Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dr. Uwe Gretscher erklärt Entscheidungsfindung

Kreistag hat entschieden: Standort des Klinik-Neubaus steht fest

Wo wird die neue Kreisklinik im Berchtesgadener Land gebaut? In Piding oder doch Bad Reichenhall? Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern erklärt die Standortfindung.
+
Wo wird die neue Kreisklinik im Berchtesgadener Land gebaut? In Piding oder doch Bad Reichenhall? Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern erklärt die Standortfindung.

Die letzten Hindernisse scheinen beseitigt. Dr. Uwe Gretscher stellt dem Kreisrat die Gründe vor, warum die Kliniken Südostbayern in Bad Reichenhall neu bauen wollen - und Piding weiterhin Plan B bleiben sollte.

Teisendorf/Bad Reichenhall - Die letzte große Frage scheint beantwortet: Stehen die Grundstücke der Stadt Bad Reichenhall wirklich zur Verfügung, um dort einen Neubau der Kreisklinik zu realisieren? Ja. Der notariell beglaubigte Kaufvertragsentwurf liegt seit dem 8. Dezember vor. Jetzt fehlt nur noch die Unterschrift durch den Vorstandsvorsitzenden der Kliniken Südostbayern - Dr. Uwe Gretscher.

Kreistag entscheidet: Neubau der Kreisklinik soll nach Bad Reichenhall

Eine weitere Sorge scheint ebenfalls Geschichte zu sein: Könnte es zu zeitlichen Verzögerungen im Bauleitplanverfahren kommen, wenn in Bad Reichenhall aus irgendwelchen Gründen doch keine Kreisklinik mehr gebaut werden kann? Nicht, wenn es nach dem Kreistag geht. Dieser hat in seiner Sitzung am Freitag (17. Dezember) den Bau der Kreisklinik auf den Grundstücken in Bad Reichenhall beschlossen - sofern bis spätestens „zum Ende des vierten Quartals 2023 Baurecht besteht“. 2028 soll das neue Krankenhaus bereits in Betrieb genommen werden.

Gibt es doch Probleme beim Kaufvertrag der Grundstücke oder beim Bauleitplanverfahren, dann geht man über zu Plan B: Piding. Das Grundstück ist damit noch lange nicht aus dem Spiel. Dr. Uwe Gretscher hat in seinem Vortrag zur Standort-Entscheidung deswegen auch Bad Reichenhall und Piding beleuchtet.

Dr. Uwe Gretscher: Standortentscheidung Ersatzneubau Klinik Bad Reichenhall

Die neue Kreisklinik soll in der Mitte des Landkreises sein, gut erreichbar für alle, aber besonders für ältere Menschen, die eine akute Notfallversorgung brauchen. „Da brauchen wir kurze Wege und auch die Erreichbarkeit für Angehörige“, so Gretscher. Die Altersstruktur im Landkreis spielt dabei eine große Rolle. Überproportional viele ältere Personen leben im Verhältnis zur Bevölkerung besonders im Raum Bad Reichenhall.

Notfallaufkommen: Höherer Bedarf im südlichen Landkreis

Auch das Notfallaufkommen ist im südlichen Teil des Landkreises höher als im nördlichen. Auch wenn mehr Menschen im nördlichen Teil des Landkreises leben, wird die Notfallversorgung eher im Raum Bad Reichenhall gebraucht. Knapp 2650 Notfälle im Jahr 2019 bzw. 2280 im Jahr 2020 kamen aus Bad Reichenhall. Zum Vergleich: In Freilassing waren es 2019 855 Notfälle und 2020 834. Freilassing hat jedoch nur rund 1200 Einwohner weniger als die Kreisstadt.

Ein weiteres Argument für einen Standort in Bad Reichenhall oder Piding ist die geographische Mitte im Landkreis. In Notfallsituationen müssen bestimmte Anfahrtszeiten an die Klinik eingehalten werden können. Bei beiden Grundstücken wird der Landkreis gut abgedeckt: 89 Prozent der Patienten erreichen die Klinik in bis zu 20 Minuten. Bei einem Neubau etwa in Freilassing könnten die Anfahrtszeiten von 20 bzw. 30 Minuten vor allem im südlichen Landkreis nicht mehr eingehalten werden.

