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Branchenfremd zum Wasserbetrieb

12 Jahre durch den Fels: Der lange Weg zum Bad Reichenhaller Mineralwasser

Karlstein Bad Reichenhall Bad Reichenhaller Mineralwasser
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Inhaber Andreas Steinbacher ist eigentlich fachfremd. Erst kaufte sein Vater die Fischzucht in Karlstein, danach kam die Idee des Mineralwassers.

Das Bad Reichenhaller Mineralwasser ist mittlerweile fester Bestand der Kurstadt. Doch wie kamen ein BWLer, ein Maler und ein ITler zum Wasser abfüllen - und was unterscheidet das Wasser eigentlich von anderen Mineralwassern und dem Trinkwasser aus der Leitung?

Bad Reichenhall/Karlstein - In dem kleinen Quellenhäuschen ist nur das Rauschen des kristallklaren Wassers zu hören. 26 Liter pro Sekunde schießen aus der Bad Reichenhaller und der Karlsteiner Quelle. 8,2 Grad kühl, im Sommer wie im Winter - und so rein, wie es wohl nur ein Berg schaffen kann.

Besonderer Wasserzyklus: Zwölf Jahre durch den Staufen

Die Qualität des Wassers blieb nicht unbemerkt. Seit 2016 füllt Inhaber Andreas Steinbacher das Bergwasser in Glasflaschen ab und verkauft das „Bad Reichenhaller Mineralwasser“. Das Besondere: kein Bohren, keine Pumpe und kein Filter sind nötig, um das Wasser innerhalb von nur zwei Minuten in den Glasflaschen abzufüllen.

Der Wasserzyklus ist dabei ausschlaggebend. Regnet es über dem Staufenmassiv, dringt das Wasser in das Gestein der Berge ein, bis in eine Tiefe von rund 200 Metern. Eine wasserdichte Schicht verhindert dann, dass das Wasser weiter nach unten oder nach vorne fließen kann. Von hinten kommt das kühle Nass aber durchgehend nach. Zwölf Jahre dauert dieser Prozess, bis es die Wassermassen schließlich von alleine aus dem Fels herausdrückt - durch die Quellen in Karlstein.

Vom Quellenhaus bis in die Glasflasche dauerts gerade mal zwei Minuten.

Den Mechanismus gibt es seit der Eiszeit, erklärt Steinbacher. Bereits damals bildeten sich die jetzigen Wasserwege. „Das ist bei uns auch der Unterschied zu vielen anderen Wasserbetrieben. Wir haben eine artesische Quelle, bei der das Wasser von alleine aus der Tiefe kommt. Über 90 Prozent der verkauften Mineralwasser werden hingegen mittels einer Brunnenbohrung raufgepumpt.“

Vom Eigenbedarf zum Bad Reichenhaller Mineralwasser

Bereits vor 14 Jahren erwarb Steinbachers Vater die Fischzucht gleich neben den heutigen Gebäuden des Reichenhaller Mineralwassers. „Bei der Fischzucht waren auch diverse Wassernutzungsrechte dabei, da man für den Betrieb der Anlage sehr viel Wasser braucht“, erklärt Steinbacher. Zwei Gebirgsbäche, einige unterirdische und zwei sichtbar erschlossene Quellen gehören dazu.

Die Familie nutzte die Wasserquellen nicht nur für die Fische, sondern auch als Trinkwasser. „Wir waren mächtig stolz, unser eigenes Bergquellwasser zu haben.“ Die Familie entschied sich, das Wasser überprüfen zu lassen, „ob die Quelle auch bakteriologisch in Ordnung ist“. Vom Labor kam dann die Aussage, dass in dem Wasser überhaupt keine Keime wären. „Das sei ungewöhnlich, hat er gemeint“, erinnert sich Steinbacher.

Zahlreiche Untersuchungen später folgte dann die offizielle Anerkennung: Es ist Mineralwasser. Steinbacher war es schon immer sehr wichtig, „etwas Sinnvolles zu tun“. Schnell entstand die Entscheidung, das Wasser abzufüllen. „Wir haben ein super Wasser bei uns in der Gegend. Man braucht kein Produkt das einmal halb durch Europa fährt.“

Ohne Erfahrung zum Wasserbetrieb: Anfangs „hat nichts funktioniert“

Doch aller Anfang ist schwer: ein Maler, ein ITler und ein BWLer. Keiner aus dem Team kam damals vom Fach. „Wir haben uns erst einmal bei den Brauereien informiert, wer eigentlich Abfüllmaschinen baut, in welcher Größe die es gibt und was die kosten“, so Steinbacher. „Dann haben wir bei der Gemeinde angefragt, ob wir überhaupt bei der Fischzucht bauen dürfen. Wir wollten natürlich nicht erst eine Pipeline durch ganz Karlstein in ein Gewerbegebiet legen. Es macht ja Sinn, gleich hier bei der Quelle abzufüllen.“ Zur Unterstützung stellte das Team letztlich einen Braumeister an, der sie gerade in der stressigen Anfangszeit unterstützte.

