Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Standortuntersuchung zu Piding und Bad Reichenhall

Klinik-Neubau: Ist Bad Reichenhall doch nicht „in trockenen Tüchern“?

Kreisklinik Bad Reichenhall Klinik Neubau Piding Kliniken Südostbayern
+
Die Kreisklinik in Bad Reichenhall soll neu gebaut werden. Der neue Standort ist noch nicht geklärt.

Der Kreisausschuss empfiehlt Bad Reichenhall als zukünftigen Standort des Klinik-Neubaus. Dennoch sind noch viele Fragen offen - etwa zum Grundstückskauf. Der Standort Piding ist noch nicht aus dem Spiel.

Bad Reichenhall - Die Kliniken Südostbayern (KSOB) haben sowohl das Grundstück in Piding als auch die Flächen gegenüber der Rupertustherme in Bad Reichenhall auf ihre Tauglichkeit als zukünftigen Standort der Kreisklinik untersucht. Vorstandsvorsitzender des KSOB-Aufsichtsrates Dr. Claus-Uwe Gretscher hat dem Kreisausschuss am Dienstag (8. Dezember) die Ergebnisse präsentiert.

Neubau Kreisklinik im Berchtesgadener Land: zentrale Notfallversorgung

Die Notfallversorgung wird zentraler, erklärt Gretscher. Um die optimale medizinische Versorgung im Landkreis zu gewährleisten, machen die KSOB sich bereits seit Jahren Gedanken, in welcher Form eine „zentrale Akutversorgungsstruktur“ im Landkreis entstehen könne.

Doch „zentral“ heißt bei einer Klinik nicht unbedingt zentral im geographischen Sinne, sondern im demographischen. Dabei spielt insbesondere die Altersstruktur in der Bevölkerung und sogenannte „Alterscluster“, also in welchen Bereichen besonders viele ältere Menschen leben, eine große Rolle. „Überwiegend dort, wo sich die ältere Bevölkerung zentriert, gibt es einen besonderen Bedarf einer akuten stationären Versorgung“, so Gretscher. Deswegen untersuche man, wo die Altersstruktur im Landkreis sitze. Im Berchtesgadener Land sei ein Fokus rund um Bad Reichenhall zu sehen.

Woher kommen die Notfälle im Berchtesgadener Land?

Auch am Notfallaufkommen im Landkreis sehe man klar, dass auch hier der Raum Bad Reichenhall ausschlaggebend sei. Notfälle kämen überwiegend aus dem südlichen Landkreis, so Gretscher, aus der nördlichen Hälfte etwas weniger. Dies sei nicht unbedingt im Einklang mit der Einwohnerzahl der Bereiche. In den Jahren 2019 und 2020 seien etwa mehr Notrufe aus dem südlichen Landkreis gekommen, in der die Einwohnerzahl aber niedriger sei als im nördlichen Landkreis. Die Zentralklinik ist somit die „demographische Zentrale des Landkreises“.

Wäre ein Krankenhaus im nördlichen Teil des BGL nicht besser?

Und warum baut man kein Krankenhaus in der nördlichen Hälfte des Landkreises? Rund 90 Prozent der Bevölkerung könne unter „idealen Bedingungen innerhalb von 20 Minuten“ das Krankenhaus in Bad Reichenhall erreichen, so Gretscher. „Weiter oben verlassen wir die 30 Minuten Zone im südlichen Landkreis signifikant“, und der Anspruch sei, „wenn wir eine Krankenhausversorgung sicherstellen, dass wir für den ganzen Landkreis die Versorgung zur Verfügung stellen“.

Die Klinikstandorte Freilassing und Berchtesgaden sollen in der Zukunft mehr und mehr Fachkliniken werden, in Freilassing etwa Altersmedizin im tagesklinischen Bereich, in Berchtesgaden die Orthopädie.

Neubau Kreisklinik: Standort Piding oder Bad Reichenhall?

Beide Grundstücke, in Piding neben der Lebenshilfe und in Bad Reichenhall gegenüber der Rupertustherme, sind grundsätzlich geeignet und bebaubar, stellt Gretscher klar.

Sind die Standorte hochwassergefährdet?

Dem stimmt auch das Wasserwirtschaftsamt Traunstein zu. In Piding müsse man jedoch mit Auflagen bauen. Ein Teilbereich des Grundstücks ist bei einem Hundertjährigen Hochwasser laut Gretscher mit „extrem geringer Wahrscheinlichkeit“ gefährdet. Ist das Gelände bebaut, könne sich dies negativ auf die angrenzende Behindertenwerkstätte auswirken. Um Verdrängungsprozesse zu verhindern, - „Sprich, wir bauen hier und dann bekommt die Lebenshilfe nasse Füße“, wie es Gretscher zusammenfasst - muss also unter Auflagen gebaut werden.

