Baustellen-Flut in der Kurstadt:

In Bad Reichenhall wird gegraben und aufgerissen, was das Zeug hält

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In Bad Reichenhall stoßen die Menschen derzeit auf sehr viele Baustellen – wie hier in der Spitalgasse. Ein defektes Mittelspannungskabel von 1965 mus erneuert werden.

Bad Reichenhall – Wer momentan durch die schöne Kurstadt Bad Reichenhall geht, radelt oder mit dem Auto fährt, „fällt“ fast buchstäblich von einer Baustelle in die nächste.

Momentan wird das schöne Wetter von den ausführenden Behörden und Firmen genutzt, um dringend erforderliche Arbeiten durchzuführen. Und so wird mitten in diesen Pfingstferien, in denen sich bereits viele Urlauber und Gäste in der Alpenstadt aufhalten, an vielen Stellen aufgerissen, gegraben, gebohrt, gehämmert... – und viele wünschen sich, dass all diese oft lauten und staubigen Angelegenheiten bald ein Ende nehmen. 

Vor allem Inhaber von Lokalen und Cafés, die durch die vielen Baustellen mitunter erhebliche Geschäftseinbußen hinzunehmen haben. BGLand24 hat sich auf den Weg gemacht, um einmal fast alle (öffentlichen) Baustellen und Maßnahmen in Bad Reichenhall zumindest kurz zu beleuchten.

Innenstadt und Randbereiche:

Abriss Luisenbad – Die aktuell größte Baustelle der Kurstadt zieht derzeit auch das meiste „Publikum“ an, der Abriss des Hotels Luisenbad mit all seinen Nebengebäuden – rund 150 Jahre alt. Immer wieder bleiben die Passanten stehen, um den teils spektakulären Arbeiten zuzusehen. Mittlerweile klafft zwischen Kaiserplatz und Zusammentreffen von Salzburger und Ludwigstraße eine große Lücke, die freilich wieder geschlossen wird: Mit einem neuen Hotel mit Tiefgarage, Gewerbeflächen, Gastronomie, Ferien- und normalen Wohnungen. Die ganze Maßnahme wird mindestens noch zwei Jahre bis ins Frühjahr 2021 in Anspruch nehmen. Durch die Bauarbeiten ist aktuell ein Durchgangsweg im Ortenaupark gesperrt.

Baustellen-Chaos in Bad Reichenhall

Bilder

Ortenaupark – Hier fanden zuletzt umfangreiche Verschönerungsarbeiten statt, die in Kürze abgeschlossen sein werden. Die Besucher können sich hier demnächst an einem kleinen, mit Steinen befestigten Bachlauf mit kleinen Brücken erfreuen. Der Brunnen „Drei Grazien“, der bislang auf der Kreta-Brücke ein tristes Dasein fristete, wurde nach heftigen Protesten aus der Bevölkerung hierher versetzt und somit vor der Verschrottung gerettet. Der Platz lädt bereits jetzt zum Verweilen ein.

Spitalgasse – „Strom weg“ hieß es letzte Woche Dienstag für rund eine Stunde in der Reichenhaller Innenstadt: Schuld war, so wurde nun seitens der zuständigen Stadtwerke bekanntgegeben, ein schadhaftes Mittelspannungskabel von 1965 – ein Umstand des normalen Alterungsprozesses. Diese Leitung wird nun auf einer Länge von 110 Metern erneuert, die Maßnahme bedingte sofortiges Handeln und erlaubte keinen Aufschub. Die Baustelle befindet sich zwischen Angerer Brunnen und der Spitalgasse an der Stadtmauer – noch rund zwei Wochen soll die Baustelle Bestand haben, sie verursacht Kosten bis zu 30.000 Euro. Beeinträchtigt sind dadurch zahlreiche in diesem Bereich ansässige Cafés und Gaststätten.

In der Kurfürstenstraße muss ein kleines Leck in einer Gasleitung geschlossen werden.

Kurfürstenstraße – Bis voraussichtlich 21. Juni ist aktuell ein Teil der Kurfürstenstraße zwischen Innsbrucker Straße und Städtischem Krankenhaus gesperrt und erlaubt keinen Durchgangsverkehr – lediglich Fußgänger und Radfahrer (bitte absteigen!) können die Stelle auf dem Bürgersteig passieren. Was wird gemacht? Bei der jährlichen Routinekontrolle seitens der Stadt wurde ein kleines Leck des Gasnetzes entdeckt. Gefahr durch austretendes Gas bestehe laut Stadtwerken nicht, die Versorgung sei anderweitig abgesichert.

