Kommunalwahl Bayern 2020: Bürgermeisterkandidat für Bad Reichenhall

18 Fragen an Guido Boguslawski (SPD)

Oberbürgermeisterkandidat in Bad Reichenhall: Guido Boguslawski (SPD).
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Oberbürgermeisterkandidat in Bad Reichenhall: Guido Boguslawski (SPD).

Bad Reichenhall - Am 15. März 2020 finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Auch in Bad Reichenhall wird der Oberbürgermeister gewählt. Wir stellen Ihnen die Kandidaten vor. Dieses Mal: Guido Boguslawski (SPD).

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Die Antworten auf unseren Fragebogen:

1. Name

Guido Boguslawski


2. Partei

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

3. Alter

44

4. Wohnort

Seit 2003 darf ich in Bad Reichenhall (St. Zeno) wohnen

5. Geburtsort

Detmold, NRW, aufgewachsen in Horn-Bad Meinberg, Lippe, NRW

6. Familienstand

Ledig

7. Kinder

Ich habe leider noch keine eigenen Kinder, bin aber stolzer Onkel und Pate einer mittlerweile 20- jährigen Nichte.

8.  Wie verlief Ihre bisherige politische Karriere?

  • Eintritt in die SPD zum 01.01.1996, Ortsverein Augsburg Oberhausen 
  • Seit 2003 SPD Bad Reichenhall 
  • 2005 bis 2007 Schriftführer und stv. Ortsvorsitzender 
  • Seit 2007 Ortsvorsitzender (in Nachfolge von Dr. Bärbel Kofler) 
  • Gleichzeitig Mitglied im erweiterten Kreisvorstand SPD BGL Bezirkstagskandidat 
  • 2008 Stadtrats- und Kreistagskandidat 
  • Stadtrat Bad Reichenhall seit 05/2019

9. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Direkte politische Idole habe ich nicht. Mein sozialdemokratischer Gemeinschafts- und Gerechtigkeitssinn wurde durch meine Eltern geprägt, obwohl sie nie parteipolitisch aktiv waren. Mein Vater arbeitete, nach seiner Ausbildung auf einer Zeche, als Schlosser in einem großen holzverarbeitenden Betrieb. So lange ich denken kann, war er im Betriebsrat engagiert und Gewerkschaftsmitglied. Nach der Anschaffung meines ersten PCs spannte er mich in seine Arbeit ein, wodurch mein Wille entstand, Jurist zu werden. Meine Mutter lernte Verkäuferin und war bis zur Geburt meiner Schwester bei Opel in der Produktion tätig, danach als aufopfernde Familienmanagerin. Meine Eltern haben mich immer gefördert und unterstützt, obwohl dies für sie Einschränkungen mit sich brachte.

10. Was verbindet Sie mit Ihrer Kommune? Was ist das Besondere Ihrer Kommune?

Zugegeben, ich bin 2003 eher zufällig nach Bad Reichenhall gekommen. Ich hatte mich damals beim Sozialverband VdK Bayern beworben und die Stelle als Kreisgeschäftsführer hier war frei. Als bester Bewerber habe ich die Stelle bekommen. Schon nach kurzer Zeit hatte ich hier meine neue Heimat gefunden, Ich habe mich in die Menschen, Stadt, Landschaft und meinen Job verliebt. Ich fühle mich hier wohl, hier mag ich nicht mehr weg.

11. Warum sind Sie genau der Richtige?

Weil ich es kann. Ich bin in einem Alter, in dem ich genug Berufs- und Lebenserfahrung für die Arbeit als Oberbürgermeister mitbringe. Ich habe aber auch noch ausreichend Zeit, die Stadt über mehr als eine Wahlperiode leiten zu können. Ich bin seit 17 Jahren mit Mitarbeiterführung und Finanzgeschäften vertraut, seither auch mit dem Umgang mit Behörden und ihren Vorgängen. Durch zehntausende Beratungen von Bürgerinnen und Bürgern kenne ich deren Belange und Nöte. Ich habe mich aber immer als Vermittler zwischen den Betroffenen und den offiziellen Stellen gesehen. Dazu beherrsche ich den vermittelnden Ausgleich zwischen Hauptamt und einem anspruchsvollen Ehrenamt.

