Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Verkehrs-Hauptschlagadern im BGL auf dem Prüfstand

Darum wird derzeit im Landkreis so viel gebaut

Christian Rehm leitet das Staatliche Bauamt Traunstein
+
Christian Rehm erklärt, wo im Berchtesgadener Land die größten Problempunkte sind.

Ob in Bischofswiesen, Bad Reichenhall oder Schneizlreuth, gefühlt kann man im Berchtesgadener Land derzeit keine Strecke fahren ohne an einer Baustelle vorbeizukommen. Warum sich die Bauarbeiten derzeit so häufen, warum dabei oft eine Vollsperrung nötig ist und was noch auf die geplagten Autofahrer zukommt - der Leiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein, Christian Rehm, wagt einen Ausblick.

Landkreis Berchtesgadener Land - Seit Juni 2018 herrscht auf der B20 am Eisenrichter Berg in Bischofswiesen eine Ampelregelung. Ein Hangrutsch machte die umfangreiche Sanierung der Straße in mehreren Bauabschnitten notwendig. Jetzt ist ein Ende in Sicht, allerdings nicht ohne eine kurzzeitige Vollsperre.

„Mit dem Bau des fünften und letzten Bauabschnittes geht der Ausbau des Eisenrichterbergs heuer seinem Ende zu. Durch den Bau von Stützwänden und die Erneuerung der Entwässerung soll der Streckenabschnitt auch vor Georisiken dauerhaft geschützt werden. Für die abschließenden Asphaltarbeiten muss die Strecke leider aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen für wenige Tage gesperrt werden. Wegen der ebenfalls gesperrten Bahnlinie nach Berchtesgaden haben wir diese Arbeiten gemeinsam mit unserer Baufirma in die Herbstferien verlegt, um insbesondere den Schulverkehr nicht weiter zu belasten“, erklärt der Leiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein, Christian Rehm, auf Nachfrage von BGLand24.de.

Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten am Eisenrichter Berg beendet sein.

Sieben Großbaustellen beeinträchtigen Verkehr im Berchtesgadener Land

Insgesamt sieben Großbaustellen belasten derzeit den Verkehr im Berchtesgadener Land. Im Fall Eisenrichter Berg machten die natürlichen Umstände die umfangreichen Sanierungen nötig. Doch ist das überall der Fall? „Grundsätzlich ist es so, dass das Netz der Bundes- und Staatstraßen aber auch der Kreisstraßen im Landkreis Berchtesgadener Land an vielen Stellen dringend saniert werden muss“, fasst es Rehm knapp zusammen.

Die Infrastruktur sei in die Jahre gekommen und das bei ständig wachsenden Verkehrsbelastungen. In vielen Fällen genüge sie auch nicht mehr den heutigen Anforderungen an die Verkehrssicherheit. „Es ist daher unser vorrangiges Ziel, die Hauptschlagadern für den motorisierten Individualverkehr in einem guten Zustand zu erhalten und dabei die Verkehrssicherheit zu verbessern. Dementsprechend konzentrieren sich auch alle unsere Baustellen, die derzeit im Berchtesgadener Land laufen, auf Bestandserhaltungsmaßnahmen oder punktuelle bestandorientierte Um- und Ausbaumaßnahmen“, so der Leiter des Staatlichen Bauamtes.

Straßenbau im BGL: Vollsperrungen am Fergerlberg und an der Aschauerweiherstraße

Zwei dieser Um- und Ausbaumaßnahmen befinden sich in Schönau am Königssee und Bischofswiesen. Bereits seit vergangenem Jahres ist der Fergerlberg in Schönau am Königssee voll gesperrt. Der Abschnitt der BGL1 vom Kreisverkehr am Bahnhof Berchtesgaden zum Friedhof in Schönau am Königssee soll noch in diesem Jahr frisch saniert und verbreitert fertiggestellt sein.

„Bei dem seit Herbst 2020 laufenden Vorhaben werden die maroden Stützmauern, die Fahrbahnentwässerung und der Straßenkörper sowie der Gehweg der Kreisstraße erneuert und dem Stand der Technik angepasst. Die Fertigstellung ist für Mitte November dieses Jahres vorgesehen“, konkretisiert Christian Rehm.

