Der neue Bad Reichenhaller Oberbürgermeister im Gespräch

"Neues Miteinander und Kultur des Ermöglichens" - dafür steht Christoph Lung

Bad Reichenhalls neuer OB: Christoph Lung
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Mit 31 Jahren Oberbürgermeister von Bad Reichenhall, für Christoph Lung ein Grund zum Strahlen.

Bad Reichenhall - Im April vergangenen Jahres wurde es offiziell: die CSU stellt den amtierenden Oberbürgermeister Herbert Lackner nach 14 Jahren im Amt nicht mehr auf. Ein langer Wahlkampf begann bei dem am Ende ein neuer CSU-Oberbürgermeister das Ruder in die Hand nehmen wird. BGLand24.de hat mit Christoph Lung gesprochen.

Über ein Jahr hat der Wahlkampf der CSU gedauert. Angefangen mit der Entscheidung, Oberbürgermeister Herbert Lackner nicht mehr aufzustellen, weiter mit der Kandidaten-Findung, bis hin zum eigentlichen Wahlkampf. Ein aufregendes Jahr?


Lung: Es war auf alle Fälle ein aufregendes und intensives Jahr. Am Anfang hätte uns kaum einer dieses Ergebnis zugetraut. Ich glaube, was den Erfolg schließlich ausgemacht hat, war, dass wir immer unseren Überzeugungen treu geblieben sind. Dass wir eine wahnsinnig tolle Teamleistung gehabt haben, mit allen Stadtratskandidatinnen und -kandidaten und dass wir den Menschen einfach auch glaubhaft vermitteln haben können, dass wir glaubwürdig für einen Neuaufbruch stehen und wirklich einiges anders machen wollen und vieles besser.

Hätten Sie vor einem Jahr damit gerechnet, dass Sie am Ende der Oberbürgermeister sind?


Natürlich haben wir immer gehofft, dass es so ausgeht, aber ich glaube richtig rechnen kann man damit vor Wahlen ohnehin nicht. Wir wollten eine bedeutende Rolle spielen. Wir wollten um möglichst viel Zustimmung werben, aber dass das so kommt, das hat niemand vorhersagen können.

Sie sind mit 31 Jahren noch relativ jung. Das scheint dem Wähler nichts auszumachen.

Wir sind tatsächlich davon ausgegangen, dass es ein Makel sein könnte, weil viele auch gefragt haben "ja ist der nicht zu jung, kann der das wirklich". Im Wahlkampf selber haben wir aber auch zu unseren großen Überraschung festgestellt, dass doch viele Wähler gesagt haben, es ist genau richtig und es muss mal was Junges her.

In dem Zusammenhang muss man aber auch darauf hinweisen, dass auch Dr. Herbert Lackner erst 34 Jahre alt war als er sein Amt 2006 angetreten hat. So dass man sagt, es geht überhaupt nicht, ist es auf gar keinen Fall. Meine Beispiele, die ich auch im Wahlkampf immer zitiert habe, waren Sigi Walch in Traunstein oder Sebastian Kurz in Österreich. Ich glaube, dass es primär keine Frage des Alters ist, sondern eine Frage der Persönlichkeit und der Haltung.

Statt im Gespräch mit vielen Leuten hat Christoph Lung den Wahlabend im Kreise der engsten Familie erlebt.

Der Wahlabend (29. März) war in vielen Bereichen besonders, vor allem da durch den Coronavirus und die dazugehörigen Ausgangsbeschränkungen keine Wahlpartys möglich waren. Wie haben Sie ihn erlebt?

Es ist tatsächlich so, dass momentan alles unter sehr schwierigen und fast schon surrealen Bedingungen stattfindet. Wenn ich mir vorstelle, wie es sonst immer so abgelaufen ist: Ergebnisverkündung im Rathaus, große Feier im Bürgerbräu, war es dieses Mal ganz, ganz anders.

Ich saß zu Hause im Kreise meiner engsten Familie und habe aufs Handy gestarrt, ob ich irgendwelche Informationen bekomme von der Auszählung, hab auf den Bildschirm von meinem Laptop gestarrt, ob ich da irgendwelche Balken sehe, die sich bewegen auf der Homepage der Stadt.

Ich habe dann viel telefoniert am Abend noch. Habe mich bei meinen engsten Helfern bedankt, habe Glückwünsche entgegengenommen und dann mit der Familie ein bisschen angestoßen, aber es war alles sehr gedämpft und von feiern kann da keine Rede sein.

