"Mein Job ist Streetworker"

Hans Söllner schwebt ein anderes Konzept für "sein" Bad Reichenhall vor

Hans Söllner: "Alles hat mit Marihuana-Baam angefangen"
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Wenn er Oberbürgermeister wird, will Hans Söllner eine andere Art von Zusammenleben probieren.

Bad Reichenhall - Auf den letzten Drücker hat Liedermacher Hans Söllner die Unterstützer-Unterschriften für die Oberbürgermeister-Kandidatur erreicht. Jetzt hat er sich zu seinen Vorstellungen für die Kurstadt geäußert.

"Ich will, dass wir einfach eine andere Art des Zusammenlebens schaffen", erklärte Hans Söllner in einem Pressegespräch. Fern von hochtrabenden politischen Entscheidungen will er sich rein mit der Basis beschäftigen. Der 63-Jährige will ein buntes Bad Reichenhall, kleine Oasen schaffen, wo sich die Bürger gern aufhalten. "Ich will es den Leuten, die hier leben schön machen."


Der Liedermacher hatte bewusst ins Eiscafe Simonetti geladen. Dort sitzt er oft und dort hat für ihn die Oberbürgermeister-Kandidatur angefangen. "Ausschlaggebend, muss ich wirklich sagen, so lächerlich das klingt, war dieser Parkplatz", sagt er und deutet auf den Parkplatz an der Forstamtsstraße. "Auf einmal kommt ein Trupp daher und stellt vier Schilder auf, dass du von der einen Seite nicht mehr reinfahren darfst und von der anderen Seite nicht rausfahren darfst. So kannst du gar nicht einparken, dass du nicht verkehrt herum fährst." Söllner hatte seinem Ärger damals über Facebook Luft gemacht.


Für ihn ist es unverständlich, dass die Beschwerden von vielen Bürgern einfach ignoriert wurden und die neue Regelung beibehalten wurde. "Ich kenne mich gar nicht aus", gibt der 63-Jährige zu. "Ich sitze nur da, aber das tut keiner von den Stadträten." Genau das will er ändern, hören wo der Schuh drückt, miteinander reden. "Das ist einfach mein Ding. 365 Tag kein Handy, einfach eine andere Art und Weise. Zu wissen, dass da keine Tiertransporte durchfahren, dass da nicht Billigware aus der Ukraine kommt, sondern, dass wir anständig essen und dadurch auch einen anständigen Umgang miteinander lernen. Weil ich glaube, dass es sehr wohl etwas damit zu tun hat, von was wir uns ernähren und was wir da vorgelegt kriegen und dieses Bewusstsein möchte ich gern ändern."

Ein Bewusstsein, das sich auch in der Geschäftswelt widerspiegeln soll. Für Hans Söllner ist es unverständlich, dass ein Hausbesitzer seinen Laden lieber leerstehen lässt, weil er nicht genügend Miete bekommt, so aber gar keine Einnahmen hat. "Die Stadt muss dann mit ihm reden. Wir tun da jetzt beispielsweise einen wirklich guten Regionalladen rein. Nur Gemüse und Fleisch, keine Nahrungsergänzungsmittel und nur aus der Region. Das könntest du sofort machen und sofort wären Leute bereit, aber sie können die Mieten nicht zahlen, fünf Monate lang, weil sie ihr ganzes Hab und Gut dareinstecken."

Hans Söllner zu seiner OB-Kandidatur: "Ich werde immer Musiker bleiben"

"Drei Bürger könnten die kompletten Schulden des Landkreises tilgen", ist sich der Liedermacher sicher, ohne Namen zu nennen. "Warum gibt nicht der, der viel hat ein bisschen davon ab, um jemand zu helfen, der eben kaum was hat." Das Programm von Hans Söllner sieht keine Entscheidungen zum Kirchholztunnel, zu den Hotelplänen in Nonn oder dem geplanten Wasserkraftwerk an der Nonner Rampe vor. Er will zurück zur Basisarbeit und durch eine andere Art, andere Lösungen finden.

"Ich muss, Gott sei dank, nicht da meinen Lebensunterhalt verdienen", gibt Söllner zu. Er darf sein Geld damit verdienen, Lieder zu schreiben, aufzutreten und frei zu sein. Deshalb bewertet er den Posten des Oberbürgermeisters auch anders. "Mein Job ist Streetworker. Jeder kann zu mir kommen." Letztlich werde er aber als Oberbürgermeister, sollte er gewählt werden, immer auch Musiker bleiben.

Hans Söllners Meinung zu Parken, demonstrieren und Energie

Dennoch hat er zu einigen Themen klare Ansichten. "Definitiv, glaube ich, kann sich keine Stadt in Deutschland mehr leisten, dass jemand irgendwo in den Städten parkt. Man sollte im Außenbereich schauen, dass man parkt, dass dort Parkplätze zur Verfügung gestellt werden." Auch die demonstrierenden Jugendlichen nimmt er in die Pflicht. "Die sollen trotzdem am Freitag in der Früh um acht in der Aula sein, damit es keine Schwänzer sind und dann gehen sie in die Stadt und räumen auf."

"Weil i glab, dass i was ändern kann!" - war die einzige Erklärung, die sich Hans Söllner bei seiner Nominierung entlocken ließ. Jetzt wurde er ausführlicher.

Auch ist Hans Söllner überzeugt, dass eine Stadt wie Bad Reichenhall unter anderem mit dem Saalachsee die Möglichkeit hätte, Energie autark zu sein. "Dann errichten wir im Kirchholz eben ein paar Windräder." Auch wenn er bekennender Naturschützer ist, sagt er klar. "Jetzt ist es schon kaputt und lieber nutze ich die Ressourcen die da sind, damit die stinkende Braunkohle endlich wegkommt."

Letztlich liegt die Entscheidung bei den Reichenhaller Wählern, das weiß auch der Liedermacher. Dennoch sagt er klar: "Ich kann nichts versprechen. Wenn ich etwas verspreche und kann es nicht halten, dann geht es mir schlecht." Deshalb fragt man ihn nach seiner Meinung zu konkreten Themen vergeblich. Die einzige Antwort: "Probieren wir es anders, es kann ja nicht schlechter werden, außer, dass es ein bisschen bunter wird und das kann ja nicht schlecht sein."

cz

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