Kirchberg – An der Kreuzung Nonner Straße/Neue Thumseestraße (Staatsstraße 2101) begegnen den Verkehrsteilnehmern seit einigen Wochen umfangreiche Arbeiten rechter- und linkerhand der hier sehr breiten Ausfallstraße. Der Radweg beziehungsweise -streifen auf der Fahrbahn wird verlängert und erweitert, damit die Staatsstraße künftig nicht mehr gequert werden muss. Die beidseitige, nahtlose Anbindung ist Ziel der Baustelle, die zumindest auf einer Seite – rechterhand Richtung Thumsee – so gut wie fertiggestellt ist. In diesem Bereich erneuerte die Südwestdeutsche Salzwerke AG zudem Teile der Soleleitung.

Karlstein I – Von kommenden Montag, 17., bis Freitag, 28. Juni, wird der Abschnitt zwischen Kretabrücke bis Karlstein komplett gesperrt, um den Straßenbelag zu erneuern. Dabei ist eine abschnittsweise Vollsperrung zwingend erforderlich, teilt das Staatliche Bauamt Traunstein mit. Die Zufahrt zur Kaserne ist während der Arbeiten ungehindert möglich. 

In zwei Bauabschnitten werden an jeweils zwei bis drei Tagen die Bereiche von der Nonner Straße bis zur Einmündung der Alten Thumseestraße sowie weiterführend die Ortsdurchfahrt von Karlstein bis zur Feuerwehr mit einem neuen Belag versehen. Im Anschluss erfolgen die Markierungsarbeiten. Währenddessen ist mitunter die Zufahrt nach Karlstein für einige Tage gesperrt. Für die Deckschicht wird lärmmindernder Asphalt eingebaut. Die Umleitung erfolgt über die B 21 am Saalachsee entlang, betroffene Anwohner werden direkt vom Bauamt informiert. Die Arbeiten sind witterungsabhängig, könnten sich also hinten raus verlängern.

Karlstein II – Die nächste große Baustelle steht bereits in den Startlöchern. Im Juli soll im Rahmen umfangreicher Um- und Neubaumaßnahmen in den nächsten Jahren an der Hochstaufen-Kaserne der erste

Abschnitt in Angriff genommen werden. Die Anlage erhält zunächst eine komplett neue Einfahrt ein paar Meter von der alten entfernt, dazu einen Wachturm. Die Mitarbeiter der Stadt Bad Reichenhall arbeiteten in den letzten Monaten bereits intensiv an der Nonner Straße, um Kanäle und Leitungen unter der Asphaltdecke zu

sanieren.

Exponierte Engstelle am Bodenberg bei Schneizlreuth – diese Baustelle wird noch gut ein Jahr andauern.

St. Zeno – Der Neubau eines viergruppigen Kindergartens mit einer zweigruppigen Kinderkrippe „Froschham“ der Stadt Bad Reichenhall in der Salzburger Straße steht in den letzten Atemzügen. Bei der Mittel- und Grundschule St. Zeno finden ebenfalls Erweiterungsmaßnahmen statt, um mittels eines Behelfsbaus (Übergangslösung) neue Klassenräume zu schaffen und somit den steigenden Schülerzahlen gerecht zu werden.

Kurpark – Die Kur-Gmbh teilt mit, dass der Königliche Kurgarten Bad Reichenhall am kommenden Montag, 17. Juni, ganztägig aufgrund von Wartungsarbeiten geschlossen ist. Es steht eine Revision am Gradierhaus an, dazu die Verfugung des Brunnenplatzes am Solebrunnen. Die Gärtner und Gärtnerinnen der Kur-GmbH werden den Tag zudem nutzen, um eine Gehölzpflege durchzuführen. In der Wandelhalle und im Kurgarten finden obendrein Filmarbeiten statt. Die Botanische Führung um 14 Uhr entfällt.

Saalachsee – Der beliebte Rad- und Wanderweg rund um den Saalachsee ist weiterhin zumindest bergseitig zwischen der Fronau und Kibling gesperrt. Hier finden die letzten Sanierungsarbeiten am Weg statt, voraussichtlich noch bis 2. August. Die Umleitung erfolgt weiterhin über die „Straßenseite“ des Stausees (Baumgarten).