"Gemeinsam für Bad Reichenhall", ein neuer Oberbürgermeister für die Kurstadt.

Ab sofort heißt es "gemeinsam für Bad Reichenhall". Wie lässt sich das in der Übergabe mit dem amtierenden Oberbürgermeister umsetzen?

Zunächst habe ich am Montag bereits angeboten, jetzt auch in der Zwischenzeit zur Verfügung zu stehen. Ich glaube, dass gerade die Krise das erfordert, dass ich manches auch schon mitbekomme. Das Angebot steht auch weiterhin. Ansonsten wird die Amtsübergabe, so vermute ich mal, um den 1. Mai herum ablaufen, wenn dann auch wirklich das Amt wechselt. Ich gehe davon aus, dass wir das vernünftig hinbekommen werden. 

Ich von meiner Seite möchte auf alle Fälle den Blick nach vorne richten, einfach schauen, dass wir die Stadt Bad Reichenhall gut durch diese Zeit bekommen und meine Verantwortung wahrnehmen.

Corona ist momentan das vorherrschende Thema. Welche Herausforderungen kommen dadurch auf die Stadt Bad Reichenhall zu?

Wir können das momentan noch gar nicht absehen, was die Folgen schlussendlich sind, weil niemand zuverlässig vorhersagen kann, wie lang die momentane Situation wirklich andauert. Womit wir jetzt immer noch zu tun haben ist der Infektionsschutz, dass die Zahl der Ansteckungen nicht weiter steigt, dass die Bevölkerung wirklich gesund bleibt.

Alles was dann in zweiter Linie kommt, ist wirklich die Frage der Aufarbeitung. Wie sind die wirtschaftlichen Folgen, welche Auswirkungen hat das zum Beispiel auf Leerstände in der Stadt, wie viel Geld steht uns im Haushalt zur Verfügung, wie schaut es aus mit den Arbeitsplätzen. Das sind lauter Herausforderungen, die dann in zweiter Linie zu regeln sind.

Momentan sind wir noch dabei, den Gesundheitsschutz sicherzustellen, auch die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung. Da wird man Schritt für Schritt vorgehen müssen.

Ein neues Miteinander und eine Kultur des Ermöglichens will Christoph Lung in Bad Reichenhall schaffen.

Welche große Themen und Projekte möchten Sie außerdem als erstes angehen, welche sind für die Kurstadt am Wichtigsten?

Die Themen, die auch im Wahlkampf diskutiert worden sind, haben alle ihre Gültigkeit behalten. Manche werden sich vielleicht sogar im Angesicht von Corona noch verschärfen. Das Thema, worauf wir wirklich Wert gelegt haben und worauf ich auch weiterhin Wert lege, weil es wichtig ist, ist zum einen ein neues Miteinander zu schaffen im Stadtrat von den politischen Verantwortungsträgern. Zum zweiten aber auch eine neue Führungskultur im Rathaus zu etablieren und eine Kultur des Ermöglichens von der Verwaltung her zu schaffen.

Das ist eine mittel- bis langfristige Aufgabe, das wird sich nicht von heute auf morgen regeln lassen, aber es ist eine ganz wichtige Aufgabe. Da kann ich mit gutem Beispiel vorangehen und das möchte ich unbedingt anpacken.

Wie läuft die Zeit bis 1. Mai noch für Sie ab?

Ich habe ja mehrere Tätigkeiten ausgeübt, die ich jetzt nach und nach beenden werde. Ich werde in diesem Monat alles regeln und soweit abwickeln, dass ich dann auch problemlos hinüberwechseln kann. Das ist jetzt momentan ein Fahren auf Sicht und wird alles Schritt für Schritt angegangen und dann werden wir diesen Wechsel auch gut hinbekommen.

Was wünschen Sie sich für die erste Amtszeit als Oberbürgermeister?

Ich würde mir wünschen, dass es uns gelingt, dieses neue Miteinander zu etablieren, dass wir gut über diese Coronakrise hinwegkommen und dass wir einige wichtige Projekte auch zu einem guten Ende führen können, die schon begonnen sind und vielleicht auch das ein oder andere neue anpacken können.

Es steht momentan alles unter Corona-Vorbehalt, möchte ich sagen, aber ich glaube, wichtig wird es sein, dass man erst einmal eine Bestandsaufnahme macht. Eine ehrliche Analyse, wo stehen wir, dass wir davon ausgehend wirklich handeln können und die Dinge anpacken.

cz

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