Der Landrat zur Flüchtlingsproblematik

"Ernsthafte Gedanken wegen Asyl-Zahlen"

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Landrat Georg Grabner: "Wenn die Zahlen weiter steigen, mache ich mir ernsthafte Gedanken. Noch haben wir Ruhe an der Front, aber es wäre ganz schwierig, wenn die Stimmung der Bevölkerung kippt."
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Bad Reichenhall - Über 750 Flüchtlinge beherbergt der Landkreis im Moment - von einer "Zahlenexplosion" spricht Landrat Grabner: "Noch haben wir Ruhe an der Front."

"Polizei, Ausländeramt, Jugendamt, Ehrenamtliche - sie alle sind brutal gefordert. Ohne ihre Arbeit ginge es nicht", Landrat Georg Grabner weiß es sehr zu schätzen, welche Arbeit rund um Asylbewerber momentan gemacht werden muss: Über 750 Asylbewerber sind derzeit im Berchtesgadener Land untergebracht, in Gemeinschaftsunterkünften der Regierung oder in dezentralen Unterkünften - 110 davon Kinder, die ohne Eltern hier gelandet sind.

Als aktueller Anlaufpunkt im Landkreis gilt derzeit der Tauernhof in der Schönau. 46 Asylbewerber sind dort laut "Berchtesgadener Anzeiger" momentan untergebracht, aus Eritrea und Afghanistan. Ausgelegt ist das ehemalige Hotel für knapp 100 Flüchtlinge.

"Wenn Zahlen weiter steigen, mache ich mir ernsthafte Gedanken"

Ursprünglich rechnete die Regierung damit, dass sich die Zahl der erwachsenen Flüchtlinge bis zum Jahresende auf etwa 1000 erhöht, aber Zweifel sind wohl angebracht. Grabner spricht von einer "Zahlenexplosion" vor allem bei Asylbewerbern aus Balkanstaaten: "Wir haben bei denen eine Zunahme von 50 Prozent wöchentlich." Erst am gestrigen Mittwoch kündigte Ministerpräsident Seehofer an, genau für jene Flüchtlinge zwei Abschiebezentren in Grenznähe errichten zu wollen. Wo, das stehe noch nicht fest. Möglicherweise entstehen die Zentren bei Rosenheim und Passau - auf das Landratsamt in Bad Reichenhall sei von den Verantwortlichen noch niemand zugekommen, so der Radiosender "Bayernwelle Südost".

"Wenn die Zahlen weiter steigen, mache ich mir ernsthafte Gedanken. Noch haben wir Ruhe an der Front, aber es wäre ganz schwierig, wenn die Stimmung der Bevölkerung kippt", so der Landrat. Umso wichtiger sei daher auch die Arbeit der vielen Freiwilligen und Betreuer. Neun Caritas-Mitarbeiter kümmern sich momentan hauptamtlich um die Asylbewerber. Dazu kommt die große Masse an Leuten, die sich freiwillig in den 14 Helferkreisen an Ort und Stelle engagieren - insgesamt rund 320 Personen. Aber auch diese Ehrenamtlichen "stoßen langsam an ihre Grenzen", gestand auch schon Laufens Bürgermeister Hans Feil.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Ehrenamtlichen

Insgesamt 75.000 Euro stellt der Landkreis daher in den nächsten drei Jahren zur Verfügung, um die Arbeit der Ehrenamtlichen weit über die Region hinaus besser zu koordinieren, das entschied der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung. Gemeinsam mit Tirol, Salzburg und dem Landkreis Rosenheim hob die Caritas das Projekt "Flüchtlingshilfe im alpenländischen Raum gestalten" aus der Taufe. Es sollen Koordinierungsstellen für die ehrenamtliche Asylbewerberbetreuung entstehen und die Freiwilligen besser geschult, informiert und bei ihrer Arbeit mit den Flüchtlingen begleitet werden. Man kann nur hoffen, dass auf diese Koordinierungsstellen viel Arbeit zukommen wird - denn ohne das Engagement der vielen Ehrenamtlichen sähe es wohl duster aus, um die Integration der Asylbewerber.

xe

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