Gastronomin Ingrid Ortwein und weitere Ladeninhaber

„Jetzt wird‘s existenziell bedrohlich“: Bad Reichenhall zittert vor dem Lockdown

Ingrid Ortwein von der Konditorei „Spieldiener“ in Bad Reichenhall.
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Ingrid Ortwein von der Konditorei „Spieldiener“ in Bad Reichenhall. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr ist die Gastronomie im Berchtesgadener Land nun erneut mit Existenzängsten konfrontiert.

Bad Reichenhall - Jetzt beginnt der Lockdown im Berchtesgadener Land: Die Gastronomie fürchtet neuerdings um ihre Existenz und manche Einzelhändler schließen bereits jetzt - obwohl sie öffnen dürften.

Noch am Dienstagmittag war Leben auf der Ludwigstraße in Bad Reichenhall. Junge Leute genießen die Sonne vor den Cafés, Senioren bummeln, Mütter machen Besorgungen. Doch nahezu jeder befürchtet: So wird es nicht bleiben. Ab Dienstag, 20. Oktober, um 14 Uhr muss die Gastronomie wegen der Sprunghaft gestiegenen Zahl an Corona-Infizierten schließen. Alle anderen Geschäfte dürfen öffnen, doch die Skepsis überwiegt.


Lockdown im Berchtesgadener Land: Einzelhandel und Gastronomie bangen

„Wir werden bis Samstag offen lassen und dann schauen, ob wir vorübergehend schließen oder weitermachen“, so Hilde Greisberger vom Trachtengeschäft „Land-Haus“ im Gespräch mit BGLand24.de. Niemand könne einschätzen, wie das Geschäft in den kommenden beiden Lockdown-Wochen läuft. Für den Bademoden-Laden gegenüber scheint die Sache dagegen klar: „Der Coronavirus schränkt unser gesellschaftliches Leben weiterhin ein. Unser Geschäft ist vorübergehend geschlossen.“


Schon jetzt schließen manche Einzelhändler im Berchtesgadener Land, obwohl sie öffnen dürften. Foto aus der Ludwigstraße in Bad Reichenhall

Zwei Wochen Lockdown, das wird allen Geschäftsbetreibern weh tun - „aber sollten es vier Wochen werden, dann wird‘s tödlich“, so Hilde Greisberger, „dann gehen einige drauf“. Sie vermutet ohnehin, dass das Geschäftsleben so zum Stillstand kommt, dass nächste Woche jeder zweite Laden in Bad Reichenhall „freiwillig“ schließen wird. Denn in der Verfügung des Landkreises heißt es: Die Bürger dürften nur noch mit triftigem Grund auf die Straße gehen. Das schließt das Einkaufen ein, wird aber wohl auch eine abschreckende Wirkung entfalten.

Zweiter Corona-Lockdown im BGL: „Lage ist existenziell bedrohlich“

„Existenziell bedrohlich“ ist die Lage dagegen für die Gastronomie, wie es Ingrid Ortwein ausdrückt. Sie führt gemeinsam mit ihrem Mann den „Spieldiener“ in der Ludwigstraße. Ein Familienbetrieb mit über 110 Jahren Tradition, Konditorei und Café zugleich. „Schon im Frühjahr mussten wir als erste und am längsten zusperren. Und jetzt trifft es ausgerechnet uns wieder“, so Ortwein gegenüber BGLand24.de. Durch den Sommer sei man noch relativ gut gekommen, „aber wenn‘s jetzt mehr als zwei Wochen werden, dann geht‘s nicht mehr“.

Ortwein versteht vor allem nicht, warum die Gastronomie wieder zum Buhmann gemacht wird. „Hier werden Abstände eingehalten, Zettel ausgefüllt, weniger Leute hereingelassen... Warum also schon wieder die Gastronomie? Ich würd‘s einsehen, wenn durch uns die Zahlen so gestiegen sind“, so die Geschäftsführerin des „Spieldiener“. Das Problem in ihren Augen: Privatpartys. „Aber die wird man auch mit den jetzigen Maßnahmen nicht eindämmen können.“ Während des Gespräch räumen ihre Mitarbeiter gerade Tische, Schirme und Stühle von der Straße herein.

Entscheidend wird auch, ob die Grenze zu Österreich offen bleibt

Für Ingrid Ortwein bleibt außerdem vieles unklar: Gibt es wieder Unterstützungsgelder für die Gastronomie? Wer ist diesmal der Ansprechpartner? Und: Bleibt die Grenze zu Österreich offen? „Das wird für viele hier dauerhaft am entscheidendsten sein.“ Doch erstmal bleibt es für Gastronomie und Einzelhandel im Berchtesgadener Land ohnehin ein Hoffen und Bangen: Wie entwickelt sich das Corona-Infektionsgeschehen? Und kann der Lockdown im Landkreis wirklich nach zwei Wochen wieder beendet werden?

xe

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