Kultusministerium reagiert auf Vorwürfe von Bad Reichenhaller Eltern

Piazolo: „Selbsttests eröffnen die Perspektive für mehr Präsenzunterricht“

Schule in Corona-Zeiten mit wechselndem Präsenz- und Distanzunterricht und Home Schooling stellt Eltern, Lehrer und Schüler gleichermaßen auf eine Geduldsprobe. Gerade die Testpflicht an bayerischen Schulen steht in der Kritik und sorgt für unterschiedliche Meinungen. Das Kultusministerium verteidigt seine Strategie.

Zur Teilnahme am Präsenzunterricht müssen alle Schüler seit 12. April mindestens zweimal pro Woche einen negativen PCR-, Schnell- oder an der Schule durchgeführten Selbsttest vorweisen. „Mit regelmäßigen und kontinuierlichen Testungen gestalten wir den Schulbetrieb in Bayern sicherer, indem wir insbesondere mit den Selbsttests an den Schulen sicherstellen, dass nur Schüler mit negativem Covid-19-Test am Präsenzunterricht teilnehmen“, unterstreicht ein Sprecher des Ministeriums auf Nachfrage von bgland24.de.

Erste Rückmeldungen verdeutlichen: Schüler können Tests selbstständig anwenden

Kultusminister Piazolo schätzt die Lage wie folgt ein: „Selbsttests sind eine große Chance für die gesamte Schulfamilie: Sie sorgen für mehr Sicherheit und eröffnen die Perspektive für mehr Präsenzunterricht.“ Nur so könne es unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen Präsenzunterricht geben. 

Die Testpflicht diene daher gleichzeitig dem Schutz aller im Präsenzunterricht anwesenden Schüler und Lehrkräfte sowie der Verwirklichung des Bildungsanspruchs der Schüler. Erste Rückmeldungen von Schulen zeigen dem Ministerium, dass die Schüler die Tests anwenden können und bei Bedarf die nötige Unterstützung durch ihre Lehrkräfte erhalten. Hinweise zur Durchführung der Selbsttests in den Schulen hat das Ministerium auf seiner Internetseite zusammengefasst.

Ziel des Kultusministeriums: Präsenzunterricht wieder allen Schülern ermöglichen

In einem offenen Brief eines Elternbeirats aus dem Berchtesgadener Land an Ministerpräsident Söder und Kultusminister Piazolo steht allen voran in der Kritik, dass Schulöffnungen und Wiederschließungen weiterhin an Inzidenzwerte geknüpft sind. Dies jedoch liege nicht in der Hand des Kultusministeriums: „Eine Entscheidung darüber, unter welchen Umständen weitere Öffnungsschritte unter Wahrung des notwendigen Infektionsschutzes möglich sind, treffen die Gesundheitsbehörden im Zuständigkeitsbereich des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege.“

Das Kultusministerium aber strebe an, dass so viel Präsenzunterricht wie aus Sicht des Infektionsschutzes vertretbar sei, stattfinden soll. „Präsenzunterricht wieder allen Schülern in allen Jahrgangsstufen zu ermöglichen, bleibt neben dem Gesundheitsschutz unser vorrangiges Ziel“, untermalt der Sprecher.

Mit kurzfristigen Entscheidungen müssen Schulleiter, Lehrkräfte, Eltern sowie Schüler wohl noch längere Zeit leben: „Die leider sehr dynamische und meist nicht langfristig vorhersehbare Entwicklung des Infektionsgeschehens stellt alle Beteiligten weiter vor große und vor allem oft kurzfristig zu bewältigende Herausforderungen.“

Um dennoch den Schulen so viel Planungssicherheit wie unter den vorliegenden Umständen möglich zu bieten, entscheide die jeweils zuständige Kreisverwaltungsbehörde anhand der jeweils am Freitag jeder Woche vorliegenden Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) über die Art der Durchführung des Unterrichts. Die dort getroffene Regelung gelte dann für die Dauer der gesamten darauffolgenden Kalenderwoche.

Das Kultusministerium informiere die Schulen über anstehende Veränderungen schnellstmöglich – der Wunsch aller Beteiligten nach langfristigen Perspektiven und Planbarkeit sei vollkommen nachvollziehbar und werde soweit erfüllt, wie es im jeweiligen Fall möglich sei.

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Beim Vorrücken gelten „Regelungen mit größtmöglichem pädagogischen Augenmaß“

In Bezug auf Leistungsnachweise seien im Distanzunterricht - abhängig von den Voraussetzungen vor Ort wie technische Möglichkeiten, Alter der Schüler - mündliche Leistungsnachweise wie beispielsweise Referate, Vorstellungen von Arbeitsergebnissen oder Projekten im Rahmen einer Videokonferenz möglich. Die Leistungserhebung liege in pädagogischer Verantwortung der Lehrkraft. Schriftliche Leistungsnachweise jedoch würden grundsätzlich im Präsenzunterricht erbracht.

Bedenken in Bezug auf Zeugnisse, die nach den Pfingstferien anstehen, müssten die Schüler indes nicht haben: Das Wiederholungsjahr ohne Anrechnung auf die Höchstausbildungsdauer sei bereits seit Januar in Form der entsprechenden Änderung der Bayerischen Schulordnung umgesetzt, erläutert der Ministeriumssprecher abschließend.

„Auch die Schulen wurden frühzeitig darüber informiert, dass ein Wiederholen des Schuljahres 2020/21 nicht auf die Höchstausbildungsdauer angerechnet wird. Wie schon im letzten Jahr werden wir beim Vorrücken Regelungen mit größtmöglichem pädagogischen Augenmaß anwenden.“

mb

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