Nachgefragt in Bad Reichenhall, Burghausen und Rosenheim

Rekordabsatz von Wein 2020: Profitierte auch der lokale Einzelhandel?

Das Deutsche Weininstitut (DWI) vermeldete für das vergangene Weinwirtschaftsjahr einen Rekordabsatz an Wein. Davon profitierten jedoch nicht lokale Weinhändler, sondern vor allem Supermarkt-Ketten, wie Peter Horner vom „Weinhaus am Esbaum“ in Rosenheim und Jannis Kopp von „Kopp‘s Vinothek“ aus Bad Reichenhall berichten.
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Das Deutsche Weininstitut (DWI) vermeldete für das vergangene Weinwirtschaftsjahr einen Rekordabsatz an Wein. Davon profitierten jedoch nicht lokale Weinhändler, sondern vor allem Supermarkt-Ketten, wie Peter Horner vom „Weinhaus am Esbaum“ in Rosenheim und Jannis Kopp von „Kopp‘s Vinothek“ aus Bad Reichenhall berichten.

2020 wurde ein Rekordabsatz von Wein verzeichnet. Doch profitierten davon auch lokale Einzelhändler? Wir haben in Bad Reichenhall, Burghausen und Rosenheim nachgefragt.

Bad Reichenhall/Burghausen/Rosenheim/Traunstein - „Da haben eindeutig die Supermarkt-Ketten mehr davon profitiert“, berichtet Jannis Kopp von „Kopp‘s Vinothek“ aus Bad Reichenhall gegenüber BGLand24.de. „Auf die dürfte der Großteil davon entfallen. Auf uns Einzelhändler dagegen eher weniger.“ Dem stimmen auch Anton Geith vom Weinhaus Geith aus Burghausen und Peter Horner vom „Weinhaus am Esbaum“ in Rosenheim zu. „Man muss dazu immer sagen, dass in Deutschland der durchschnittliche Wein-Flaschenverkaufspreis bei drei Euro liegt! Bei uns im Laden ist dagegen beispielsweise der günstigste Wein bei sechs Euro“, bemerkt Horner.


Weinkonsum in Deutschland zuletzt deutlich gestiegen - Supermarktketten und nicht lokale Einzelhändler profitieren

Der Weinkonsum in Deutschland ist zuletzt deutlich gestiegen, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) kürzlich vermeldete. Für das vergangene Weinwirtschaftsjahr bis Ende Juli 2020 weist die Bilanz einen Verbrauch von 20,7 Litern pro Einwohner aus, wie das Deutsche Weininstitut (DWI) in Bodenheim bei Mainz mitgeteilt habe. Das sind pro Kopf 0,6 Liter mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Sektverbrauch ging hingegen um 0,1 Liter auf 3,2 Liter pro Person zurück. Als Anbieter von Artikeln des täglichen Bedarfs dürfen Wein-Fachgeschäfte auch im Lockdown weiter offen haben.


Die vom Deutschen Weinbauverband erstellte Erhebung erfasst den vollständigen Weinmarkt - vom Konsum in Restaurants über den Einzelhandel bis zum Direktvertrieb der Winzer. Insgesamt wurden in Deutschland 2019/20 rund 17,2 Millionen Hektoliter Wein aus dem In- und Ausland verbraucht sowie 2,6 Millionen Hektoliter Schaumwein. Deutschland steht damit nach DWI-Angaben weltweit an vierter Stelle der Verbrauchermärkte für Wein und Sekt. Die insgesamt konsumierte Menge von 19,8 Millionen Hektolitern ist nur in Italien (22,6 Mio. hl), Frankreich (26,5 Mio. hl) und den USA (33 Mio hl) größer.

Nachfrage leicht gestiegen, aber kein Ausgleich für fehlende Kundschaft aus der Gastro

„Wir haben uns da auch schon mit Kollegen darüber ausgetauscht: Alle sind sich einig, dass da der Einzelhandel weniger davon hatte“, so Jannis Kopp. „Die Kunden decken sich etwas stärker ein, aber es ist nicht so, dass es durch die Decke gegangen wäre“, berichtet auch Anton Geith aus Burghausen. Alle teilen die Meinung: Auch wenn es teilweise eine verstärkte Nachfrage gegeben hat, konnte das nicht den Verlust durch das Wegbrechen der Abnahme aus der Gastronomie ausgleichen. „Man muss sich vorstellen: Ein Gastrobetrieb braucht 60, 120 Flaschen pro Lieferung. Jemand, der in den Laden reinkommt, kauft zwischen einer und sechs Flaschen, vielleicht einmal wenn‘s hoch geht 12 Flaschen“, rechnet Peter Horner vom „Weinhaus am Esbaum“ vor. „Da bräuchte man also 10 bis 20 Kunden, um einen fehlenden Gastrobetrieb auszugleichen.“

Der veränderten Lage begegnet man auf unterschiedliche Weise. „Wir bieten schon seit 40 Jahren einen Lieferservice auf telefonische Bestellung im gesamten Burghauser Stadtgebiet an. Das hat sich bewährt“, so Anton Geith. „Wir sind gerade dabei, einen Online-Shop aufzubauen“, berichtet wiederum Jannis Kopp aus Bad Reichenhall. „Wir haben ja von Anfang an auch auf einen Online-Shop gesetzt und das hat sich bewährt. Daneben bieten wir auch Online-Weinverkostungen an“, berichtet Peter Horner aus Rosenheim. Horner erhofft sich nun eine Belebung des Geschäfts vom „Click&Collect“-Konzept. „Wir merken im Vergleich zur letzten Woche, dass etwas mehr Leute in der Stadt sind. Es ist natürlich kein Vergleich zu vorher, aber ich glaube, gerade für diejenigen, die noch nicht aufmachen können, ist das eine Chance, die Bindung zum Kunden zu halten.“

hs mit Material der dpa

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