12.  Was wurde in der vergangenen Amtszeit verpasst? Was wollen Sie besser machen?

Mir behagt es nicht, Vergangenes schlecht zu machen. Ich schaue in die Zukunft. Vieles ist gut gelaufen, manches nicht so. Mir widerstrebt es, Kritik am Amtsinhaber oder der Verwaltung zu äußern. Persönliche Angriffe und Schuldzuweisungen zu Wahlkampfzwecken lehne ich ebenso ab, wie kritische Aussagen über meine Mitbewerberinnen und Mitbewerbern. Ich stehe für einen fairen Wahlkampf. Ich mache Werbung für mich, nicht gegen andere. Ich will mit Ehrlichkeit Vertrauen gewinnen. Sicher ist, dass fast alle Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Stadtoberhauptes auch im nächsten Stadtrat sitzen werden. Persönliche Attacken schädigen bereits jetzt ein unabdingbares vertrauensvolles Miteinander. Mit aller Kraft werde ich allerdings rassistische, rechts-nationale und faschistische Tendenzen bekämpfen. 75 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges dürfen offensichtliche Nazis keinen Platz in unseren Parlamenten haben, auch nicht im Stadtrat. Die Wählerinnen und Wähler entscheiden, durch wen sie sich vertreten lassen wollen. Sollen darunter wirklich ewig Gestrige sein? Wer seine Wahlentscheidung nur aus Protest trifft, schadet sich letztendlich selbst.

13. Was ist für Sie die größte Herausforderung Ihrer Kommune? Wie stehen Sie dazu und was gedenken Sie zu tun?

Bad Reichenhall steht grundsätzlich gut da. Ein Hauptproblem bleibt die erhebliche Verkehrsbelastung. Wir brauchen eine Verkehrswende, weg vom Individualverkehr hin zum öffentlichen Nahverkehr. Die Stadtwerke bieten bereits ein hervorragendes Angebot, alle 20 Minuten fährt der Citybus. Dazu noch die Linien 1 und 2, diese sollten allerdings öfter und auch noch später fahren, um die Akzeptanz zu fördern. Teuer ist das Busfahren nicht, am Wochenende sogar frei. Neue Haltepunkte der S-Bahn in den Stadtmitte und am Landratsamt versprechen weitere Besserungen. Überörtliche Verkehrsverbünde müssen zur Chefsache werden. Das Angebot muss allerdings auch genutzt werden. Etwa durch freie Jobtickets für alle Beschäftigten der Stadt. Dies kann auch zum Vorbild für Betriebe vor Ort werden. Wir brauchen durchgehende Radwege, auch wenn dies zu Lasten von Parkplätzen geht. Ein Lärmschutz an der B20/21 muss zeitnah geschaffen, sowie das Lkw-Nachtfahrverbotes strikt kontrolliert werden (eine nichtoffizielle Zählung der SPD im November 2019 hat insgesamt 63 Lkws zwischen 5.00 und 6.00 Uhr ergeben).

14. Was sind – neben den größten Herausforderungen – Ihre drei wichtigsten Ziele in den kommenden sechs Jahre? Was wollen Sie für die Menschen in ihrer Kommune erreichen?

  1. Schaffung einer modernen Verwaltung durch Digitalisierung. Mein Arbeitgeber hat vor fünf Jahren auf die elektronische Akte umgestellt. Mittlerweile arbeite ich überwiegend papierlos. Eine Umstellung, die schon kurzfristig viel Zeit und Geld einspart. Dies bietet dann mehr Zeit für eine effiziente und bürgernahe Verwaltung. Ziel ist die Kunden-, sprich Bürgerorientierung der Stadt als Serviceunternehmen. Von Entscheidungen Betroffene müssen frühzeitig informiert werden und zu Wort kommen. Allerdings bin ich auch ein klarer Verfechter der repräsentativen Demokratie, d.h. die Entscheidung liegt letztendlich beim Stadtrat. Aus langjähriger Erfahrung weiß ich, dass es notwendig ist, Betroffenen negative Entscheidungen ehrlich und offen persönlich zu erklären, das steigert die Akzeptanz. 
  2. Erstellung eines Konzepts für Bad Reichenhall. Ein „Masterplan“ für die nächsten 20 Jahre. Man kann es Stadtentwicklungskonzept nennen, zur Aktivierung von Fördermitteln. Aber anstatt immer nur über Einzelprojekte zu entscheiden, muss sich der zukünftige Stadtrat einigen, welchen Kurs unsere Heimatstadt nehmen soll. 
  3. Ebenfalls eine riesige Herausforderung stellt die derzeitige Finanzlage unserer Stadt dar. Der Schuldenstand wird durch notwendige Investitionen in den nächsten Jahren, etwa im Bereich der Kindergärten und Tagesstätten erheblich steigen. Daher müssen sowohl die Ausgaben, als auch die Einnahmen auf den Prüfstand gestellt werden. Keine Einsparungen wird es mit mir in den Bereichen des Personals und der Kinderförderung geben, ansonsten darf es keine Denkverbote geben. Ich scheue auch nicht davor zurück, bei den Einnahmen über die Erhöhung von Steuern und Abgaben zu reden. Zum Beispiel eine moderate Anhebung der Gewerbssteuer oder eine deutliche Erhöhung der Zweitwohnungssteuer. Bei letzterer handelt es sich auch um eine mögliche Steuerung der Wohnungsknappheit. Wer sich eine Zweitwohnung in Bad Reichenhall leisten kann und unsere Infrastruktur nutzt, sollte an diesen Kosten auch angemessen beteiligt werden. Und es steht ja jedem frei, seinen Erstwohnsitz hier zu begründen.

