Pressekonferenz zur Corona-Lage im Berchtesgadener Land

„Wir müssen da durch“ - Jetzt wird auch die Bundeswehr mit anpacken

Bernhard Kern (CSU), Landrat des Berchtesgadener Landes, bei der Pressekonferenz am Dienstag, 20. Oktober, in Bad Reichenhall.
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Bernhard Kern (CSU), Landrat des Berchtesgadener Landes, bei der Pressekonferenz am Dienstag, 20. Oktober, in Bad Reichenhall. Von einem Lockdown will er nicht sprechen, doch wegen der sprunghaft angestiegenen Corona-Zahlen in seinem Landkreis gilt seit Dienstag eine weitreichende Verfügung.

Bad Reichenhall - Woher die vielen Infizierten kommen, das ist noch immer unklar: Landrat Bernhard Kern und sein Team versuchten am Dienstag, alle Fragen zu den harten Anti-Corona-Maßnahmen im Landkreis zu beantworten. Auch die Bundeswehr wird die Behörde nun unterstützen.

Das Video der Pressekonferenz im Berchtesgadener Land:


Seit Dienstag, 14 Uhr, herrscht im Berchtesgadener Land wieder ein „Lockdown light“. Der aktuelle Corona-Hotspot Nr. 1 in ganz Deutschland hat eine Verfügung erlassen, nach der Schulen, Kindergärten, Hotels oder auch Schwimmbäder geschlossen sein müssen. Das gleiche gilt für die Gastronomie, die nun wieder Existenzängste plagen. Veranstaltungen sind abgesagt. Bürger dürfen nur mit triftigem Grund das Haus verlassen. Die Geschäfte bleiben aber offen. Dieser „Lockdown“ gilt für 14 Tage.


Corona-Lockdown im Berchtesgadener Land: Unklar, woher viele Infektionen kommen

„Das ist für uns keine tolle Aufgabe“, so Landrat Bernhard Kern (CSU) bei der Pressekonferenz am Dienstag, 20. Oktober. Das größte Problem: Wo viele der Infektionen ihren Ursprung haben, lässt sich nicht mehr verlässlich sagen. Ein „diffuses Geschehen“, so der Landrat. Nicht eine bestimmte Feier sei ausschlaggebend, auch ballen sich die Corona-Infektionen im Berchtesgadener Land nicht auf wenige, bestimmte Orte. „Es gibt keinen Schuldigen, den man hinstellen kann“, so Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes.

Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes.

Die Behörden im Landkreis bekommen nun Unterstützung: Amtsärzte aus dem Landkreis Traunstein, von der Bundeswehr und aus dem Gesundheitsministerium helfen aus. Außerdem wird die Bundeswehr ab Mittwoch im Landratsamt mithelfen, Infektionsketten nachzuverfolgen. Allein am vorigen Wochenende suchten 50 bis 60 Mitarbeiter nach den jeweiligen Infektionsketten. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt aktuell bei 236. Das Ziel: wieder zweistellig werden. „Bis zum 9. November haben wir die Infektionszahlen hoffentlich wieder so weit nach unten gebracht. Ich habe ein gutes Gefühl“, so Landrat Kern.

Kliniken aber noch weit von Kapazitätsgrenze entfernt

„Wir sind aktuell noch weit davon entfernt, an die Kapazitätsgrenze in den Kliniken zu kommen“, stellt Gesundheitsamtsleiter Krämer aber auch klar. Aktuell sind es nur zwei Corona-Patienten, die in Bad Reichenhall intensiv behandelt und beatmet werden müssen. Jedoch erwartet Krämer einen Anstieg an Patienten, die stationär behandelt werden müssen. „Wir haben aus der ersten Welle gelernt, dass schwere Krankheitsverläufe vier bis sechs Tage nach der Infektion beginnen.“

Schulen, Kindergärten und -krippen bleiben 14 Tage lang geschlossen. „Für die Eltern sind die Maßnahmen eine bittere Pille und eine große Herausforderung, aber wir müssen da irgendwie durch“, so Schulamtsleiter Klaus Biersack. In Krippen, Kindergärten und Schulen bis zur sechsten Klasse wird eine Notbetreuung organisiert. Eltern mit systemrelevanten Berufen, Alleinerziehende und behinderte Kinder haben Vorrang. Schüler, die Bildungseinrichtungen außerhalb des Landkreises besuchen, müssen in den nächsten zwei Wochen ebenfalls zuhause bleiben.

