sich bringen muss.“ Er warnte davor, dass alle Mitarbeiter während des Neubaus in Containerlösungen untergebracht würden. Er forderte, dass das Projekt intensiv und transparent begleitet werde. Landrat Grabner informierte, dass momentan ein Raum- und Nutzungskonzept erstellt werde, erst später erfolge die architektonische Umsetzung. 

Holzbau-Experte Winter sagte, dass die Planung nun das Maß aller Dinge sei. Die Holzkonstruktionsweise erlaube es, einzelne Elemente jederzeit auszutauschen, selbst eine Rückbaubarkeit sei kein Problem. Selbst in der technischen Gebäudeausrüstung sei man in einem Holzbau deutlich flexibler als bei einer Massivbauweise. „Wir wissen heute ja noch nicht, was man in 20 Jahren braucht. Das ist aber alles nachrüstbar.“ 

Kreisrat Bernhard Zimmer zeigte sich zufrieden, „dass wir den Baustoff Holz integrieren.“ Im besten Fall werde man ein „Leuchtturmprojekt“ realisieren. Sven Kluba wollte das Kostenthema zur Sprache bringen, da er die Gefahr sieht, dass das Projekt deutlich teurer als angenommen werde. Stefan Winter ließ erkennen, „dass bei einer sauberen Planung maximal fünf Prozent von den geplanten Kosten abgewichen wird – nach oben oder unten“. Einstimmig beschloss der Kreistag, den Neubau des Landratsamtes in überwiegender Holzbauweise planen und errichten zu lassen.

Kilian Pfeiffer

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