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Petition gegen Erweiterung des Gewerbegebiets Marzoll Türk-West

„Flächenfraß“ verhindern? OB Lung: Bad Reichenhall benötigt neues Gewerbe

Sie wollen den „Flächenfraß“ verhindern und Kleingewerbe statt dem Großhandel Obst Maier ansiedeln. Doch ist ein „Mischgebiet“ in Marzoll überhaupt möglich? Oberbürgermeister Lung äußert sich im Gespräch mit BGLand24.de zu den Plänen und erklärt, warum die Stadt neues Gewerbe dringend braucht.

Marzoll/Bad Reichenhall - Der Kampf gegen die Erweiterung des Gewerbegebiets Türk-West in Marzoll geht in die nächste Runde. Knapp 1000 Unterschriften hat Manfred Hofmeister mit dem Verein „Lebenswertes Bad Reichenhall“ gesammelt.

Gegen „Flächenfraß“ und für „nachbarschaftsverträgliches Kleingewerbe“

Das Ziel der Petition: Die Stadt soll ihre Erweiterungspläne - und damit auch die Ansiedlung der Firma Obst Maier - überdenken und „zu den ursprünglichen Planungen aus dem Jahr 2017“ stehen, „Flächenfraß zu verhindern und nachbarschaftsverträgliche Ansiedlungen von Kleingewerbe zu ermöglichen“, heißt es in einer Aussendung des Vereins.

„Die Unterzeichner erheben damit ihre Stimme gegen die Ausweitung des Gewerbegebietes, dem circa 9600 m² Grünland, ohne tatsächliche Begründung für diesen Bedarf, zum Opfer fallen sollen“ heißt es weiter. Es sei auch ein landwirtschaftlicher Betrieb direkt davon betroffen. „Seine Pachtfläche wird dadurch mit Auswirkungen auf den Viehbestand weiter reduziert.“

OB Lung: Wollen die Sorgen der Menschen mit aufnehmen

Oberbürgermeister Christoph Lung (CSU) kann die Sorgen der Menschen verstehen. „Ich bin ja selber Marzoller. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass wir diese Sorgen in dem Bauleitplanverfahren aufnehmen wollen“, erklärt er im Gespräch mit BGLand24.de.

Letztlich sei die Hauptfrage: „Will man dort Gewerbe oder will man das nicht. Da muss ich aus Sicht der gesamten Stadt sagen, dass wir die Steuerkraft in der Stadt deutlich stärken müssen. Das kann letztlich nur über eine Gewerbeansiedlung gelingen. Unsere Flächen sind begrenzt, aber da wo es möglich ist und da wo auch schon ein bestehendes Gewerbegebiet ist, da meine ich, ist es auch gut vertretbar.“

Mischgebiet eine „Augenwischerei“?

Manfred Hofmeister bekräftigt in der Aussendung den Wunsch nach einem „Mischgebiet als Pufferzone mit leistbarem Wohnen und nachbarschaftsverträglichen Kleingewerbeflächen“. Logistikhallen hingegen würden viel Fläche verbrauchen, viel Verkehr, aber kaum „lokale Wertschöpfung“ bringen. Es mache „wenig Sinn, unsere wenigen Gewerbeflächen immer mehr der ausufernden Lkw-Logistik zu opfern“.

Im Stadtrat habe es eine „klare, mehrheitliche Willensbekundung“ gegeben, „ein Gewerbegebiet zu machen“, erklärt Lung. Was Herr Hofmeister als „Mischgebiet“ bezeichnet, ist in den Augen des Oberbürgermeisters „ein bisschen Augenwischerei“. Denn „natürlich können wir uns als Stadt dies wünschen. Wir müssen aber auch darauf schauen, was der Eigentümer auf den Flächen verwirklichen will und kann.“

Wie man mit den eigenen Ressourcen umgehe, sei immer eine Kosten-Nutzen-Abwägung, so der Oberbürgermeister. „Gerade bei der Firma Obst Maier handelt es sich um einen traditionsreichen alteingesessenen Betrieb, der auch in Bad Reichenhall gegründet worden ist.“

Verkehrszählung in Türk-West: Zu viel Nachtverkehr?

Auch der Lkw-Verkehr insbesondere in der Nacht und die daraus folgende Lärmbelästigung bereiten dem Verein Sorgen. Es sei bereits jetzt einen „sehr intensiven nächtlichen Lkw-Verkehr aus dem Gewerbegebiet“ zu beobachten. Hofmeister beruft sich dabei auf Zählungen, die der Verein selbst durchgeführt hat. Die Sorge ist groß, dass mit dem Früchtegroßhandel der Verkehr zunimmt.

Die Zahlen sind laut Oberbürgermeister Lung nur von „begrenztem Wert für die neue Planung“. Diese würden nur darauf abzielen, dem Eigentümer nachzuweisen, „dass er möglicherweise seine Verpflichtungen nicht erfüllt hat. Das ist retrospektiv. Was wir in der Planung machen, ist ja in die Zukunft gedacht.“

Dennoch gibt es einen gültigen Stadtratsbeschluss, dass auch Bad Reichenhall Verkehrszählungen durchführen lassen wird. „Das werden dann die Zahlen sein, auf die wir uns stützen.“ Ein externer Dienstleister wird die Verkehrszählungen für die „notwendige Seriosität“ übernehmen.

„Werden den Gürtel enger schnallen müssen“

Oberbürgermeister Lung stellt klar: „Wir wollen für die verschiedensten Dinge Ausgaben leisten. Da müssen wir uns die Frage stellen, wo wir als Stadt die Einnahmen herbekommen, damit wir diese Ausgaben letztlich auch leisten können. Wenn die Einnahmenseite so bleibt, wie sie sich jetzt darstellt, wir also nicht neue Betriebe ansiedeln können, dann werden wir die nächsten Jahre den Gürtel deutlich enger schnallen müssen.“

ce

Rubriklistenbild: © Stadt Bad Reichenhall/Screenshot Google Maps (Collage/Archivbild)

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