„Haben keine Quarantäne“: Landrat Kern sieht keinen „Lockdown“

Von einem Lockdown will Landrat Kern aber nicht sprechen. „Bei uns gibt es keine Quarantäne wie in Kuchl bei Hallein. Wir sind in unserer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt, dürfen unsere Häuser verlassen“, stellt Kern klar. Heißt auch: Einreisende aus Österreich oder anderen Landkreisen dürfen natürlich weiterhin kommen. Auch das „kleine Deutsche Eck“ bleibt offen. Mit den Bürgermeistern wurde aber vereinbart, die Wanderparkplätze zu sperren.

Für übernachtende Urlauber ist das Berchtesgadener Land aber nun tabu. Hotels und Pensionen mussten ihre Gäste am Dienstag heimschicken. Ausnahmen gibt es nur für Geschäftsreisende. Verpflichtende Tests für die abreisenden Urlauber gab es jedoch nicht, so Landrat Kern. Auch wie viele Gäste am Dienstag ihre Koffer packen mussten, konnte auf der Pressekonferenz nicht geklärt werden.

Kern: „Solidarität und Umsicht sind gefragt“

Eine genaue Inzidenzzahl, bei der die Maßnahmen wieder zurückgenommen werden, konnte aber nicht genannt werden: „Zehn Punkte rauf oder runter sind beim Inzidenzwert nicht das Maß der Dinge. Es wird keinen festen Zielwert geben, auf den wir hinarbeiten. Es geht um einen schnellen Stopp des Infektionsgeschehens, um die Maßnahmen wieder zu lockern“, so Wolfgang Krämer vom Gesundheitsamt. Und Landrat Kern schloss: „Jetzt sind Solidarität und Umsicht gefragt. Jeder Bürger hat eine Sorgfaltspflicht.“

Der Live-Ticker zum Pressekonferenz im Berchtesgadener Land zum Nachlesen:

16.32 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet. Wir beenden damit unsere Live-Berichterstattung.

16.26 Uhr: Einreisende aus Österreich oder aus anderen Landkreisen dürfen „natürlich weiterhin zu uns kommen“, das sei auch mit den Bürgermeistern abgesprochen worden, so Kern. Auch das „kleine Deutsche Eck“ bleibe offen. Aber die Wanderparkplätze der Kommunen würden gesperrt. „Wir wollen gerne Gäste im Berchtesgadener Land, aber in den nächsten 14 Tage müssen wir Vorsicht walten lassen“, sagt Kern.

16.17 Uhr: Schüler aus dem Berchtesgadener Land, die außerhalb des Landkreises zur Schule gehen, beispielsweise in Traunstein oder Salzburg, dürfen ihre Schulen nicht mehr besuchen, wie Kern konkretisiert. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn die Schüler Prüfungen ablegen müssten. Ausgenommen sind außerdem die Lehrerinnen und Lehrer, weil sie ja ihrem Beruf nachgingen.

„Kein Lockdown“

16.11 Uhr: Kern betont nachdrücklich, dass es sich aus seiner Sicht „um keinen Lockdown“ handle. Er werde das Wort „jetzt nur einmal“ in den Mund nehmen. Man könne die Situation auch nicht mit dem österreichischen Kuchl bei Hallein vergleichen, welches ja unter Quarantäne steht: „Wir sind in unserer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt, dürfen unsere Häuser verlassen.“

16.07 Uhr: Landrat Kern weist aber darauf hin, dass es nicht so sei, dass Infektionsketten nun überhaupt nicht mehr nachvollziehbar seien. 50 bis 60 Mitarbeiter hätten letztes Wochenende an der Nachverfolgung der Infektionen gearbeitet - dies habe sehr gut funktioniert. Soldaten der Bundeswehr werden ab Mittwoch bei dieser Tätigkeit unterstützend wirken.

„Können noch nicht feststellen, woher die vielen Infektionen kommen“

15.54 Uhr: Landrat Kern ist wieder am Wort: „Wir können noch nicht feststellen, woher die vielen Infektionen kommen“. Es handle sich um ein diffuses Geschehen, kein Ort sei besonders auffällig. Wie der Landrat weiter ausführt, hätten heute die Vermieter von sich aus ihre Gäste aufgefordert, den Landkreis zu verlassen. Nur Geschäftsreisende dürfen noch übernachten. Wie viele es sind, ist sei nicht bekannt.

15.45 Uhr: Bis zur sechsten Klasse werde es eine Notfallbetreuung geben, die von den Schulen organisiert wird - Eltern in systemrelevanten Berufen, Alleinerziehende und behinderte Kinder hätten dabei Vorrang, betont Biersack. Die Zahl dürfe aber nicht zu groß werden, sonst würde man die Maßnahmen wieder unterlaufen.