Ausfallstraßen

Auf alle Verkehrsteilnehmer, die Bad Reichenhall momentan verlassen, warten momentan ebenfalls gleich mehrere Baustellen:

Richtung Thumsee – Wer in den vergangenen Wochen zum Thumsse und weiter Richtung Inzell wollte, stieß gleich nach dem Ortsteil Karlstein auf eine zeitweise „Abfertigung“ via Lichtzeichen-Anlage. Der steile Felshang rechterhand wurde befestigt. Die Arbeiten an höchst exponierten Stellen erforderten höchste Vorsicht, teilweise musste die Straße inklusive Radweg für einige Minuten komplett gesperrt werden, da lockere Felsbrocken, die ganz gelöst werden, auf die Straße fielen. Derzeit rollt der Verkehr hier reibungslos, die Maßnahme ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Die Steinschlagschutzzäune, deren Verankerungen bereits angebracht wurden, fehlen noch.

Weiter Richtung Inzell – Vor dem Gasthaus „Mauthäusl“ regelt derzeit die nächste Ampel den Durchgangsverkehr. An den steilen Felshängen an der Deutschen Alpenstraße werden nahe des Gasthauses „Mauthäusl“ Steinschlag-Sicherungsmaßnahmen durchgeführt.

Richtung Berchtesgaden – Am Eisentrichter-Berg zwischen Hallthurm und Winkl- Bischofswiesen „fehlt“ aktuell eine Straßenseite auf einer Länge von rund 100 Metern. Eine Ampel regelt den Verkehr, mit derzeit noch moderaten Wartezeiten. In der Haupt-Ferienzeit könnten sich hier jedoch durchaus längere Staus ergeben. Die Arbeiten werden bis zum Winterbeginn andauern, teilt das Staatliche Bauamt Traunstein mit.

Richtung Lofer I – Am Bodenberg wird seit 2016 an der besonderen Engstelle der B 21 zwischen Schneizlreuth und Unken gearbeitet. Der schwierige Straßenabschnitt mitten in einem steilen Berghang erfährt eine komplette Erneuerung. Eine Vollsperrung der Strecke ist aufgrund der Bedeutung der Straße und den weiten Umleitungsstrecken weiterhin nicht vorgesehen. Deshalb regelt eine Ampel den Durchgangsverkehr, der gerade an den Ferien- Start- und Abschluss-Wochenenden verlängerten Verzögerungen ausgesetzt ist. Aktuell werden die untersten rund 200 Meter der teils über 100 Jahre alten Stützmauer ertüchtigt. 

Im Zuge der Maßnahme wird die Linienführung angepasst und eine wirksame Entwässerung hergestellt. Durch die Errichtung einer Stahlbetonstützmauer mit Notgehweg und Absturzsicherung kann die Verkehrssicherheit erheblich erhöht werden. Der Ausbau sieht insgesamt fünf Bauabschnitte bis 2020 vor, aktuell läuft der vierte, rund 600 Meter sind bereits fertiggestellt. Die Gesamtkosten wurden zu Baubeginn 2016 auf 16 Millionen Euro veranschlagt.

Richtung Lofer II – In weiterer Folge ist der Rettungstunnel am Wendelberg in Ristfeucht mittlerweile fertiggestellt. Am Portal des neuen Stollens wurde ein asphaltierter Rettungsplatz mit einer Fläche von rund 760 Quadratmetern erstellt. Er grenzt direkt an die B 21 an, stellt sicher, dass er von Rettungskräften schnell angefahren werden kann und bietet ihnen ausreichend Platz bei Einsätzen.

Richtung Ramsau & Hintersee (Wachterl) – Zum Gemeindegebiet Schneizlreuth gehört die B305 am Wachterl. Noch bis voraussichtlich Ende Oktober werden Felssicherungsmaßnahmen vorgenommen, zeitweise regeln Ampeln den Verkehr. Seit 11. Juni wird die Stützmauer entlang der B 305 Richtung Ramsau saniert. Der Steinschlagschutz zwischen Oberjettenberg und Wachterl ist bis auf Restarbeiten fertiggestellt. Die Bayerischen Staatsforsten standen bei der Aufarbeitung der Windwürfe im Steilgelände aufgrund der extremen Borkenkäfer-Gefahr im sehr warmen Frühjahr 2018 unter massivem Zeitdruck. 

Mittlerweile laufen Aufforstungsmaßnahmen im Rahmen der Schutzwaldsanierung. Die Deutsche Alpenstraße, südlich von Weißbach, ist aufgrund des exponierten Streckenverlaufs besonderen Naturgefahren ausgesetzt. Die bergseitigen, an den Straßenkörper angrenzenden Felsböschungen, stellen ein hohes Stein- und Blockschlagrisiko dar.

In der weiteren Folge wird derzeit an einem Kreisverkehr am Ortseingang von Ramsau gearbeitet.

Hans-Joachim Bittner

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