In Bischofswiesen beginnen die Bauarbeiten dagegen erst. „Seit Ende September laufen auch die Arbeiten zum Ausbau der St2100. Die Strecke ist neben Ihrer Bedeutung für das Erholungs- und Freizeitzentrum Aschauerweiher die Haupterschließungsstraße für den Ortsteil Maria Gern und die Hauptzufahrt zum Kreisklinikum Berchtesgaden“, gibt der Bauamtsleiter hier Einblick.

„Sie weist derzeit nur eine Fahrbahnbreite von circa fünf Meter auf, so dass ein sicherer Begegnungsverkehr mit den notwendigen Sicherheitsräumen nicht gewährleistet ist. Darüber hinaus fehlt in dem Streckenabschnitt ein den heutigen Anforderungen entsprechender Geh- und Radweg. Mit dem Ausbau auf Bestand werden diese Defizite beseitigt und die Verkehrssicherheit maßgeblich verbessert. Der Ausbau und damit die Vollsperrung werden voraussichtlich bis Ende 2022 andauern.“

Straßenbau im BGL: Sind Vollsperrungen immer notwendig?

Über den Winter soll die Vollsperre aufgehoben werden. Doch müssen alle Arbeiten dort wirklich unter Vollsperrung stattfinden? „Hierfür gibt es mehrere Gründe. An vorderster Front stehen hier Arbeitsschutzbestimmungen, die die Gesundheit der Arbeiter gewährleisten sollen. Die Arbeitsschutzrichtlinien formulieren hier klare Vorgaben“, lässt Rehm keine Zweifel zu. Aber auch technische und arbeitsökonomische Gründe sprächen hierfür.

„Im Fall des Ausbaus der St2100 zwischen Bischofswiesen und Aschauerweiher fehlt für eine halbseitige Verkehrsführung schlicht der erforderliche Arbeitsraum. Für provisorische Verkehrsführungen wären also zusätzliche Flächen und damit zusätzliche Eingriffe in den hochwertigen Naturraum erforderlich“, bekräftigt der Bauamtsleiter. Darüber hinaus würde sich die Bauzeit deutlich verlängern, verbunden mit entsprechenden Kostensteigerungen. Bestes Beispiel hierfür sei der Eisenrichterberg der angesichts seiner Verkehrsbedeutung mit halbseitiger Sperrung und Ampelregelung über vier Bausaisonen gebaut werden musste.

Weitere Großbaustelle im BGL: Brückensanierung an der B21 in Bad Reichenhall

Eine Vollsperrung ist im Fall der Bauarbeiten an der B21 in Bad Reichenhall nicht möglich. Dort wird die Brücke über die Bahnstrecke und die Frühlingsstraße derzeit aufwendig saniert. „Das Brückenbauwerk nimmt im Überlagerungsbereich der B20 und der B21 eine zentrale Rolle ein und würde im Fall einer zustandsbedingten Vollsperrung den Zusammenbruch des Verkehrs auf dieser bedeutenden Nord-Süd-Achse bedeuten“, sieht es Christian Rehm pragmatisch.

„Angesichts des schlechten Bauwerkszustandes sanieren wir dieses Bauwerk daher seit Anfang März diesen Jahres. Die unter halbseitiger Sperrung derzeit laufenden Arbeiten werden voraussichtlich noch bis Mitte 2022 andauern. Die damit verbundenen Verkehrsführungen und die Unannehmlichkeiten für Anwohner und Verkehrsteilnehmer sind leider nicht zu vermeiden.“

Dauerbaustelle im Berchtesgadener Land: Weinkaser in Schneizlreuth

Die demolierte Stützmauer gefährdeten die Sicherheit im Straßenverkehr und mussten umgehend erneuert werden.

Auch nicht zu vermeiden waren die Unannehmlichkeiten für die Bürger in Schneizlreuth. Sie müssen ebenfalls seit vergangenem Jahr große Umwege in Kauf nehmen. „Die seit Herbst 2020 laufenden Erneuerungen der Stützwände am Weinkaser mit einer Vollsperrung des Streckenabschnittes und der Erneuerung einer Weißbachbrücke werden voraussichtlich Ende dieses Jahres vorläufig abgeschlossen“, lässt Rehm hoffen.

Ab 2022 soll der Streckenzug also wieder befahrbar sein. Für den Bau der Galerie Weinkaser und die Erneuerung der zweiten Weißbachbrüche müsse der Streckenzug voraussichtlich ab 2024 dann erneut gesperrt werden. „2022 ist jedoch die Sanierung und Ertüchtigung des Antoniebergtunnels im Zuge der St 2101 (Thumseestraße) geplant, die ihrerseits eine Vollsperrung am Antonieberg erfordern wird“, blickt der Bauamtsleiter voraus.

