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Hochwasserschutz bei Bad Reichenhall ist vollendet

Wasserwirtschaftsamt Traunstein schließt Deichsanierung ab - Kosten von rund fünf Millionen Euro

Maßarbeit: Auf engstem Raum bauen die Arbeiter entlang der B20/21 in Bad Reichenhall die Spundwand und das Drainagesystem für den Deich ein.
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Maßarbeit: Auf engstem Raum bauen die Arbeiter entlang der B20/21 in Bad Reichenhall die Spundwand und das Drainagesystem für den Deich ein.

Die Deichsanierung in Bad Reichenhall ist abgeschlossen. Rund fünf Millionen Euro hat das Hochwasserschutzprojekt gekostet, Bauherr war das Wasserwirtschaftsamt Traunstein.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Bad Reichenhall - Das neue Deichkonzept sorgt nun dafür, dass die Menschen in Bad Reichenhall selbst vor starkem Hochwasser der Saalach geschützt sind, vor allem auch die vorher besonders gefährdeten Gebiete entlang der Frühlings-, Gewerken- und Saalachstraße. Insgesamt acht Jahre haben Planung und Bau gedauert. Ein Projekt, dem höchste Bedeutung zukommt, gerade im Hinblick auf die jüngsten Hochwasserereignisse im Landkreis Berchtesgadener Land sowie in anderen Teilen Bayerns und Deutschlands.

Wie das Deichkonzept funktioniert und was es bringt

Die neuen Schutzbauwerke können die Stadt vor einem sogenannten 100-jährlichen Hochwasser schützen, inklusive eines Klimazuschlags von 15 Prozent. Das bedeutet: Sie halten einer Abflussmenge von 1070 Kubikmetern pro Sekunde stand. Zum Vergleich: Beim vergangenen Juli-Hochwasser wies die Saalach einen Spitzenabfluss von rund 500 Kubikmetern pro Sekunde auf. Der sanierte Deich schützt über 100 Wohngebäude, zahlreiche Gewerbebetriebe und wichtige Infrastruktur.

Damit der Deich auch bei extrem starkem Wasserabfluss nicht bricht, ist er nun mit einer Spundwand aus Stahl versehen. Vollständig ins Erdreich eingelassen, ist sie von außen nicht zu erkennen, macht es aber möglich, dass der Deich selbst bei einer Abflussmenge von mehr als 1070 Kubikmetern pro Sekunde hält und lediglich überflutet würde. Auf diese Weise lässt sich verhindern, dass Unmengen an Wasser schwallartig in bebautes Gebiet fließen können.

Mit einem weißen Fleece als Trennmaterial sorgen die Arbeiter dafür, dass sich Kies und feinerer Boden im Deich nicht vermischen können. Würde sich der feinere Boden in den Kies einlagern, könnte das Wasser nicht mehr ablaufen.

Abweichend von der ursprünglichen Lage des Deiches haben die Arbeiter zudem weitere Schutzbauwerke errichtet, soweit dies möglich oder technisch sinnvoll war. Sie liegen so nahe wie möglich am Rand des tatsächlich zu schützenden Gebietes. In der Folge vergrößert sich der Retentionsraum, also jene Flächen, die vom Hochwasser in Anspruch genommen werden können. Zugleich wird der natürlichen Entwicklung des Auwaldes wieder mehr Raum gegeben. Der parallele Alt-Deich inmitten der Baumallee in den Saalachauen hat damit seine Funktion als Hochwasserschutz verloren. An zwei Stellen haben ihn die Arbeiter sogar abgesenkt, um mehr Raum zu schaffen für den Abfluss bei Hochwasser. 