Der Blick von oben auf die gerade ruhende Produktionskette.

Die Halle war gebaut, die eigens angefertigten Maschinen zur Abfüllung des Bergwassers aufgestellt. Und dann kam der erste Durchlaufversuch. „Es hat nichts funktioniert“, erinnert sich Steinbacher. „Da waren wir nach Monaten endlich so weit, dass wir abfüllen. Die einzelnen Monteure der Maschinen standen für die erste Abfüllung zur Abnahme an den Geräten. Ich habe die Flaschen genommen, aufs Band gestellt und sie sind stecken geblieben. Das war nicht, dass da zwei durchgefahren sind, sondern das hat nie funktioniert.“

„Der Monteur von der Maschine ist daneben gestanden und hat dann jede Flasche einzeln weitergeschoben. Dann fahren die neuen Flaschen ohne Deckel in den Abschrauber. Der Abschraubkopf fährt runter, direkt aufs Glas, alles zerspringt, ein riesen Lärm und jede Flasche ist zerdeppert.“ In der nächsten Station, der Waschmaschine, fallen alle Flaschen um. „Nur der Füller hat sofort funktioniert.“ Auch die Stempelanlage für die Etiketten musste ausgetauscht werden.

„Ich habe mir nur gedacht, um Gottes Willen, was habe ich denn da angefangen. Und dann steht der Brauer neben mir und meint, das sei fürs erste Mal nicht so schlecht. Der wusste ja schon, was passiert.“ Steinbacher erfährt erst während der Abnahme, dass es ganz normal sei, dass die Maschinen zu Beginn nicht auf Anhieb wie gewünscht funktionieren.

„Wir sind kein Industriebetrieb“

Am Ende kann das Team doch recht schnell gut arbeiten. Vier Mitarbeiter führen mittlerweile eine Million Abfüllungen pro Jahr durch - mit der Unterstützung von Steinbacher selbst, dessen Eltern, aber in weiterer Instanz auch den Geschäftspartnern. „Wir selbst beliefern nicht. Das übernehmen die Brauereien und regionalen Getränkehändler.“

Der Umsatz steigt zwar jährlich, aber zu groß möchte Steinbacher nicht werden. „Wir sind kein großer Industriebetrieb, sondern ein Familienbetrieb. Wir arbeiten im Vergleich noch sehr handwerklich.“ Mithilfe des Höhenunterschieds zwischen den Quellen und der Abfüllmaschine, kann der Wasserbetrieb auch hier auf eine Pumpe verzichten.

60 Paletten pro Tag, mit je 36 Kisten und zwölf Kisten pro Falsche - das ist die Tagesproduktion beim Bad Reichenhaller Mineralwasser.

Der Strom für die Produktion kommt vom hauseigenen Wasserkraftwerk. Und diverse Filteranlagen oder eine Nachbehandlung des Wassers sind ja nicht nötig, da das Wasser nach dem zwölfjährigen Zyklus sauber und klar aus dem Fels austritt. „Wir haben so viel Technik weggelassen, wie möglich. Das stille Wasser ist bei uns, wie wenn man beim Berggehen von einer Quelle wegtrinkt.“

Die Abfüllungen wirken sich auch nicht auf den Wasserkreislauf aus. Rund 2,2 Millionen Liter Wasser treten pro Tag aus den Quellen aus. „Das was an einem halben Tag insgesamt an Wasser aus den Quellen kommt, nehmen wir für die Jahresproduktion her.“

Neue Halle, neues Wasser

Und der Unterschied zum Bad Reichenhaller Trinkwasser? „Im Vergleich zum Listsee-Wasser, das die Stadtwerke über eine Brunnenbohrung aus etwa 40 Metern raufpumpen, hat unseres etwa dreimal so viele Mineralien drin. Da merkt man den Unterschied durch die zwölf Jahre im Fels. Je länger das Wasser mit dem Felsen in Berührung ist, umso mehr können sich die Mineralien rauslösen.“

Mittlerweile nutzt Steinbacher nur noch die Bad Reichenhaller Quelle. Dessen Wasser ist natriumärmer und dadurch verträglicher für Säuglinge, Kinder und Schwangere. Und seit kurzem lagert der Inhaber das abgefüllte Bergwasser auch in der neuen Lagerhalle. Denn seit Beginn der Produktion stieg der Absatz im Schnitt um die 15 bis 20 Prozent pro Jahr. Weitere Leergutkisten haben jetzt also mehr Platz.

Stichwort Leergut: Den Deckel der leeren Mineralwasserflasche drauf lassen oder extra entsorgen? „Drauf lassen! Wir sammeln die Aluminiumdeckel und lassen sie recyclen“, so Steinbacher.

ce

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