Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen BGL

Grüne für Photovoltaik auf Kasernendächern

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Bündnis 90/Die Grünen zu Besuch bei der Bundeswehr: Dr. Bartl Wimmer, Hauptmann Helge Schöbel, Julia Schmied, Dr. Pia Heberer, Oberstleutnant Peter Eichelsdörfer, Friedrich, Michael Nürbauer, Eleonore Lindauer, Oberstleutnant Thomas Nockelmann (von links nach rechts).

Bad Reichenhall - Warum nicht die Gebäudedächer der Hochstaufenkaserne in Bad Reichenhall, wo immer möglich, mit Photovoltaikanlagen ausstatten und somit umweltfreundlich Strom erzeugen?

Diese und andere Themen waren Gesprächsgegenstand bei einem umfassenden Gedankenaustausch zwischen der Führungsspitze der Gebirgsjägerbrigade 231, vertreten durch Oberst Peter Eichelsdörfer, Oberstleutnant Thomas Nockelmann, sowie Hauptmann Helge Schöbel, und einer Delegation von Bündnis 90/Die Grünen Berchtesgadener Land, angeführt von Grünen-Landratskandidat Dr. Bartl Wimmer und Grünen-OB-Kandidatin Dr. Pia Heberer. 


Bei einem Rundgang führte Oberstleutnant Nockelmann die Gästen zunächst über das weitläufige Kasernenareal und berichtete von umfassenden Umbauplänen. Demnach will die Bundeswehr rund 200 Millionen Euro investieren, um die im Jahr 1936 erbaute Kaserne auf einen in Bezug auf Gebäudetechnik und Truppenorganisation zeitgemäßen Stand zu bringen. Im Anschluss daran informierte Oberst Eichelsdörfer in einer Präsentation über Struktur und Aufgabenstellung der Gebirgsjägerbrigade 23. Die Brigade ist auf die Standorte Bad Reichenhall, Bischofswiesen, Mittenwald, Füssen und Ingolstadt verteilt. Allein am Standort Bad Reichenhall sind rund 1500 bis 2000 Soldaten stationiert. Die Brigade verfügt mit ihrer Ausrichtung zum Einsatz in schwierigem bis extremen Gelände, auch in großen Höhen und unter extremen Klima- und Wetterbedingungen, so Eichelsdörfer, über ein im internationalen Vergleich einzigartiges Fähigkeitsprofil. 

Seit 1993 sind Soldaten der Brigade in fast allen Auslandsmissionen der Bundeswehr, beginnend bei Somalia, den Balkaneinsätzen in Bosnien und Kosovo, über Afghanistan und den Irak bis nach Mali im Einsatz. Breiten Raum nahm bei dem Gespräch auch die aktuelle Debatte um die Einschränkung des öffentlichen Zugangs zum Standortübungsplatz Kirchholz ein. Wie Oberst Eichelsdörfer erläuterte ist der Grund für die von der Bundeswehr geplanten Änderungen die durch Gerichtsurteile neue Rechtslage in Bezug auf Haftungsfragen bei Unfällen. Letztendlich könnten auf die Bundeswehr ohne die geplanten Maßnahmen unfallbedingte hohe Schadensersatzforderungen zu kommen. 


Neue Übungsformen und die wieder gestiegene gestiegene Bedeutung der Landes- und Bündnisverteidigung führten einerseits wieder zu engerem Kontakt zur lokalen Bevölkerung , steigere aber auch das Risiko von Unfällen. Oberst Eichelsdörfer betonte, dass man bemüht sei, das traditionelle Miteinander zwischen der Gebirgsjägerbrigade und der Bevölkerung zu bewahren und bezüglich der künftigen Einschränkungen, wo immer möglich, nach einvernehmlichen Lösungen strebe. So wolle die Bundeswehr auf eigene Kosten den bisher u-förmig um das Kirchholz verlaufenden Weg zu einem Rundweg erweitern, um damit das bei der Bevölkerung beliebte Areal an den Rändern weiterhin nutzbar zu machen. Auch sei man bestrebt, die aus dem Übungsbetrieb entstehenden Belästigungen für die Anwohner möglichst gering zu halten. Eichelsdörfer wies auch darauf hin, dass ein großer Teil des Übungsbetriebes in den letzten Jahren zum Standortübungsplatz Kammer im Landkreis Traunstein verlegt worden sei. Auch für den Gebirgsübungsplatz auf der Reiteralpe sind in Bezug auf die geänderte haftungstechnische Rechtslage ähnliche Maßnahmen wie im Kirchholz geplant. Diese wolle man in Gesprächen mit Ämtern und Organisationen wie der Staatsforstverwaltung und dem Deutschen Alpenverein erarbeiten.

Zur Möglichkeit der Nutzung der Dachflächen der Kasernengebäude zur Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen meinte Eichelsdörfer, dass die Brigade diesem Vorschlag grundsätzlich positiv gegenüberstehe, es allerdings einige Hürden gebe, die einer umfassenden Nutzung der Gebäude aktuell im Wege stünden. So dürfe die Bundeswehr aus steuerrechtlichen Gründen nur Strom zum Eigenverbrauch erzeugen und keinen Strom ins öffentliche Netz liefern. Im Zuge des künftigen Nutzungskonzeptes der Kaserne würde eine Ausstattung mit Photovoltaikanlagen mit betrachtet. Der Grundlastbedarf sei derzeit durch die vorhandene Gasturbine gedeckt. Letztlich sei zunächst auf politischer und dann auf ministerieller Ebene zu klären, ob und wie eine Nutzung von Sonnenenergie für die Liegenschaften in Frage komme. Die Gebirgsjägerbrigade sei an entsprechende Vorgaben gebunden. 

Zum Schluss seines Vortrages erwähnte Eichelsdörfer noch einige Maßnahmen der Brigade in Sachen Umweltschutz. So wird auf dem Gelände der Kaserne in den nächsten Jahren eine hochmoderne Hallenschießanlage errichtet. Dadurch und durch das Einbringen zusätzlicher Lärmschutzlamellen an der Standortschießanlage Nesselgraben könne die Lärmbelästigung für die Bevölkerung noch weiter reduziert werden. Landratskandidat Dr. Bartl Wimmer und OB-Kandidatin Dr. Pia Heberer bedankten sich bei Oberst Eichelsdörfer und seinem Team für die umfassenden Informationen zu den verschiedenen Themen und die herzliche Gastfreundschaft während des Besuches.Beiden lag die Prüfung der Gebäudedächer auf deren Eignung zur Errichtung von Photovoltaikanlagen sehr am Herzen. Sinnvoll sei hier eventuell die Einschaltung der Grünen-Bundestagsfraktion, um die genannten Hindernisse für eine Nutzung der Gebäudedächer zur Stromerzeugung mittels Photovoltaik anlagen auszuräumen. Stadtrat Michael Nürbauer schlug darüber hinaus eine Kooperation mit den Stadtwerken in nicht sicherheitsrelevanten Bereichen, wie etwa dem neu entstehenden Wohnbereich, vor.

Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Berchtesgadener Land

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