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Mountain Hornet: Zwei Streitkräfte der Bundeswehr üben in Berchtesgaden

Gebirgsjäger und Luftwaffe üben Kampf gegen Milizen

Gebirgsjäger und Luftwaffe bekämpfen in einer Übung die feindliche Miliz
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Gebirgsjäger und Luftwaffe bekämpfen in einer Übung die feindliche Miliz

„Die Zusammenarbeit ist komplex und muss intensiv geübt werden“: In Bad Reichenhall fand eine gemeinsame Übung der Bundeswehr statt, die es so seit über 25 Jahren nicht mehr gegeben hat.

Bad Reichenhall - In einer großangelegten Übung unter Federführung des Verbindungskommandos der Luftwaffe bei der Gebirgsjägerbrigade übten Gebirgsjäger und Jetpiloten gemeinsam die Zusammenarbeit bei der Luftnahunterstützung. „Die taktische Feuerunterstützung ist ein sehr großer Zugewinn für die Infanterie. Aber diese Zusammenarbeit ist komplex und muss deshalb intensiv geübt werden“, erklärt Brigadegeneral Maik Keller, Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23.

„Feindliche Flugabwehrstellung erkannt!“ flüstert einer der Gebirgsjäger des Aufklärungszugs, der gut getarnt in einem Waldstück auf dem Übungsplatz Kammer liegt. Sofort werden die Informationen weitergefunkt und höchst aufmerksam von einem Joint Fire Support Team (Luftnahunterstützungsteam) mitnotiert, das sich einige hundert Meter weiter hinter aufhält. Koordinaten, Typ des Flugabwehrsystems russischer Bauart, Entfernung zu eigenen Kräften, alles wird exakt erfasst. Zur Bekämpfung feindlicher Milizkräfte waren die Gebirgsjäger zuvor in Region eingesickert, um den Gegner zu finden und zu bekämpfen. Und tatsächlich steht dort eine russische Flugabwehrraketenstellung vom Typ SA-8. Dass es eine originalgroße, aufblasbare Attrappe ist, die die amerikanischen Partner aus Grafenwöhr zur Verfügung gestellt haben, wissen die Aufklärer nicht.

Das Gebirge stellt die Soldaten vor besondere Herausforderungen

„Jetzt wird’s spannend!“: Übungsleiter Major David Würtz hört den Funkverkehr der Übungstruppe mit. Er hat die ganze Übung, die in ihrem Umfang für die Gebirgsjäger bisher einmalig ist, auf die Beine gestellt. Schwerpunkt ist, dass die Joint Fire Support Teams die Zusammenarbeit mit den Piloten perfektionieren und sehr zügig aber zugleich fehlerfrei arbeiten, wenn sie Feuerunterstützung aus der Luft anfordern. Nur so kann die eigene Truppe entlastet und nicht selbst gefährdet werden. „Das Gebirge bringt besondere Anforderungen an die Soldaten am Boden, aber auch die Piloten mit sich, deshalb müssen wir auch hier im Gebirge üben“, erklärt der Major. „Anflugschneisen durch die Berge, Höhenunterschiede zwischen Ziel und Beobachter, schwierige Wetterverhältnisse, unterschiedliche Blickwinkel auf das gemeinsame, zu bekämpfende Ziel“, zählt er einige der Herausforderungen auf.

Und so kam es, dass in dieser Woche erstmals seit über 25 Jahren Hubschrauber, Tornados und Eurofighter über dem Berchtesgadener Land fliegen und mit den Gebirgsjägern üben.

Der Weg wird frei gemacht

Aus sechs Mann besteht ein Joint Fire Support Team: Zwei Offiziere, zwei Feldwebel und zwei Mannschaften. Mit einem optronischen Beobachtungsgerät vermessen sie Entfernungen und ermitteln genaue Koordinaten. Zugleich wird permanent mit Luftfahrzeugen und der eigenen Führung gefunkt. Leises Grummeln ist am Himmel zu vernehmen, ein Jagdbomber Tornado steht bereit, doch die Wolkendecke ist fest geschlossen. „Auf Sicht kann er jetzt nicht angreifen, er wirft aus großer Höhe eine GPS-gelenkte Bombe ab“, erklärt einer der fast durchgehend auf Englisch mit dem Piloten funkenden Soldaten. Anflugrichtung, Koordinaten, Standort der eigenen Kräfte – alles schreibt der Waffensystemoffizier im Tornado in rund 5km Höhe mit, liest es zum Abgleich nochmal vor, programmiert dann sein Waffensystem.

Bomben sind gefallen!“ ruft plötzlich der Funker. Im scharfen Schuss müssten die Männer jetzt ganz flott die Köpfe einziehen. Sie können bis zu 300m nah an der Einschlagstelle sein, so genau treffen die 500 Pfund schweren Bomben. „Da flattert aber dann das Höschen“, scherzen die Männer. In dieser Übung wertet die Übungsleitung den Funkverkehr und insbesondere die Richtigkeit der Angaben aus, es fallen keine Bomben, doch die Flugabwehrstellung ist erfolgreich „vernichtet“.