Die auffälligste räumliche Verlagerung der Schutzlinie zeigt sich zwischen dem Umspannwerk und der Vogelthennstraße. Dort verläuft nun ein Deich entlang der B20/21. Auf der wasserabgewandten Seite erhielt die gesamte Deichanlage eine Sickerwasserdrainage. Sie sorgt dafür, dass die vom Deich geschützten Areale durch Qualmwasser keinen Schaden nehmen. Gemeint ist damit Wasser, das bei Hochwasser unter dem Deich durchsickert und auf der anderen, gesicherten Seite wieder aufsteigt. Der extrem mächtige und durchlässige Kieskörper des Deiches hätte ansonsten bei längerem Hochwasserstand der Saalach dazu geführt, dass das Wasser unter dem Deich durch und in Richtung der Gebäude fließt.

Das gefasste Wasser wird in Schächten gesammelt und über zwei Ableitungskanäle zum nächsten Vorfluter transportiert. Der eine Ableitungskanal führt in den Grabenbach, der andere mündet in die Marzoller Au. Führt die Saalach kein Hochwasser, findet durch die Drainage keine Entwässerung statt, da der mittlere Grundwasserstand deutlich unterhalb des Drainagesystems liegt. Die Grundwasserverhältnisse haben sich durch den Deichbau nicht verändert. Die Grundwasserstände werden an mehreren Grundwasserstellen seit dem Jahr 2016 automatisch erfasst und dokumentiert. 

Im Anschluss an den Einbau der Spundwand bringen Arbeiter an der Saalachstraße in Bad Reichenhall einen Ableitungskanal ein.

Nervenzehrende Herausforderungen beim Bau

Die größte bauliche Herausforderung bestand darin, die Spundwand dicht neben einer erdverlegten Hochspannungsleitung einzurammen. Ein Nervenkitzel, weil die Leitung mit 110.000 Volt Spannung während der Arbeiten nicht abgeschaltet werden konnte und in Betrieb bleiben musste. 

Dreh- und Angelpunkt während der gesamten Planungs- und Bauphase waren die zahlreichen Sparten: Telefonkabel jeden Alters, Stromkabel vom Hausanschluss bis zur 340kV-Oberleitung, Abwasserkanäle längs und quer, sensible Gasleitungen und Wasseranschlüsse in sämtlichen Höhen- und Tiefenlagen bereiteten Planern und Ausführenden oft Kopfzerbrechen. Bereits die Baugrund-Erkundung im Jahr 2014 war eine große Herausforderung. Da keine gesicherte Aussage zur Lage der unterirdischen Kabel getroffen werden konnte, mussten die Arbeiter die tatsächliche Lage der Kabel vor jeder Bohrung vorsichtig per Handschachtung erkunden. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kam es zu mehreren Stromausfällen. Zum Glück wurde aber bei den Kabelschäden niemand verletzt.

Auch an den Naturschutz ist gedacht

Mit dem Deichbau verbunden war eine Vielzahl von Auflagen, darunter naturschutzfachliche Vorgaben. So findet man jetzt entlang des Deichs immer wieder umgekippte Wurzelstöcke, die als langfristige Habitate für Reptilien oder die Haselmaus bewusst angelegt wurden. Die naturschutzfachlichen Ausgleichsflächen, die auch den Ausgleich der gerodeten Bäume umfassen, finden sich zum einen in einem neu geschafften Biotop bei Saaldorf-Surheim, des Weiteren auf einer Aufforstungsfläche neben der Nonner Rampe und teils im Bereich der sanierten Deiche selbst. Die derzeit bunt blühenden Deichböschungen waren zum Beispiel ebenfalls geplant und dienen zum Teil als naturschutzfachlicher Ausgleich. Als dem Umweltministerium untergeordnete Behörde hat das Wasserwirtschaftsamt Traunstein grundsätzlich darauf geachtet, die Maßnahme so verträglich wie möglich durchzuführen.

Informationen zu weiteren Hochwasserschutzprojekten im Amtsbezirk des Wasserwirtschaftsamtes in Traunstein finden sie unter „Hochwasserschutzprojekte“ auf der Website der Behörde: www.wwa-ts.bayern.de

Pressemitteilung Wasserwirtschaftsamt Traunstein

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