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Nonner Rampe und Luitpoldwehr

Energiesicherheit bei Blackouts? Bad Reichenhall forciert Wasserkraft

Wasserkraftwerk Nonner Rampe Bad Reichenhall Saalach Energiekrise
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Links: die ursprüngliche Simulation ohne Steg des geplanten Wasserkraftwerks an der Nonner Rampe. Rechts: der Ist-Zustand der Saalach.

Die zwei umstrittenen Wasserkraftwerke „Nonner Rampe“ und „Luitpoldwehr“ sollen für gesicherten Strom in Bad Reichenhall sorgen. Für die Nonner Rampe steht sogar schon ein Datum für eine mögliche Inbetriebnahme im Raum.

Bad Reichenhall - „Wir brauchen Strom auch nachts und wenn der Wind nicht weht.“ Der Ukraine-Krieg und die Energiekrise haben „sehr schmerzhaft ins Bewusstsein gerufen, dass eine sichere Energieversorgung keine Selbstverständlichkeit ist und man auch etwas dafür tun muss“. Das habe man die letzten Jahrzehnte vernachlässigt, sagt der Stadtwerke-Chef Peter Fösel am Dienstag (15. November) in der Stadtratssitzung in Bad Reichenhall.

Bad Reichenhall forciert Wasserkraftwerk „Nonner Rampe“ an der Saalach

Die Stadt brauche eine grüne und grundlastfähige Energieerzeugung vor Ort - und damit rückt die Wasserkraft wieder in den Mittelpunkt. Im neuen Reichenhaller Energiepapier (BGLand24.de berichtet in einem extra Artikel) heißt es deswegen: „Wasserkraftwerk Nonner Rampe bauen!“ und „Schachtkraftwerk Luitpoldwehr unterstützen!“

Die Stadtwerke Bad Reichenhall planen seit Jahren gemeinsam mit den Bayerischen Landeskraftwerken ein Wasserkraftwerk für die Saalach am bestehenden Querbauwerk der Nonner Rampe. 2015 wurde das Projekt erstmals öffentlich debattiert. Der Widerstand in der Bevölkerung und unter den Naturschutzverbänden war groß. Die Einwände kurz gefasst: ein hoher ökologischer Schaden bei geringem ökonomischen Nutzen.

Ein Werk an der Nonner Rampe würde knapp sechs Millionen kWh Strom pro Jahr erzeugen „und könnte damit grundlastfähig rund 24 Prozent des aktuellen Strombedarfs aller Privathaushalte der Stadt abdecken“, so Oberbürgermeister Christoph Lung. Oder anders formuliert: knapp 2000 Haushalte bzw. 10 Prozent des gesamten Stromabsatzes in Bad Reichenhall.

„Saalach ein künstlicher Kanal“: Ökologische Aufwertung durch Kraftwerk

Geplant ist ein Kraftwerk mit zwei beweglichen Turbinen, ein Schlauchwehr und eine Fischtreppe. Die damaligen Einwände wurden mit aufgenommen. Der Fischschutz werde laut Fösel auf dem modernsten Stand der Technik sein, eine Art „Weidezaun für Fische“. Der Auf- und Abstieg der Fische sei noch einmal optimiert worden. Der notwendige Neubau des Nonner Stegs soll künftig über das Wasserkraftwerk führen. Dadurch muss weniger in den Baumbestand am Ufer eingegriffen werden.

„Wenn wir ehrlich sind, die Saalach ist ein künstlicher Kanal und kein naturbelassenes Gewässer“, so Fösel. Der Bau des Kraftwerks könne den Fluss sogar ökologisch aufwerten. Ein neues Seitengewässer flussabwärts auf der linken Seite soll für Fische als Rückzugsort bei Hochwasser und als Laichplatz dienen. Für Bürger dürfte das Gewässer einen hohen Freizeitwert bekommen.

Bei Blackout: Stromsicherheit durch Nonner Rampe für Teile Bad Reichenhalls

Das Projekt sei sehr bedeutend für die sichere Stromversorgung in Bad Reichenhall, so Fösel. „Wir wollen dieses Kraftwerk auch inselbetriebsfähig machen. Damit im Fall eines Blackouts zumindest Teile von Bad Reichenhall auch mit Strom versorgt werden können.“

Das Genehmigungsverfahren für das Kraftwerk „Nonner Rampe“ läuft seit 2016. Die überarbeiteten Planungen und Unterlagen mit dem Nonner Steg werde man im ersten Quartal 2023 einreichen, so Fösel. Bei einer zügigen Genehmigung ist ein realistischer Baubeginn „frühestens Ende 2024, eher Anfang 2025“ mit einer Bauzeit von etwa einem Jahr. Mögliche Inbetriebnahme: 2026.

Seit 2006 in Planung: Kraftwerk „Luitpoldwehr“

Wenn es nach dem Stadtrat geht, soll auch der Bau eines Kraftwerks am denkmalgeschützten Querbauwerk „Luitpoldwehr“ vorangetrieben werden. Hier plant ein privater Investor bereits seit 2006, ein Schachtkraftwerk zu bauen. Rund zwei Millionen kWh Strom könnte das Werk pro Jahr erzeugen. Bad Reichenhall ist hier nicht die Genehmigungsbehörde und kann dementsprechend nur unterstützend wirken.

Zuletzt hatte der Bund Naturschutz zusammen mit dem Landesfischereiverband Bayern und dem Landesbund für Vogelschutz gegen ein Wasserkraftwerk am Saalacher Luitpoldwehr geklagt. Das Landratsamt hat daraufhin die Bewilligung für den Bau des Schachtkraftwerks im Oktober 2021 wieder aufgehoben.

Querbauwerke sollen nachgerüstet werden

Der Stadtrat Bad Reichenhall hat bei zwei Gegenstimmen beschlossen, den Bau eines Wasserkraftwerks „Nonner Rampe“ zu befürworten. Oberbürgermeister Lung soll den Bau unterstützen und vorantreiben - genauso wie beim Luitpoldwehr. Die beiden Projekte entsprechen einer von drei üblichen Herangehensweise in Bayern: bestehende Querbauwerke nachzurüsten anstatt komplett neue Anlagen zu bauen.

ce

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