Europa hilft mit

Park-Kino-Umbau in Bad Reichenhall schreitet voran – Wiedereröffnung Mitte August geplant

Im Saal Maximilian lässt sich bereits erahnen, dass das Ambiente im Reichenhaller
Lichtspielhaus künftig noch außergewöhnlicher ausfallen wird.
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Bad Reichenhall - Die neuen, etwas größeren Leinwände kommen aus Frankreich, der Design-Bodenbelag aus England, die neuen Wohlfühl-Kinostühle wurden in Polen gefertigt – Europa hilft mit, aus dem Park-Kino eine völlig neue Erlebnis-Oase zu schaffen

„Wir hätten am liebsten ausnahmslos Firmen aus dem Berchtesgadener Land, dem angrenzenden Chiemgau oder zumindest aus Bayern mit unserem Umbau beauftragt. Das war aber nicht in allen Dingen umsetzbar, weil wir hier beispielsweise keinen Bühnen- oder Theaterbauer haben“, entschuldigt sich Josef Loibl fast ein wenig für diverse Auftragsvergaben außerhalb der bayerischen Grenzen. Beim Maler, Bodenverleger, Elektriker oder Raumausstatter konnte er freilich „heimisch bleiben“, freut sich der Herzblut-Cineast. Gerade die heimischen Firmen brachten jedoch neue, engagierte Ideen und außergewöhnliches Engagement mit ein, welches von den Reichenhaller Kinomachern gerne angenommen wurde.


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Nach wochenlangen „Abrissen“ gab es nicht viel optisch sichtbare Veränderungen, das meiste passierte im Hintergrund, beispielsweise an der Elektrik- und Licht-Anlage. Am 20. Juni atmeten Josef Loibl und Max Berger nach viel Dreck, Staub und Lärm schließlich erstmals richtig auf: „Nach dem schlimmsten Tag, an dem vieles schieflief, auf der Baustelle, gab‘s endlich auch Sichtbares.“ Im Speziellen: Die beiden neuen Vorhänge in schimmerndem Rot (Saal „Josef“) und Violett („Maximilian“) zauberten schlagartig völlig neue Atmosphären in die Vorführräume. Kurz drauf folgte die neue Wandbespannung in edlem schwarzem Voltaire für eine weitaus bessere Akustik und jeweils ein neuer Boden.


„Eine Spinnerei“

Im Saal „Josef“ rahmen nun zwei mächtige, speziell beleuchtete Säulen die neue Leinwand ein. „Ein bisschen eine Spinnerei von mir“, gibt Loibl schmunzelnd zu – „ganz schön dekadent, oder?“, fragt er gleich hinterher. Er weiß: „Alles ist immer Geschmacksache, dem einen wird‘s gefallen, dem nächsten vielleicht nicht“. Der Kino-Mensch durch und durch möchte mit diesen Maßnahmen jedoch ein Kino schaffen, das an die großen amerikanischen und englischen Filmpaläste der 1930er- und 1940er-Jahre erinnern soll – „freilich im wesentlich kleineren Rahmen.“ Seine Vorbilder sind das „Odeon Leicester Square“ in London und das „El Capitan“ in Los Angeles, beides Filmtheater-Klassiker aus den 1930ern: „Fantastisch restauriert und immer noch in Betrieb“, so Loibl. „Ich will diesem wunderbaren Medium Film einfach den Rahmen geben, das es verdient. Schließlich werden unsere Filme fürs Kino gemacht – nicht fürs Fernsehen.“

In Bad Reichenhall wurden diese Woche die neuen Komfort-Stühle montiert, in der ersten Reihe als Liege-Variante – der Bequemlichkeit sind künftig auf Kosten vieler Plätze kaum Grenzen gesetzt. „Das wird gut ankommen“, ist sich Loibl sicher, der sein Haus schon seit vielen Jahren im klassischen Stil Stück für Stück neu gestaltet – hie und da mit Art déco-Elementen ergänzt.

„Eberhofer“ erst 2021

Die Wiedereröffnung der beliebten Kultur-Einrichtung der Stadt ist für Mitte August geplant: Und trotz der Tatsache, dass nun – neben „James Bond – Keine Zeit zu Sterben“ und „Peter Hase 2“ – sogar die Premiere der siebten Eberhofer-Verfilmung „Kaiserschmarrndrama“ verschoben wurde, verspricht Josef Loibl „mit einem für alle unsere Gäste sicher überraschenden und sagenhaften Programm“ wieder voll durchstarten zu wollen. Im Kopf schwirren bereits einige besondere Sondervorstellungen umher. Sorgen bereiten ihm freilich die strengen Corona-Regel-Vorgaben für kulturelle Einrichtungen, jede zweite Reihe und zwischen den Besuchern jeweils mindestens drei Sitze freilassen zu müssen. Das schmerzt vor allem, weil durch den Umbau nun weit weniger Plätze in den beiden Hauptsälen zur Verfügung stehen. Das ist dem neuen Komfort geschuldet, welchen die Park-Kino-Betreiber ihren Gästen nun ermöglichen: Mehr Abstand nach vorn, also mehr Beinfreiheit, dazu mehr Platz zur Seite mit zwei Armlehnen für jeden Besucher – also auf beiden Seiten. Bislang gab es für jeden nur eine, die zweite teilte man sich mit seinem Sitz-Nachbarn.

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Josef Loibl hofft, dass es bis zum Start erhebliche Lockerungen in Bayern geben wird: „Wir haben ein diszipliniertes Publikum und wollen doch allen ein möglichst authentisches Kino-Erlebnis ermöglichen.“ Je nach den aktuell geltenden Regeln werden spezielle Eröffnungsveranstaltungen möglicherweise in den Herbst verlegt. Glücklich ist der Kino- und Film-Fan durch und durch, dass mittlerweile auch der Außenbereich erhebliche Verschönerungsarbeiten erfuhr: Die alten Säulen der Axelmannstein-Kolonnaden erstrahlen wieder in hellem Weiß, die Fassadenseite zur Fußgängerzone hin erfuhr ebenfalls ihren dringend nötigen frischen Anstrich.

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