Werden Ende des Jahres bereits verfügbare Gelder für Straßenbauprojekte „verbraten“?

Es ist also nach wie vor kein Ende der angespannten Verkehrslage im Berchtesgadener Land in Sicht. Immer wieder kommt es zu umfangreichen Maßnahmen, die Sperrungen und Umleitungen bedeuten können. Einigen drängt sich da der Eindruck auf, das Staatliche Bauamt müsse Gelder „verbraten“. Ist da etwas dran? Der Leiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein hat dazu eine klare Haltung:

„Angesichts des beschriebenen Erhaltungsrückstandes stellen die Baulastträger seit mehreren Jahren in großem Umfang Haushaltsmittel für die Sanierung der Straßen und Brücken zur Verfügung. Daher haben wir tatsächlich momentan eine Vielzahl an Baustellen im Zuge der Bundes-, Staats-, und Kreisstraßen. Diese Baumaßnahmen gilt es vorzubereiten, auszuschreiben und zu koordinieren. Dabei ist darauf zu achten, dass die Erreichbarkeit der Orte erhalten bleibt.

Zudem müssen sie mit kommunalen Bauarbeiten koordiniert werden. Dies gestaltet sich in dem auf Grund der Topographie mit nur wenigen Straßen ausgestatteten Alpenraum besonders schwierig, da die erforderlichen Vollsperrung meist weite Umleitungsstrecken zur Folge haben. Wir versuchen daher die Arbeiten soweit möglich über die gesamte Bausaison zu verteilen. Das gelingt leider aus unterschiedlichen Gründen nicht immer. Dass „Gelder verbraucht werden müssen“ kann ich dabei nicht bestätigen.“

Auswirkungen Juli-Hochwasser

Die Bundesstraße 20 ist beim Juli-Hochwasser kurz vor Berchtesgaden zur Hälfte von der Ramsauer Ache weggerissen worden.

Benötigt werden die Gelder im Berchtesgadener Land aber allemal. Zuletzt hat das Juli-Hochwasser für massive Schäden an der Infrastruktur vor allem in Berchtesgaden gesorgt. Erste Arbeiten wurden zwar schon erledigt, doch damit sei es nicht getan, verrät Rehm. „Die bisher unmittelbar nach den Hochwasserschäden im Juli 2021 von uns durchgeführten Maßnahmen dienten lediglich der vorläufigen Schadensbehebung, um den Verkehr wieder weitgehend störungsfrei abwickeln zu können. Insbesondere im Bereich westlich Berchtesgaden – dort sind die Stützwände der B305 zur Ache hin weggebrochen oder massiv geschädigt worden - ist ein kompletter Ersatz dieser Stützwände und damit verbunden auch eine Erneuerung der Fahrbahn zwingend erforderlich, um dauerhaft die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.“

Diese Arbeiten würden einen entsprechenden Planungsvorlauf erfordern und würden über einen längeren Zeitraum Baumaßnahmen nach sich ziehen. Die Planungen hierzu laufen bereits. Es wird beabsichtigt mit den Bauarbeiten im Frühjahr 2022 zu beginnen. Sie sollen voraussichtlich das gesamte Jahr 2022 andauern. Weitere Abschnitte sollen folgen. Auch hier müssten die technischen Lösungen erst noch erarbeitet werden.

Ende Oktober erste Straßenbauarbeiten im BGL abgeschlossen

Das Bauen hört im Berchtesgadener Land also so schnell nicht auf. Nur an zwei Punkten sind die Arbeiten so gut wie abgeschlossen. Die Instandsetzung der B305 zwischen Wimbachbrücke und Engedey läuft noch bis Ende des Monats. Die Vollsperrung ist bereits wieder aufgehoben. Die Restarbeiten können unter Verkehr durchgeführt werden.

Baustelle am Gabler Knoten in Bad Reichenhall

Ähnlich sieht es beim Bau der Beschleunigungsspuren der B21 am Knoten Nord in Bad Reichenhall aus. Die Maßnahme dient zur Verbesserung des Verkehrsflusses am häufig überlasteten Gablerknoten. Sie wird voraussichtlich bis Ende Oktober 2021 abgeschlossen sein.

cz

Kommentare