„Wir müssen da irgendwie durch“

15.44 Uhr: Jetzt ergreift Schulamtsdirektor Klaus Biersack das Wort: Er hat Verständnis dafür, dass für die Eltern die Maßnahmen eine bittere Pille und eine große Herausforderung seien - „aber wir müssen da irgendwie durch“.

15.40 Uhr: Die Zahlen sind laut Krämer aber noch weit davon entfernt, dass man an die Kapazitätsgrenze bei der Behandlung komme. Aber ein Anstieg an stationär Behandlungsbedürftigen wird erwartet. Aktuell gebe es zwei Patienten in der Klinik Bad Reichenhall, die auf der Intensivstation beatmet werden müssen.

15.34 Uhr: Jetzt spricht Wolfgang Krämer vom Gesundheitsamt. Die Maßnahmen sind aus seiner Sicht aus medizinischer Sicht notwendig, um Infektionsketten zu durchbrechen. Man habe aus der ersten Corona-Welle gelernt, dass schwere Krankheitsverläufe vier bis sechs Tage nach einer Infektion aufträten.

„Habe gutes Gefühl, dass wir Infektionszahlen wieder nach unten bringen“

15.27 Uhr: „Das war für uns keine tolle Aufgabe, dass wir die Regeln erlassen müssen“, sagt Landrat Kern zu den beschlossenen Maßnahmen. Er betont aber, dass die Einschränkungen nur für einen kurzen Zeitraum, genau gesagt für 14 Tage gelten würden. „Aber ich habe ein gutes Gefühl, dass wir die Infektionszahlen bis zum 9. November wieder nach unten bringen und auf einen zweistelligen Inzidenzwert kommen“, führt der Landrat aus.

15.21 Uhr: Am 9. November soll der Betrieb in den Kindergärten wieder normal aufgenommen werden.

15.20 Uhr: Landrat Bernhard Kern gibt zum Auftakt der Pressekonferenz nochmals einen Überblick über die beschlossenen Maßnahmen.

15.18 Uhr: Die Pressekonferenz hat soeben mit Verspätung begonnen. Neben Landrat Bernhard Kern informieren Dr. Wolfgang Krämer vom Gesundheitsamt, Schulamtsdirektor Klaus Biersack und Dr. Stefan Paech von den Kliniken Südostbayern zur Corona-Lage im Landkreis.

Erstmeldung:

Es ist die nächste Pressekonferenz binnen kürzester Zeit für Bernhard Kern. Nachdem der Landrat des Berchtesgadener Landes bereits am Montag vor die Presse getreten ist, folgt nun am Dienstag, um 15 Uhr, die nächste Pressekonferenz (ovb24 berichtet live). Zusammen mit dem Staatlichen Gesundheitsamt und dem Schulamt Berchtesgadener Land wird Kern zur aktuellen Situation und über die Anpassungen der Allgemeinverfügung informieren.

Massive Beschränkungen

In der Pressekonferenz am Montag wurden teils massive Beschränkungen verkündet. So werden neben Schulen auch Hotels und Schwimmbäder geschlossen. Auch die Beherbungsbetriebe müssen ihre Gäste nach Hause schicken. Thermen und Museen bleiben geschlossen, alle öffentlichen Veranstaltungen sind abgesagt. Überdies dürfen nur Angehörige eines Hausstandes gemeinsam einkaufen oder spazieren gehen. Treffen in der Öffentlichkeit oder Zuhause sind untersagt. Alle nicht notwendigen Termine sind abzusagen, genauso wie Fahrten in andere Landkreise. Die österreichischen Nachbarn werden gebeten, nicht über die Grenze zu fahren. Die Maßnahmen sind seit Dienstag, 14 Uhr, in Kraft.

>>>Hier nachlesen: Lockdown im BGL: Diese Einrichtungen schließen, diese Veranstaltungen fallen aus<<<

Nötig wurden diese Maßnahmen wegen der weiter ansteigenden Infektionszahlen im Berchtesgadener Land. Am Montag stieg der 7-Tage-Inzidenzwert auf 272,8. Am Dienstag sank er zwar auf auf 236,01 ab. Allerdings infizierten sich 40 Personen neu mit dem Corona-Virus. Die Allgemeinverfügung (hier im genauen Wortlaut) gilt vorerst bis 2. November um 24 Uhr.

Kern und Staatsministerin Michaela Kaniber sehen die neue Allgemeinverfügung als Chance, der Pandemie die Stirn zu bieten, Infektionsketten zu unterbrechen und bald wieder einen geregelten Ablauf im Landkreis möglich zu machen.

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