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Besonderes und auch belastendes Einsatzjahr mit fünf Toten und 82 Einsätzen

Strecker und Strozynski bleiben weiterhin Leiter der Bergwacht Bad Reichenhall

Der wiedergewählte Bereitschaftsleiter Stefan Strecker (l.) und sein ebenfalls wiedergewählte Stellvertreter Urs Strozynski.
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Der wiedergewählte Bereitschaftsleiter Stefan Strecker (l.) und sein ebenfalls wiedergewählte Stellvertreter Urs Strozynski.

Stefan Strecker und Urs Strozynski bleiben weiterhin Leiter der Reichenhaller Bergwacht; die Mitglieder haben sie bei den Neuwahlen für die kommenden vier Jahre im Amt bestätigt.

Bad Reichenhall - Der 45-jährige Stefan Strecker ist seit 1999 in der Bergwacht aktiv und hat seitdem über viele Jahre hinweg Leitungs- und Führungsverantwortung übernommen; unter anderem als Ausbildungsleiter der Reichenhaller Bergwacht, Leiter der Lawinen- und Suchhundestaffel der Bergwacht-Region Chiemgau, Bergwacht-Einsatzleiter, Einsatzleiter Rettungsdienst und bestellter Organisatorischer Leiter in der Sanitätseinsatzleitung des Landkreises. Er engagiert sich als ausgebildeter Rettungssanitäter neben der Bergwacht auch regelmäßig ehrenamtlich im Landrettungsdienst und Krankentransport des Roten Kreuzes, wobei seine Bergwacht-Kameraden und die Patienten am Berg von seiner vielfältigen Patienten- und Einsatzerfahrung profitieren.

Der 49-jährige Urs Strozynski ist seit 1992 in der Bergwacht aktiv und hat seitdem mehrere Ämter mit besonderer Verantwortung übernommen; unter anderem als Schriftführer, Bereitschaftsleiter und stellvertretender Bereitschaftsleiter sowie als Kassier im Förderverein. Er ist einer der Einsatzleiter der Reichenhaller Bergwacht und seit vielen Jahren als aktiver Bergretter Sommer wie Winter für erkrankte, verletzte und verstiegene Bergsteiger im Einsatzleitbereich Saalachtal unterwegs. Seit 2009 engagiert er sich auch ehrenamtlich als Justiziar im Vorstand des Roten Kreuzes im Berchtesgadener Land.

Bedingt durch die Pandemie fand die Jahreshauptversammlung als Videokonferenz statt; die Wahl der Bereitschaftsleiter und Revisoren erfolgte einen Tag später als Urnenwahl. Jeder aktive Bergretter konnte am Tag nach der Online-Versammlung seinen Stimmzettel in die aufgestellte Urne in der Bergwacht Bad Reichenhall einwerfen. „Obwohl es keine Gegenkandidaten gab und nur das bewährte Leitungsduo Strecker und Strozynski zur Wahl stand, betrug die Beteiligung stolze 80 Prozent; beide haben eine überwältigende Zustimmung erfahren“, freut sich Pressesprecher Markus Goebel. Die Bergwacht wählte auch die beiden Revisoren Edi Schmid und Marcus Goebel wieder, wobei die Amtsinhaber die Aufgabe für weitere vier Jahre übernehmen.

Kontinuität in außergewöhnlichen Zeiten

Die Mannschaft der Bergwacht Bad Reichenhall dankte dem alten und neuen Leitungsteam für die „hervorragende Arbeit der letzten vier Jahre“. Aktuell ist die Reichenhaller Bergwacht mit 79 (davon 49 aktive Einsatzkräfte) Mitgliedern personell sehr gut aufgestellt und auch gut mit Fahrzeugen und Ausrüstung ausgestattet. „Dementsprechend herrscht eine sehr gute Stimmung in der Bereitschaft; das motiviert auch junge Leute, aktiv mitzumachen!“, freut sich Pressesprecher Marcus Goebel. Die Zahl der aktiven Einsatzkräfte ist mit derzeit 49 stabil; davon sind dreizehn ausgebildete Einsatzleiter, 18 Flugretter, sieben Anwärter, ein Hundeführer, vier Canyon-Retter, ein Canyon-Retter in Ausbildung, und einer Fachberater Krisenintervention (KID).

