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Wenn aus sieben Tagen fünf werden

17.001 Höhenmeter, 176 Kilometer, 111 Stunden: Philipp Reiters irre „Seven Summits der Alpen“-Tour

Den Start-Gipfel der „Seven Summits der Alpen“ gemeistert: Philipp Reiter (rechts) und Adrian Zurbrügg am Gran Paradiso, mit 4061 Metern Italiens Berg-König.
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Den Start-Gipfel der „Seven Summits der Alpen“ gemeistert: Philipp Reiter (rechts) und Adrian Zurbrügg am Gran Paradiso, mit 4061 Metern Italiens Berg-König.

Er hat schon viele „nicht ganz so normale“ Dinge getan. Jetzt kam etwas dazu, das geradezu „unmenschlich“ klingt: Der Bad Reichenhaller Philipp Reiter erklomm in nur fünf Tagen die jeweils höchsten Gipfel der sieben Alpen-Länder Italien, Frankreich, Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien. 

Bad Reichenhall – Beginnend im Westen mit dem Gran Paradiso (4061 Meter), gefolgt vom Mont Blanc, mit 4807 Metern das Dach der Alpen, der Dufourspitze (4634 Meter), dem Vorder Grauspitz (2599 Meter), der Zugspitze (2962 Meter), dem Großglockner (3798 Meter) und dem Triglav (2864 Meter) – Titel des sagenhaften Unternehmens: „Seven Summits der Alpen“.

Ursprünglich wären sie zu viert gewesen, doch einer wurde kurzfristig krank, einen anderen zwangen private Umstände zum Rückzug. Philipp Reiter und Adrian Zurbrügg, der die Ursprungsidee des Sieben-Gipfel-Unternehmens hatte, unternahm vor vier Jahren schon einmal einen Versuch. Doch sein damaliger Begleiter verletzte sich bei der Abfahrt vom Mont Blanc, die Tour musste abgebrochen werden.

Zurbrügg suchte neue Begleiter: Zeitlich war’s jedoch immer ein bisschen schwierig, dann kam Corona, die Grenzen wurden geschlossen. 2022 sollte der zweite Versuch gestartet werden. Der Schweizer fragte Philipp Reiter, ob er die Tour fotografieren wolle. Der Reichenhaller sagte zu. Welche der sieben Touren er fotografieren wolle, war die zweite Frage des Initiators. „Ja, alle“, antwortete Reiter. „Gut, dann kannst auch gleich richtig mitmachen“, meinte der Eidgenosse. Gesagt, getan, am 26. März starteten die beiden ihr außergewöhnliches Unternehmen.

Nach einer TV-Produktion in der Schweiz hatte Philipp Reiter erstmal „keinen Plan“, alles war ein wenig chaotisch. Sie fanden einen Fahrer namens Eugen, ein „saulustiger“ Schweizer Straßenbelagsfräser. „Er hat richtig viel geredet, ich habe kein Wort verstanden. Es ging wohl oft darum, wo er schon überall Straßen mit seinem 25 Tonnen-Gerät aufgefräst hat“, lacht der 30-Jährige beim Erzählen über seine Wahnsinnstour. Auftakt-Berg war er Gran Paradiso. Eine Bekannte Reiters aus Italien begleitete das Duo bei diesem Start, fotografierte. Alles klappte.

„Die über 4800 Meter Höhe am Mont Blanc am zweiten Tag beamten uns dann aber richtig weg. Und wir konnten uns nach einem Zwölf-Stunden-Trip mit 3800 Höhenmetern im Anstieg nicht vorstellen, wie wir die nächste Monstertour am dritten Tag meistern sollten“, erzählt Reiter.

Ihr Fahrer brachte sie und ihr umfangreiches Equipment nach Zermatt, um die Dufourspitze angehen zu können. Zwei, drei Stunden Schlaf gingen sich zwischen den Tagen höchstens aus, Reiter und Zurbrügg hingen zwischen ihren sieben Gipfeln „richtig in den Seilen“ und hatten aufgrund der Sommerzeit-Umstellung sogar noch eine Stunde weniger Zeit: Um 2 Uhr nachts gingen sie den 4634 Meter hohen Schweiz-Giganten an. Es funktionierte ebenfalls, trotz „der letzten 100 richtig anspruchsvollen Klettermeter“, drei andere Gruppen kehrten vorzeitig um.

Nach seiner Rückkehr berichtete Philipp Reiter der Heimatzeitung von seiner höchst außergewöhnlichen Sieben-Gipfel-Tour in den Alpen.

Pasta mit Weißwein

Weiter ging‘s: Vier Stunden Autofahrt nach Liechtenstein, mit dem Vorder Grauspitz lag dort aufgrund des „kleinen“ 2600 Meter hohen Gipfels mit „nur“ etwa 1400 Metern im Anstieg ein Berg „zum Erholen“ vor den beiden. Nach drei strahlend blauen Tagen verschlechtere sich das Wetter jetzt, das große Winter-Comeback Anfang April mit 30 bis 100 Zentimetern Neuschnee kündigte sich bedrohlich an.

Mitten im Gehen hatte Philipp Reiter eine verrückte Idee: „Adrian, wir müssen heute noch die Zugspitze machen, anders schaffen wir es nicht. Und morgen den Großglockner und den Triglav“. Die Tour, die vorab schon in sieben Tagen unmöglich erschien, wurde kurzerhand tatsächlich auf fünf Tage verkürzt. Kaum zu glauben: Nach einer dreistündigen Autofahrt von Vaduz nach Garmisch-Partenkirchen starteten Reiter und Zurbrügg um 16 Uhr die „Mission Zugspitze“.

Pünktlich zur Tagesschau um 20.15 Uhr standen sie im Dunklen am Gipfel, schossen das Beweisfoto mit Deutschland-Fahne und fuhren mit Unterstützung ihrer Stirnlampen wieder ins Tal. Dort tischte ihnen „der neue Supporter“ Jürgen noch richtig „Pasta Deluxe“ auf – abgelöscht mit italienischem Weißwein. Das brauchten sie jetzt. Zwei Stunden saßen sie wieder im Auto, es ging nach Kals in Tirol.

Am fünften und schließlich unverhofft letzten Tag standen Großglockner und der wilde Triglav – jeweils für sich „normalerweise“ anspruchsvolle Ganztagestouren, die zweite vor allem weit – auf dem Mammut-Programm. Und die beiden „positiv Verrückten“ schafften beide Gipfel, drei Stunden Autofahrt mit Jürgen Hugenschmid dazwischenliegend, tatsächlich innerhalb von 24 Stunden. Und das bei nun bereits ungemütlichen Bedingungen mit Eiseskälte, Wind und Nebel. Das „nicht Runterlaufen müssen“ sondern „Ski fahren dürfen“ erleichterte die Sache nur bedingt: „Die Abfahrten waren teilweise richtig anstrengend, weil hart, bucklig, schwierig.“

Für Philipp Reiter waren nur die Dufourspitze und der Vorder Grauspitz völliges Neuland, auf den Gran Paradiso hatte er es bislang wegen schlechten Wetters noch nicht ganz geschafft, auf der Zugspitze und am Triglav war er bislang nur im Sommer ohne Ski. Die nackten Zahlen nach der unbeschreiblichen Fünf-Tages-Tour des gebürtigen Münchners: Vom Start-Parkplatz am Gran Paradiso bis zum Ziel-Parkplatz am Triglav benötigten Reiter und Zurbrügg 111 Stunden und 40 Minuten, dabei überwanden sie zu Fuß exakt 17.001 Höhenmeter und 176 Kilometer.

Bjr

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