15. Bezahlbarer Wohnraum ist bei uns Mangelware. Wie sehen Sie die aktuelle Situation in Ihrer Kommune und was gedenken Sie hier zu tun?

Ganz klar, Stärkung der Reichenhaller Wohnbau GmbH durch Investitionen, nicht nur am bisherigen Landratsamt, sondern in ganz Bad Reichenhall. Das erfordert auch eine Professionalisierung. Ein/e hauptamtliche/r GeschäftsführerIn, nicht nur zur Verwaltung des Bestandes, sondern zur aktiven Suche nach neuen Standorten und Steuerung zukünftiger Investitionen. Ich kenne aus meiner Beratung leider zu viele Menschen, die eine günstige Wohnung suchen und auf langen Wartelisten landen. Darüber kann man auch die Organisation neuer Wohnformen, wie etwa Senioren- oder Mehrgenerationen-WGs oder genossenschaftlichen Wohnungsbau managen. Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums beschränkt sich nicht nur auf Mietwohnungen, sondern auch auf Eigentumserwerb, beispielsweise für junge Familien als Altersvorsorge unter Berücksichtigung eines Erbpachtrechts.

16. Der Klimaschutz ist im Moment in aller Munde. Wie wichtig ist Ihnen dieses Thema und was gedenken Sie hier zu tun?

Die Stadt sollte alle Möglichkeiten zum nachhaltigen und energiesparendem Wirtschaften ausschöpfen. Die effektivste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Man darf aber auch nicht alles nur dem Staat zuschieben, jeder muss selbst aktiv werden. Ich persönlich habe durch einfache Maßnahmen (Energiesparlampen, Heizungsdämmung und elektronische Heizthermostate, angepasste Fahrweise) meinen persönlichen Energieverbrauch bereits vor Jahren um 30% reduziert. Das spart auch Geld.

17. Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und neue Düngeverordnung: Wie stehen Sie zu den Protesten der heimischen Landwirte und gedenken Sie in diesem Punkt zu handeln? Falls ja, wie?

Auch ich habe das Volksbegehren unterschrieben. Ehrlicherweise sind meine Kenntnisse im Bereich der Landwirtschaft ausbaufähig, obwohl ich direkt neben einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen bin. Ob es in Bad Reichenhall Probleme in Verbindung mit der Düngeverordnung gibt, ist mir nicht bekannt. Ich informiere mich aber gern. Konventionelle Landwirtschaft ist leider auch zunächt weiterhin erforderlich, schon aus sozialen Gründen. Denn auch die alleinerziehende Mutter muss sich die Lebensmittel für ihre Kinder noch leisten können. Aber vollsten Respekt für die Landwirte für unsere Grundversorgung und den tagtägliche Einsatz.

18. Gibt es noch ein wichtiges Anliegen, das Sie Ihren Wählern gerne mit auf den Weg geben würden? Falls ja, welches?

Wenn ich OB bin, werde ich als erstes ein größeres Dienstfahrzeug mit Chauffeur nutzen: Ich kaufe mir ein Monatsticket für den Citybus. Ich werde zunächst Praktika in allen städtischen Behörden und Einrichtungen durchführen, Bauamt, Einwohnermeldeamt, Bauhof, Kindertagesstätten, Ordnungsamt. Ich möchte die Probleme der städtischen Einrichtungen hautnah erleben, um Lösungen zu entwickeln. Ich werde die Stadtratsfraktionen mehr fordern. Bereits in der Vorbereitung der Stadtratssitzungen wird es einen runden Tisch mit mir, den Fraktionssprecherinnen und - Sprechern und der jeweils zuständigen Verwaltung geben.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten der Kandidatin/des Kandidaten wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

Quelle: rosenheim24.de

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