Jetzt, wo eigene Luftfahrzeuge nicht mehr gefährdet sind, werden Hubschrauber angefordert. Sie sollen am nächsten Tag Soldaten und Material auf die Reiteralpe bringen, wo ebenfalls noch Milizkräfte tätig sind.

Auch Fallschirmspringer der Gebirgsjäger kommen zum Einsatz

Rege Betriebsamkeit am Hubschrauberlandeplatz in Oberjettenberg: Der Aufklärungszug und die darin eingebetteten Joint Fire Support Teams der Gebirgsjäger sind wieder da. Alle werkeln an ihrer Ausrüstung, checken Waffen und Funkgeräte. Sie tragen ihre weißen Schneetarnanzüge, was komisch wirkt, weil hier unten Wiesen und Wälder in kräftigem Frühjahrsgrün strahlen. Und eine weitere Gruppe hat sich dazugesellt – Soldaten der Hochgebirgsjägerzüge und des Hochgebirgsspähzugs, die Freifaller der Gebirgsjägerbrigade.

„Wir werden vor dem Eintreffen der eigenen Kräfte aus sehr großer Höhe abspringen und den Landeplatz sichern“, erklärt einer der Springer, während ein Kamerad an ihm die Ausrüstung prüft. „Wir müssen vermeiden, dass unsere Hubschrauber bei der Anlandung der Hauptkräfte beschossen werden“. Um Operationen auch in großer Entfernung und im schwierigen Gelände absichern und als Vorauskräfte eingesetzt werden zu können, verfügen die Gebirgsjäger über eigene Freifaller. Plötzlich wird es laut und ein Hubschrauber NH-90 kreist über den Gebirgsjägern, setzt zur Landung an – es geht los.

Plötzlich wird im tiefsten Winter gekämpft

Stellungswechsel: Schlagartig taucht der Hubschrauber über dem Plateau auf setzt sofort zur Landung an, das ganze Gelände ist komplett schneebedeckt, nur vereinzelt schauen Latschenzweige aus der Schneedecke. Die Gebirgsjäger werfen ihre Ausrüstung raus, springen aus der Maschine, bleiben unmittelbar daneben liegen und schon schwebt der Koloss wieder davon. Sie springen auf, laufen zu einer Baumgruppe und verschmelzen schon nach wenigen Metern mit der Umgebung.

An einer Feldkante hat der Aufklärungszug Stellung bezogen, er ist das „Auge am Feind“, unweit davon liegt das altbekannte Joint Fire Support Team, unsichtbar mitten in einer Latschenkiefergruppe. Es herrscht rege Betriebsamkeit. Das Beobachtungsgerät ist aufgebaut und abgetarnt, es späht über die Latschen in eine einige hundert Meter entfernte Fläche mit einigen Gebäuden. Die Funker rotieren, es ist eine der sensibelsten Phasen der Operation: „Jetzt, wo wir alle gerade erst angelandet sind und Stellungen beziehen, müssen wir schnell feststellen, wo überall eigene Kräfte liegen. Nur wenn wir das hundertprozentig wissen, können wir loslegen“, erklärt ein Oberleutnant. „Wir bringen so massives Feuer an den Feind, dass der Infanterie viele Mühen und Opfer erspart bleiben. Aber Fehler dürfen wir uns nicht erlauben“.

Brigadegeneral Maik Keller hat sich von den verschiedenen Teilabschnitten im Rahmen der Dienstaufsicht selbst ein Eindruck von der Übung verschafft. „Mit den erreichten Übungszielen bin ich sehr zufrieden“, erklärte der Brigadekommandeur.

Neue Ziele, gleiche Verantwortung

„Hawkeye, hier Rocket One, eigene Position ist….“, schnarrt es aus einem der vielen Funkgeräte. „Achtung, gleich haben wir Eurofighter!“ ruft ein anderer und beginnt sofort den beiden Jets Zonen zuzuweisen, damit sie bei Bedarf gleichzeitig wirken, sich aber nicht gegenseitig gefährden können. Dass es zu schneien begonnen hat und der Wind immer heftiger wird, registriert keiner. „Achtung, fünf feindliche Schützen erkannt! Koordinate 35557-79204!“ melden die Aufklärer.

Vom wolkenverhangenen Himmel ist lauter werdendes Grummeln zu hören. Gespannt beobachten die Männer den Funker, der mit der eigenen Führung in Verbindung steht: „Feuerfreigabe!“ Schon wird wieder eifrig gefunkt, geschrieben und mit Karten hantiert. Eines ist klargeworden: Die Verantwortung dieser Spezialisten ist
immens – und sie beherrschen ihr Geschäft.

Pressemitteilung Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“

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