Park-Kino wird nicht „zu modern“, sondern im Art déco-Stil umgebaut

Josef Loibl beruhigt besorgte Gäste

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Das Park-Kino wird nahezu komplett neu verkabelt und mittels modernster Technik zum Smart-Cinema. Betreiber Josef Loibl freut sich, diesen Kabelsalat nicht entwirren zu müssen.

Bad Reichenhall - Sobald Josef Loibl zwei Schritte aus seinem Park-Kino macht, wird er mit den immer gleichen Fragen der Passanten konfrontiert: „Wann macht ihr wieder auf?“ Im August, lautet die Antwort des Lichtspielhaus-Betreibers – „wir bauen gerade um“. Der mit einer großen Sorge der Kino-Fans verbundene Anschluss-Wunsch lässt nicht lange auf sich warten: „Aber nicht zu modern“. Und Loibl beruhigt: „Nein, optisch ganz und gar nicht. Wir gestalten alles im Stile der 1950er-Jahre“. Freilich: Die Technik wird erheblich modernisiert. „Aber“, sagt der Filmtheater-Besitzer, „das sind zumeist Dinge, die im Hintergrund laufen und die der Besucher gar nicht so mitbekommt“.

Das Filmtheater wird nun – auch für Loibl und seinen Kompagnon Max Berger überraschend, weil zunächst nicht geplant – zum Smart-Cinema. Heißt: Durch eine komplett neue Verkabelung des Hauses können künftig alle Lichtquellen in den Sälen individuell angesteuert und somit besondere Effekte erzeugt werden.


„Unsere Gäste müssen aber nicht befürchten, dass wir jetzt mit irgendwelchen Schnickschnack-Geschichten anfangen und die Vorführräume einmal Rot und einmal Grün beleuchten. Ganz im Gegenteil. Wir werden das alles sehr Kino-affin gestalten.“

Loibl und Berger ließen sich jedoch von ihrem Elektriker davon überzeugen, mit einer modernen Anlage im Hintergrund für neue Originalität in ihrem Hause zu sorgen.


„Das lässt sich mit einem klassischen Kinosaal durchaus vereinbaren“, sagen die leidenschaftlichen Cineasten. Die Beleuchtung wird künftig im klassischen Art déco-Stil gestaltet, die Lampen dazu individuell in einer Augsburger Manufaktur extra für die Reichenhaller Park-Lichtspiele angefertigt.

Josef Loibl betont, immer noch „ein eher analoger Mensch“ zu sein, der „der digitalen Welt oftmals noch nicht so aufgeschlossen gegenübersteht.“

Umbauarbeiten im Park-Kino gehen gut voran 

 © Hans-Joachim Bittner
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Die Umbauarbeiten im Park-Kino gehen voran.  © Hans-Joachim Bittner
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 © Bittner

Gleichwohl verschließt er sich natürlich nicht gewissen modernen Elementen, beispielsweise Effektlautsprechern, die für eine optimale Raumwirkung und Schallverteilung sorgen: „Wir können uns heutzutage natürlich nicht mehr mit einer Mono-Anlage da vorne hinstellen.“

Die neue Verkabelung mit Daten- und Mikrofon-Leitungen sorgt für weitere, erhebliche Verbesserungen der Ton- und Bild-Qualität.

Zwei neue Starkstrom-Kabel sind für die Vorhangzug-Anlagen nötig. Künftig gibt es in beiden Sälen einen Haupt- und einen Kasch-Vorhang: Wenn ein Film nicht im modernen Cinemascope aufgenommen wurde, sondern nur im Flat-Format, fährt der Vorhang ein Stückweit zu, um das Bild an den beiden Seitenrändern sauber zu kaschieren.

Bühne wird „zurückgebaut“

Die Bühne im großen Saal wird „zurückgebaut“ und so gestaltet, wie sie 1951 zur Eröffnung des damaligen Dauer-Kino-Betriebs bestand.

Hinter der Leinwand entdeckten die beauftragten Handwerker nun sogar noch Elektro-Anschlüsse von 1918, also aus der Gründerzeit des Hauses. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren und auch im Zeitplan, selbst wenn immer wieder unvorhergesehene Dinge daherkommen.

In dieser Woche reisen Theaterbauer aus dem Erzgebirge an, um in rund zehntägiger Arbeit die Unterkonstruktion für die neue Akustikdämmung in den beiden großen Kinosälen „Maximilian“ und „Josef“ anzubringen.

Ende des Monats erhalten die Wände schließlich die Textilverkleidung, womit dann auch die ganze neue Verkabelung überdeckt wird. Momentan können sich nur die am Umbau beschäftigten vorstellen, wie es aussehen wird, wenn alles fertig ist.

Das aktuelle „Durcheinander“ lässt Josef Loibl auch mal die Haare zu Berge stehen und ein wenig verzweifeln. Vor allem auch der viele Dreck und Feinstaub, der in alle Ritzen des Hauses zieht.

„Danach wird eine ganze Armada an Putzkräften nötig sein, damit wir alles wieder blitzsauber hinbekommen“, denkt er schon an die geplante Wiedereröffnung Anfang August: Und trotz der Tatsache, dass nun – neben „James Bond – Keine Zeit zu Sterben“ und Peter Hase 2“ – auch die Premiere der siebten Eberhofer- Verfilmung „Kaiserschmarrndrama“ verschoben wurde, verspricht Josef Loibl „mit einem für alle unsere Gäste sicher überraschenden und sagenhaften Programm“ wieder voll durchstarten zu wollen.

bit

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