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BGL-Landrat: „Impfen bleibt die Entscheidung jedes Einzelnen“

Neuer Lockdown, Druck auf Ungeimpfte, Schulen als Infektionstreiber? Kern im Interview

Bernhard Kern, Landrat des Berchtesgadener Landes, bemängelt die Impfstoff-Knappheit, denn im Impfzentrum könnten viel mehr Impfungen durchgeführt werden.
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Bernhard Kern (CSU), Landrat des Berchtesgadener Landes.
  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Das Berchtesgadener Land liegt bei der Sieben-Tage-Inzidenz noch immer im deutschlandweiten Spitzenfeld - und die Impfquote ist umso niedriger. Landrat Bernhard Kern beantwortet unsere Fragen zur aktuellen Corona-Lage in der Region.

Herr Kern, die Impfquote im Berchtesgadener Land liegt nur bei gut 50 Prozent, warum sind wir beim Impfen so langsam?
Kern: Aktuell steht ausreichend Impfstoff zur Verfügung, um allen Bürgerinnen und Bürgern ein unkompliziertes Impfangebot machen zu können. Eine Impfung ist immer die Entscheidung jedes Einzelnen, die wir von Seiten des Gesundheitsamtes und des Impfzentrums durch gezielte Aufklärung zu erleichtern versuchen. Die größte Herausforderung hierbei ist, die Impfbereitschaft in der Bevölkerung auch tatsächlich zu steigern und den Mehrwert einer Corona-Schutzimpfung aufzuzeigen.
Die Inzidenz spielt für Corona-Einschränkungen keine Rolle mehr: War das wirklich die richtige Entscheidung, wenn die Zahlen weiter so steigen und das Impftempo in machen Landkreisen, wie auch im Berchtesgadener Land, so niedrig ist?
Die Bayerische Staatsregierung richtet das Augenmerk mit der „Krankenhaus-Ampel“ vermehrt auf die Belegung in den bayerischen Kliniken. Ein großer Teil der älteren und durch einen schweren Verlauf stärker gefährdeten Personen konnte mittlerweile geimpft werden. Dadurch wird die Zahl der freien Intensivkapazitäten in der derzeitigen Phase der Pandemie zu einer aussagekräftigeren Kennzahl als die Sieben-Tage-Inzidenz.
Mit welchen Mitteln sollte man Druck auf Ungeimpfte machen? Oder ist Druck per se verkehrt?
Wie bereits gesagt, ist eine Impfung immer eine individuelle Entscheidung jedes Einzelnen. Unsere Aufgabe ist es, mittels Aufklärung eine Entscheidungshilfe zu geben und den Mehrwert der Corona-Impfung zu verdeutlichen. Mit einer Impfung schützen wir uns und unsere Mitmenschen vor einem schweren Verlauf. Daher sind für Geimpfte auch viele Freiheiten, beispielsweise im Freizeitbereich, möglich. Für uns als Landkreis gilt es, allen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu den Impfungen so leicht wie möglich zu machen. Deshalb bieten wir durchgehend Impfungen ohne Termin und an verschiedenen Orten an und haben uns auch an der Aktionswoche #hierwirdgeimpft beteiligt. Aktuell ist genügend Impfstoff vorhanden, um allen ein schnelles und unkompliziertes Impfangebot machen zu können.
Laut DIVI-Intensivregister des RKI sind die Intensivbetten im Landkreis Berchtesgadener Land fast alle belegt, wenn auch überwiegend nicht mit Corona-Patienten. Hat man Möglichkeiten, die Zahl auszuweiten?
Nach Rücksprache mit den der zuständigen Kliniken Südostbayern AG waren im Berchtesgadener Land am Standort Bad Reichenhall Ende vergangener Woche zehn von zwölf Intensivbetten, mit Beatmung, belegt. Bei weiterer Zunahme des Versorgungsbedarfs, wie auch bereits in Pandemiehochphasen geschehe, kann jedoch unter Ressourcenanpassung in anderen Bereichen eine zusätzliche Beatmungskapazität sowohl am Standort Bad Reichenhall und als auch in Traunstein geschaffen werden.
Wie kommt es, dass kleinere Orte, wie momentan zum Beispiel Teisendorf, derzeit am stärksten belastet sind? Sind Privatfeiern die Haupttreiber?
Hierbei spielen derzeit insbesondere Reiserückkehrer eine große Rolle. Das Infektionsgeschehen verbreitet sich davon ausgehend im privaten Bereich und in den Betrieben. Außerdem gibt es immer wieder Ausbrüche im Rahmen von privaten Feierlichkeiten.
Wäre ein neuerlicher Lockdown über den Winter denkbar?
Seitens der Politik wurde ein erneuter Lockdown bereits mehrfach abgelehnt. Im Freistaat Bayern richten sich Maßnahmen nicht länger nach der Sieben-Tage-Inzidenz, sondern nach der sogenannten „Bayerischen Krankenhaus-Ampel“. Ich denke, dass wir keinen weiteren Lockdown mehr benötigen werden, insbesondere wenn wir es schaffen, die Impfquote weiter zu erhöhen und vor allem vulnerable Personengruppen zu schützen.
Einen neuerlichen Lockdown befürchten ja vor allem auch Eltern, wie können Sie diese beruhigen? Auch in Hinblick auf eventuelle Quarantänemaßnahmen. Sind die Schulen wirklich die Infektionstreiber oder sind die Pooltests, die jetzt durchgeführt werden sollen, die Lösung für offene Schulen?
Das Testkonzept in Schulen aus dem Frühjahr 2021 hat sich als gut erwiesen. Das Gesundheitsamt konnte schnell und effizient auf alle Verdachtsfälle reagieren und engste Kontaktpersonen isolieren. Bereits im vergangenen Schuljahr wurde vom Gesundheitsamt BGL eine situationsbezogene Ermittlung in Kooperation mit Schulleitung und Lehrerschaft durchgeführt, sodass wir nur in seltenen Fällen eine Quarantäne für komplette Klassen oder Gruppen aussprechen mussten. Meist erfolgte die Ansteckung eher im privaten Bereich. Einen wichtigen Beitrag leisten sicherlich die nun eingeführten Pooltests, da diese schnelle und zuverlässige Ergebnisse liefern .Daher sind wir zuversichtlich, dass es durch konsequente Einhaltung der Testmöglichkeiten zu keinen Schließungen in Schulen und Kitas kommen wird.
Wird die Maskenpflicht an den Schulen zwei Wochen nach Schulbeginn zumindest am Platz wieder aufgehoben?
Hierbei handelt es sich nicht um eine Entscheidung des Landratsamtes, sondern um eine zentrale Vorgabe des Freistaats Bayern. Daher trifft auch dieser die Entscheidung, ob die Maskenpflicht am Platz wieder aufgehoben wird. Nach aktuellem Stand besteht die Maskenpflicht bis 1. Oktober. Informationen, ob die Maskenpflicht in Schulen auch nach dem 1. Oktober fortbesteht, liegen uns und dem Schulamt noch nicht vor.

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