Neubau Kreisklinik: Kompaktes Krankenhaus mit kurzen Wegen

Für einen Neubau reicht laut Gretscher etwa das Doppelte an Fläche des jetzigen Standorts mit 22.000 m² aus. Eine moderne, kompakte Klinik mit kurzen Wegen. „Fragen Sie die Schwestern, ob sie Lust haben, Kilometer weit zu laufen und ob sie eine große Station haben wollen“, so Gretscher ins einem Vortrag. Nein, lieber kurze Wege. Die Flächen der Grundstücke in Bad Reichenhall und Piding würden vollkommen ausreichen, auch mit den Erweiterungsflächen. „Die zukünftige Klinik wird deutlich kompakter gebaut als die jetzige Klinik.“ Man baue also nicht in die Breite, „aber auch keine Hochhäuser“.

Piding oder Bad Reichenhall: Verkehr und Hochwasser

Sowohl das Wasserwirtschaftsamt als auch das Staatliche Bauamt haben sich zu den beiden Grundstücken geäußert. Welchen Standort sie bevorzugen würden? „Tendenz Bad Reichenhall.“ Beide Grundstücke seien jedoch bebaubar. In Bad Reichenhall könne man ohne wasserwirtschaftliche Auflagen bauen, in Piding nicht. Hier müsse man Ausgleichsflächen für ein mögliches Jahrhunderthochwasser HQ100 schaffen.

Auch beim Verkehr hat Bad Reichenhall die Nase vorn. Da das künftige Parkhaus eine andere Zufahrt haben wird, als die Klinik selbst, verteilt sich der Verkehr besser. Zwei Unterführungen erleichtern das Queren der Straße für Fußgänger. Durch die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h ist der Straßenverkehr auch besser reguliert. Bei Piding fehlt hingegen eine Zufahrtsmöglichkeit von Freilassing kommend. Einen Umbau müssten die KSOB mitfinanzieren - oder weiterhin über den Kreisverkehr an der Autobahn fahren.

In Piding würde man auf der grünen Wiese bauen. In Bad Reichenhall steht hingegen schon ein großer Teil der benötigten Infrastruktur. Wasser, Abwasser, Strom und sogar Fernwärme sind bereits vorhanden. Auch die Rettungswache, Krankenpflegeschule und Personalwohnungen sind bereits in der Stadt.

Appell an Kreistag: Brauchen bezahlbaren Wohnraum

Die beiden Grundstücke eignen sich gleichermaßen für einen Ersatzneubau der Kreisklinik. Dennoch tendiert auch der Aufsichtsrat der KSOB und der Kreisausschuss aufgrund der Infrastruktur und der bekannten Hochwassersituation für den Standort Bad Reichenhall.

Mit einem Appell richtet sich Dr. Gretscher an den Kreistag: „Bitte sorgen Sie dafür, dass wir bezahlbaren Wohnraum haben! Wenn wir den nicht zur Verfügung stellen können, haben wir nicht die Mitarbeiter. Das will ich deutlich sagen!“

„Entscheidung für Bürger und Gesundheitsversorgung im Landkreis“

Jetzt sei es wichtig, keine Zeit mehr zu verlieren, erklärt Dr. Reinhard Reichelt (Grüne). Dem stimmt auch Hans Metzenleitner (SPD) zu. „Reichenhall hat jetzt geliefert - endlich - aber gerade noch rechtzeitig.“ Es sei ein guter Tag für den Landkreis als Gesundheitsstandort. „Ich freue mich, dass wir nach langen Jahren des Wartens und Zögerns und eigentlich ‚nicht Vorankommens‘ heute in der wahnsinnig komfortablen Lage sind, dass wir zwei eigentlich gleichwertige Grundstücke zur Verfügung zu haben“, so Metzenleitner weiter. Bad Reichenhall habe „mehr Möglichkeiten, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen.“ Die SPD Fraktion fordert neben einer umsetzbaren „Exitstrategie“, also falls ein Neubau in Bad Reichenhall nicht realisierbar ist, auch bezahlbare Wohnungen und Kitaplätze für die Beschäftigten der Klinik.

Die richtige Arbeit gehe jedoch erst los, so Michael Koller (FWG). Schließlich solle das Krankenhaus 2028 in den Betrieb starten. „Für mich ist es heute keine Entscheidung zwischen Bad Reichenhall oder Piding, sondern eine Entscheidung für die Bürgerinnen und Bürger und unsere Gesundheitsversorgung in unserem Landkreis. Wenn es in Bad Reichenhall aus irgendeinem Grund nicht klappt, dann haben wir eine Alternative.“

ce

Kommentare