Problematik illegaler Schmuggel im Berchtesgadener Land

„Frodo hat einen Schalter umgelegt“ - So kämpft Tierheimleiterin aus Bad Reichenhall für Hundewelpen

Welpe Frodo wurde im Tierheim Bad Reichenhall aufgepäppelt
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Frodo wurde von Gabi Schwaiger-Weiß im Tierheim Bad Reichenhall als illegale Schmuggelware aufgepäppelt.

Bei Gabi Schwaiger-Weiß landen regelmäßig Welpen aus illegalem Grenzschmuggel. Ihr jüngster Fall war der todkranke Frodo aus Rumänien, mit dessen Aufpäppeln sich für die Tierheimleiterin alles ändern sollte. Für sie steht fest: „So kann es nicht mehr weitergehen.“ 

Bad Reichenhall - Weil sie sich weigerte, die Französische Bulldogge dem Schmuggler-Ehepaar zurückzugeben, erstatteten die Besitzer Anzeige. Schwaiger-Weiß musste sich wegen Unterschlagung vor dem Amtsgericht in Laufen verantworten.

Sie steht zu ihrer Einstellung, die sie 1.800 Euro Strafe gekostet hat: „Sollte ich noch einmal Welpen aufnehme, gebe ich sie nicht mehr heraus, auf gar keinen Fall - und wenn ich die nächste Strafe zahle. Ich würde es immer wieder tun.“

Eigentumsrechte der Tiere liegen beim Besitzer - auch wenn sie Schmuggler sind

Die Tierheimleiterin aus Bad Reichenhall plädiert für eine massive Gesetzesänderung: „Wir sind schließlich nicht mehr im 17. Jahrhundert.“ Laut Bundesgesetz ist es nämlich eine Ordnungswidrigkeit, die Tiere den teils unseriösen Besitzern nicht mehr auszuhändigen. Die Eigentumsrechte liegen trotz Beschlagnahmung beim Besitzer und nicht beim Tierheim oder der Tierschutzbehörde.

Dass die genesenen Tiere wieder bei den Schmugglern landen, da will Schwaiger-Weiß nicht länger mitmachen - auch wenn sie selbstverständlich alle Tiere, die bei ihr in Zukunft abgegeben werden, weiterhin aufnehmen und päppeln wird. Die Schleuser müssten in ihren Augen härtere Strafen erhalten und die Tiere dürften nicht mehr an die „sogenannten Besitzer“ zurückgegeben werden.

„Nur so können wir hoffen, dass sich der illegale Handel wenigstens ein bisserl reduziert – ganz aufhören wird das ohnehin nie.“ Ein Problem sei auch, dass Tiere weiterhin als Sache angesehen werden. „Da geht es nur ums Geld“, unterstreicht Schwaiger-Weiß traurig und erinnert sich an auf Parkplätzen weggeworfene Hundewelpen oder todkranke Katzenbabys in Mülltonnen.

„Dieses Leid nimmt so Überhand, da kann keiner mehr wegschauen. Der Bayerische Staat hat bereits eine Eingabe gemacht, ebenso wie der Tierschutzbund – passiert ist nichts. In Zeiten von Vegetarisch und Vegan, Tierschutz und Klimawandel kann man Auslandstiere, die in derart katastrophalen Zuständen gezüchtet werden, nicht einfach auf die Seite stellen und ignorieren.“

„Es geht hier nicht um meine Person oder die Strafe, weil ich Frodo behalten habe. Es geht um die Tatsache, dass es so nicht mehr weitergehen darf“, betont die Tierschützerin, die auf Zusammenhilfe hofft, dass sich Tierheime oder Tierschutzorganisationen ebenso weigern, Schmuggler-Welpen zurückzugeben. Denn regelmäßig greift die Bundespolizei an den Grenzübergängen illegal eingeführte Tiere auf, die dann dem Veterinäramt gemeldet werden.  

Veterinäramt verzeichnet mehr „Kleintransporte mit einer geringen Tierzahl“

Das Landratsamt arbeitet seit dem Prozess und der konsequenten Einstellung von Schwaiger-Weiß nun mit der größeren Einrichtung in Freilassing, das auch über eine Quarantäne-Station verfügt, zusammen – auch bei Fällen, für die das Heim in Bad Reichenhall zuständig wäre.

„Sowohl an der A8 Walserberg als auch am Grenzübergang in Freilassing werden leider immer wieder illegale Heimtiertransporte angehalten“, weiß das Veterinäramt, das vor allem die Zunahme an „Kleintransporten mit einer geringen Tierzahl“ feststellt. Transporte mit sehr vielen Tieren seien im Landkreis Berchtesgadener Land hingegen eher selten.

Ein Blick auf die Zahlen der letzten Jahre lasse erkennen, dass die Anzahl jener Tiere, die illegal über die Grenze gebracht und dabei aufgegriffen wurden im Landkreis eher rückläufig sei. So wurden zum Beispiel 2019 insgesamt 27 Heimtiertransporte mit 91 Hunden und Katzen an der Grenze aufgegriffen, 2020 waren es 23 Transporte mit insgesamt 69 Hunde und Katzen. Heuer waren es erst 7 Transporte mit insgesamt 12 Hunden und ein Transport mit 2 Katzen.

Seit der Pandemie werden mehr Tiere nachgefragt - aber auch mehr abgegeben

Dagegen steht jedoch, dass der Boom an Haustieren durch Corona angefacht wurde, wirft die Tierschützerin aus Bad Reichenhall ein: „Das ist ein Riesengeschäft und keiner tut etwas dagegen. Die Preise schnellen immer weiter in die Höhe, haben sich fast verdoppelt.“

Das kann auch Christine von Hake, Leiterin des Freilassinger Tierheims bestätigen: „Es werden wahnsinnig viele Welpen abgegeben .Genauso viele Anfragen erreichen uns von jenen, die Hunde haben möchten. Seit der Pandemie ist die Nachfrage viel höher.“

Welpen-Transporte aber habe es auch schon vor Corona gegeben, betont von Hake, die die Meinung von Schwaiger-Weiß teilt und mit ihr in engem Austausch steht. „Es kann nicht sein, dass Leute, die tierschutzrelevant handeln, diese Hunde wieder zurückgeben müssen. Die Leidtragenden sind die Tiere.“

Die Französische Bulldogge Frodo hatte Glück: Der illegal nach Bayern gekommene Welpe ist bei einer liebevollen Familie untergekommen.

„Happy End“ für Frodo

Die Französische Bulldogge hat Schwaiger-Weiß die Augen geöffnet und ihr gezeigt hat, dass es so nicht mehr geht. Der Beginn der Kampfansage gegen die Gesetzgebung: „Frodo hat bei mir einen Schalter umgelegt. Ich wollte ihn einfach nicht mehr zurückgeben, nachdem ich ihn monatelang aufgepäppelt und Angst hatte, dass er stirbt. Und den genesenen Hund dann wieder in die Hände der Schleuser geben, die ihm das Alles angetan haben? Wirklich nicht.“

Für den kleinen Frodo ist die Sache glimpflich ausgegangen. Er sei „in wirklich gute Hände in einer liebevollen Familie in der Region untergekommen“. Ihm gehe es gut, weiß die Tierschützerin und freut sich über Fotos, die die Entwicklung der Französischen Bulldoge dokumentieren. Wie es weitergeht für andere geschmuggelte Hundewelpen, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

mb

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