Das Bad Reichenhaller Grundstück liegt hingegen grundsätzlich in keinem Hochwassergebiet. Extreme Hochwasserereignisse oder Starkregenereignisse seien zu berücksichtigen. Auch das Grundwasser sei ein Thema. Doch vom Wasserwirtschaftsamt heißt es klar: Ein Bauen ist ohne Auflagen möglich, lediglich mit Hinweisen.

Die Tendenz des Wasserwirtschaftsamts Traunstein? Bad Reichenhall.

Ist die Verkehrsbelastung in Piding und Bad Reichenhall nicht zu hoch?

Die Verkehrsbelastung ist sowohl in Piding als auch in Bad Reichenhall hoch. In der Kreisstadt sei es sogar noch einmal ein Drittel mehr als in der Gemeinde, so Gretscher. Dennoch tendiere auch das Staatliche Bauamt Traunstein eher zu Bad Reichenhall.

Durch entsprechende Zu- und Abfahrten und dem möglichen Parkhaus gegenüber des Krankenhaus-Standortes erwarte man keine „relevante Mehrbelastung“ und somit auch „keine Verschlechterung der bereits angespannten Verkehrssituation“. Zwei Unterführungen und eine Tempozone 60 sind bereits vorhanden. Auch der Hammerschmiedweg wäre ausbaufähig und geeignet.

An der B20 bei Hirschloh ist eine Unterführung geplant, um die jetzige Zufahrtssituation der Lebenshilfe zu verbessern. Es ist jedoch kein Aufschleifer aus Fahrtrichtung Freilassing vorgesehen. Das „müsste geprüft werden, ob das ausreichend wäre“. Sollte dies nicht der Fall sein, müsse sich die Klinik an den Straßenbaukosten beteiligen.

Grundstück Bad Reichenhall: Kaufvertrag ist noch offen

„Sollte das Grundstück Bad Reichenhall mindestens zu gleichen Prämissen wie Piding erworben werden können“, empfiehlt der Aufsichtsrat der KSOB auch im Hinblick auf die Infrastruktur den Neubau in Bad Reichenhall.

Dieser Punkt wird im Kreisausschuss kritisiert. Während das Grundstück in Piding bis Mitte 2026 gesichert ist, gibt es derzeit noch keinen Kaufvertrag zwischen der Stadt Bad Reichenhall und den KSOB für die Grundstücke in Bad Reichenhall. Die Stadt habe aber „die klare Absicht“, die Grundstücke an die Kliniken zu verkaufen.

„Mich stört der Konjunktiv in der Eigentumsfrage. Ich wundere mich, dass ein Aufsichtsrat eine öffentliche Entscheidung macht und noch keinen Vertrag in der Tasche hat“, so Dr. Bernhard Zimmer. „Als Kreisausschussmitglied hätte ich mir heute erwartet, dass Sie sagen, ‚alles in trockenen Tüchern‘. Ich erwarte mir bis zum Kreistag (Anm. d. Red.: am 17. Dezember) ein ‚Wir haben alles in trockenen Tüchern‘.“ Dies sei das Entscheidende, um ein Planungsverfahren einzuleiten. Zimmer wünsche sich außerdem einen verbindlichen Terminplan, in dem man auch definiere, ab welchem Zeitpunkt man auf „Plan B“ also das Grundstück in Piding umschwenke - sofern es Probleme bei der Umsetzung in Bad Reichenhall gebe.

Standort Bad Reichenhall: Fehlender Kaufvertrag, unklares Medizinkonzept?

Auch Dr. Bartl Wimmer erwartet sich zumindest einen Kaufvertragsentwurf bis zur Kreistagssitzung. Und was passiere, wenn Bad Reichenhall scheitere und vor allem, wann werde die Reißleine gezogen? Außerdem erwartet sich Wimmer konkrete Zahlen zur Finanzierung und konkrete Planungen. „Wir haben momentan sehr viele Projekte, die auch klar priorisiert werden müssen.“ Der Beschluss sei notwendig, um beim Klinik-Neubau weiterzukommen, doch für Wimmer sei der jetzige Beschlussvorschlag nicht ausreichend. Im fehle auch, dass das Medizinkonzept nicht klar sei.

Dr. Christoph Lung versteht, um was es Dr. Zimmer und Dr. Wimmer gehe, „nämlich um Sicherheit“. Lung arbeite bereits in seiner Position als Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall an dem Kaufvertrags-Entwurf. Man läge gut in der Zeit, so Lung.

Auch Gretscher sei es lieber, man hätte den Vertrag schon, doch eine Entscheidung zu verschieben, würde auch zu einer Verzögerung der Planungen führen. Sein Appell: dass sich die Beteiligten nicht an Einzelpunkten aufhängen. „Haben wir jetzt wirklich fünf nach zwölf? Dann muss man sich das mal erlauben, nicht alles ‚safe‘ zu haben?“

Laufen die weiteren Schritte nach Plan, soll das neue Klinikum 2028 in Betrieb genommen werden.

ce

Kommentare