Der alte und neue Bereitschaftsleiter Stefan Strecker sieht die auch kommenden vier Jahre geprägt von Leistungsbereitschaft und Kameradschaft vor allem als eine Zeit des Übergangs in der Bergwacht, in der jüngere Leute an der Seite erfahrener Kameraden für zukünftige Leitungsfunktionen vorbereitet werden sollen. „Wir konnten in den letzten Jahren immer mehr verantwortungsvolle Positionen an die jüngere Generation weitergegeben“, erklärt Goebel. Ausbildungsleiter Michael Ziegler nahm in den letzten Jahren einige junge, hoch motivierte und gerade erst fertig ausgebildete Bergretter mit in sein Ausbildungsteam auf, wodurch er das breite Potenzial der Jungen weiter fördert und sie als Multiplikatoren für die Kameraden einsetzt.

Die Corona-Pandemie seit März letzten Jahres hat die Bergretter jedoch vor erhebliche Probleme in Einsatz und Ausbildung gestellt: Mit dem ersten Lockdown mussten die Ehrenamtlichen ihre Fortbildungen und Übungen komplett auf null herunterfahren und die Einsätze mit einer minimalen Besetzung abarbeiten, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Kaum waren Läden, Hotellerie und Gastronomie geschlossen, schossen die Einsätze in Bad Reichenhall und Umgebung in die Höhe: Viele nutzten die freie Zeit und das anhaltend schöne Wetter im Lockdown, sich vermehrt in der Natur und in den Bergen zu bewegen.

Erst als die Regierung und die Bergwacht Bayern dazu aufriefen, während des Lockdowns keine riskanten Bergtouren zu unternehmen, beruhigte sich die Lage deutlich. „Bei der Rettung eines Verletzten im Gebirge durchgehend die Abstandsregeln von eineinhalb Metern einzuhalten ist einfach unmöglich; auch reichen fast nie zwei Bergretter aus, um einen Patienten ins Tal zu bringen“, erklärt Goebel. Dadurch sind bei jedem Einsatz immer mehrere Bergretter einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Goebel: „Sollte sich nach einem Einsatz mit mehreren Bergrettern eine Corona-Infektion des Patienten oder der Retter herausstellen, wäre voraussichtlich die halbe Bergrettungswache nicht mehr einsatzklar.“ Die Retter haben das mit allen Mitteln versucht zu verhindern; die Bergwacht kann zwar auch bei Einsätzen im Flachland aushelfen, niemand ersetzt aber die Spezialisten der Bergwacht bei Notfällen im unwegsamen und alpinen Gelände.

82 Einsätze, fünf Vermisstensuchen und fünf Bergtote

Obwohl die Einsätze im vergangenen Jahr erstmals wieder unter 100 lagen, war es den Reichenhaller Bergrettern nicht langweilig: Fünf teilweise sehr groß angelegte Suchaktionen, mit bis zu 60 Einsatzkräften zeitgleich, Tage mit bis zu drei Einsätzen in Folge, aber auch die psychisch belastende Totenbergungen haben den Einsatzkräften in 2020 viel abverlangt. Dass die Gemeinschaft der Bergretter hervorragend funktioniert, hat sich vor allem im August beim Einsatz für einen abgestürzten Radfahrer gezeigt.

Erst nach längerer Suche, unterstützt durch einen Polizeihubschrauber mit Wärmebild-Kamera, konnten die Retter den 24-Jährigen im Bergwald weit oberhalb des Kugelbachwegs im steilen Absturz-Gelände unterhalb der Nordabbrüche des Müllnerhörndls finden. Mehrere Rettungs- und Notfallsanitäter und der Bergwacht-Notarzt kämpften um das Leben des jungen Radfahrers, konnten ihn trotz aller Bemühungen aber nicht mehr retten.

„Solche Einsätze gehen auch erfahrenen und routinierten Einsatzkräften an die Nieren. Wir besprechen deshalb bei solchen Ereignissen nicht nur Maßnahmen und Taktik, sondern reden auch in der Gruppe offen über unsere Empfindungen, damit niemand mit seinen Erlebnissen allein nach Hause geht“, erklärt Strecker. Für solche Fälle stehen den Rettern auch ehrenamtliche Spezialisten des Kriseninterventionsdienstes (KID) der Bergwacht mit Gruppen- und Einzelbetreuungen vor Ort zur Seite. Diese speziell ausgebildeten Bergretter kümmern sich auf Anforderung um jede nach einem Einsatz psychisch belastete Einsatzkraft. „In der Regel sind die Selbstheilungskräfte durch die Nachbearbeitung unmittelbar nach dem Einsatz für die psychosoziale Aufarbeitung des Erlebten aber ausreichend, wobei die außergewöhnliche Gemeinschaft und der tiefe Gruppen-Zusammenhalt die beste Medizin sind“, erklärt Goebel.

