Zu viel Lärm und Verkehrs-Rowdys in der Kurstadt?

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Bad Reichenhall - Laubbläser, Haustiere, rücksichtslose Autofahrer: Hat man es tatsächlich mit einem solchen "Wildwuchs" zu tun, oder ist die Kurstadt eher "dafür bekannt, dass es zu ruhig ist"?

"Ein Laubbläser wird halt einfach laut, egal ob er das europäische Umweltzeichen hat oder nicht" - es war ein Wortungetüm eines FWG-Antrags, der in der jüngsten Bad Reichenhaller Stadtratssitzung eingebracht wurde: "Entwurf von Maßnahmen, die geeignet sind, den Wildwuchs an Lärmbelästigungen und die Gefährdung durch rücksichtslose Kraftfahrer einzudämmen." Angesprochen wurden durchaus auch konkrete Vorschläge, jedoch führte man eher Grundsatzdiskussionen nach dem Motto: "Ist es tatsächlich zu laut in Bad Reichenhall?"

Über weite Teile der Innenstadt würde sich ohnehin schon ein Lärmschutzgebiet erstrecken, argumentierte die Stadtverwaltung: Zwischen 13 und 15 Uhr sowie zwischen 19 und 8 Uhr dürften Hunde beispielsweise nicht unbeaufsichtigt hinaus, ähnlich harte Ruhezeiten gelten auch für Laubbläser - sechs Stunden ohne und neun Stunden mit europäischem Umweltzeichen muss man prinzipiell die Gartengeräte akustisch ertragen. Außerdem legte die Stadtverwaltung Wert darauf, dass man ohnehin noch mehr akkubetriebene Laubbläser anschaffen will, die leiser seien.

"Reichenhall ist eher dafür bekannt, dass es zu ruhig ist"

"Ja, die Stadt geht mit gutem Beispiel voran, aber das muss auch für die Subunternehmer gelten", so Stadtrat Gerhard Fuchs: Wenn schon um 6.30 Uhr die Müllabfuhr unterwegs ist und eine halbe Stunde später die Bauarbeiter beginnen, sei ihm das einfach zu früh. Auch über die Mittagszeit würde dort genauso weitergearbeitet.

Manfred Hofmeister ergänzte, dass der Entsorger MSP weiter eine Genehmigung bekommen hätte, obwohl man sich dort nicht an Lärm- und Umweltauflagen gehalten hätte. Christoph Lung sprach schließlich von einer Zwickmühle: "Wenn wir die Lärmverordnungen konsequenter durchsetzen, brauchen wir auch mehr Personal. Andererseits ist Reichenhall doch eher dafür bekannt, dass es zu ruhig ist und nicht zu laut."

Fast jeden dritten Tag wird geblitzt

Auch Verkehrsrowdys wurden seitens der FWG-Fraktion beklagt. Doch die Stadtverwaltung legte Statistiken vor: 117 Geschwindigkeitskontrollen wurden 2014 durchgeführt, 3,5 Prozent der Autofahrer waren dabei zu schnell. Im Jahr 2013 waren es sogar nur 2,3 Prozent. Fast jeden dritten Tag wird im Stadtgebiet geblitzt - und bei der Standortwahl gehe man auch auf Beschwerden aus der Bevölkerung ein.

Eine Möglichkeit wäre die Mitgliedschaft im "Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung", der im Auftrag der Städte und Gemeinden ebenfalls blitzt. Auch Laufen oder Ainring sind dort dabei. Doch der Service ist nicht umsonst: 154 bis 190 Euro kostet der Auftrag pro Stunde, dazu kommen Pauschalbeträge für An- und Abfahrt der Verkehrsüberwachung und 2,30 Euro pro geblitztem Fahrer für die Stadt, eine "Bild- und Portopauschale".

"Das erweckt den Anschein der Abzocke", argumentierte die Verwaltung - anderer Meinung war dagegen Gerhard Fuchs (FWG): "Wenn man sich anschaut, wie in verkehrsberuhigten Bereichen gefahren wird und beispielsweise Pflanzenkübel umgefahren werden, sollte man die Mitgliedschaft beim Zweckverband zumindest prüfen." Beschlossene Sache ist es nicht, aber gut möglich, dass man in Bad Reichenhall in Zukunft noch vorsichtiger auf dem Gaspedal stehen sollte.

xe

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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