Ausbildung im ständigen Ausnahmezustand

Im Januar und Februar vor der Pandemie konnten die Rechenhaller Bergretter noch acht Ausbildungsabende, zwei Heli-Simulationen im Zentrum für Sicherheit und Ausbildung (ZSA) Bad Tölz und ein Ausbildungswochenende auf der Kührointalm absolvieren. Erst im Juni und Juli fanden dann wieder Ausbildungen in Kleingruppen und eine Einsatzübung unter Corona-Bedingungen statt.

Kurz vor dem zweiten Lockdown fand noch eine Hubschrauber-Übung am Hochstaufen statt, bevor die Ausbildung wieder eingestellt werden musste. Zumindest die ein oder andere Online-Ausbildung und ein paar Termine in Kleingruppen fanden bis Ende Jahres aber noch statt, um die Einsatzbereitschaft erhalten zu können. Goebel: „In dieser Zeit hat sich gezeigt, wie praxislastig die Ausbildung in der Bergwacht eigentlich ist; die Handgriffe müssen immer wieder werden, bis sie im Schlaf sitzen. Das funktioniert am Bildschirm einfach nicht.“ Die Ausbilder um Michael Ziegler haben noch nie so viele Ausbildungspläne geschrieben wie im vergangenen Jahr. Corona hat ihre Planungen immer wieder in kürzester Zeit über den Haufen geworfen. „Dass doch noch einige Ausbildungen stattgefunden haben, ist nur ihrem Einfallsreichtum und Engagement zu verdanken“, lobt Bereitschaftsleiter Strecker.

Weniger Einnahmen

Kassier Werner Thaler trug in gewohnt routinierter Weise die Einnahmen und Ausgaben des vergangenen Jahres vor: „Weniger Einsätze bedeutet weniger Berichterstattung, bedeutet weniger Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, bedeutet weniger Spenden.“ So lässt sich die Entwicklung der Einnahmen kurz zusammenfassen. Bei den Ausgaben stechen im letzten Jahr besonders die Posten Gebäude-Instandhaltung und Ausrüstung hervor. Wie bereits vor einem Jahr angekündigt, muss die Bergwacht Bad Reichenhall die Kosten für die Gebäude-Reinigung und den Winterdienst nun selbst übernehmen. Der bisherige Sponsor hat seinen Betrieb aufgegeben und ist als Unterstützer weggefallen. Die Mehraufwendungen muss die Bergwacht Bad Reichenhall nun selbst aus Spenden schultern.

Im Posten Ausrüstung reißen vor allem die neuen Lawinen-Airbags ein Loch in die Kasse. Im Rahmen einer großen Sammel-Bestellung für die Einsatzkräfte wurden fünf Rucksäcke zur Ausgabe an wechselndes und zusätzliches Personal für die Rettungswache angeschafft; 34 Einsatzkräfte haben sich einen eigenen, nur ihnen zugeteilten Lawinenairbag gekauft – damit sind mittlerweile alle aktiven Einsatzkräfte für einen Lawineneinsatz mit Airbags ausgestattet. Die Kosten für den Rucksack wurden zur Hälfte durch den Förderverein „Bergrettung Bad Reichenhall e.V.“ getragen, die andere Hälfte musste jeder Bergretter selbst berappen.

„Es ist leider so, dass die Ehrenamtlichen der Bergwacht Bayern nicht alle notwendigen Ausrüstungsgegenstände gestellt bekommen. Gerade die teuren Sachen wie Lawinenairbags müssen sich die Bergretter oft auf eigene Kosten kaufen. Bergretter zu sein, bedarf daher nicht nur eines hohen ideellen und zeitlichen, sondern meist auch eines zusätzlich finanziellen Engagements“, erklärt Revisor Marcus Goebel. Nach dem Vortrag des Kassiers bat er die online Anwesenden um ihr Handzeichen für die Entlastung der Bereitschaftsleitung, die auch einstimmig erteilt wurde.

Pressemitteilung BRK Kreisverband Berchtesgadener Land

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