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Schnee- und Glätte-Chaos in der Region: A8 bei Siegsdorf und Bad Reichenhall gesperrt – Zahlreiche Unfälle

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Interview mit Kino-Betreiber aus Bad Reichenhall

Josef Loibl verzweifelt: „Uns wird das Gemeinschaftserlebnis gestohlen“

Josef Loibl schreitet frustriert seine Plakat-Schaukästen in den Axelmannstein-Kolonnaden ab – auf so viel schöne Filme und Ereignisse muss sein treues Publikum nun einmal mehr wieder verzichten. Für ihn als Park-Kino-Betreiber ist das alles nur noch frustrierend.
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Josef Loibl schreitet frustriert seine Plakat-Schaukästen in den Axelmannstein-Kolonnaden ab – auf so viel schöne Filme und Ereignisse muss sein treues Publikum nun einmal mehr wieder verzichten. Für ihn als Park-Kino-Betreiber ist das alles nur noch frustrierend.

Bad Reichenhall – Lockdown Nummer drei startet heute. Für die heimische Kulturszene ist das wie für die Gastronomie oder den lokalen Sport eine Katastrophe. Wir haben mit Josef Loibl vom Park-Kino gesprochen. Was bedeutet das alles für ihn und die ganze Filmtheater-Branche?

Herr Loibl, der dritte Lockdown ist gestartet. Die Frage ist müßig – trotzdem: Wie sieht es jetzt wieder in Ihnen aus?

Josef Loibl: Dass ich noch keine grauen Haare habe, trotz dieses vielen Kummers, ist ein Wunder. Als ich letzte Woche vom neuerlichen Lockdown hörte, war ich in der Tat sprachlos. Es ist fürchterlich. Ganz ehrlich: Ich breche innerlich auseinander. Für die Psyche ist das alles pures Gift. Wir – mein Kompagnon Max Berger und ich (beide geimpft/Anm. d. Red.), aber auch die gesamte Branche – können das alles im Grunde nicht mehr aushalten. Wir sind gerade wieder halbwegs auf die Füße gekommen – und jetzt das… (er zuckt nur noch verzweifelt mit den Schultern).

Konnten Sie sich überhaupt vorstellen, dass es nochmal so weit kommt?

Loibl: Wir konnten am 14. Mai dieses Jahres nach 205 Tagen des zweiten Lockdowns wieder öffnen. Ich habe oft gesagt, dass ich wegen der Pandemie nie mehr zusperre – egal was kommt. Aber natürlich beugt man sich dann doch wieder den gesetzlichen Bestimmungen und schließt sein Haus. Ich weiß nicht, ob das klug oder einfach nur feige ist.

Ist es nicht hanebüchen, wenn ein Kino in einem Landkreis – aufgrund einer Inzidenz über 1000 – geschlossen hat, im Nachbar-Landkreis jedoch möglicherweise eines hoffen hat und die „grenznah“ wohnenden Menschen „eben mal rüberfahren“?

Loibl: Der Flickenteppich wird größer und ist sicher nicht zielführend. Ich möchte an dieser Stelle betonen, nicht allein nur an mein Kino zu denken. Mir tun die vielen Kinder leid, die jetzt wieder auf ihren Sport oder ihre Hobbys verzichten müssen. Da geht so viel verloren. Und so werden uns einmal mehr die so wichtigen sozialen Gemeinschaftserlebnisse genommen. Nicht nur hier im Kino, auch im Fußallstadion, beim Schlittschuhlaufen, auf einem Christkindlmarkt. Und das nach einem erneut nicht einfachen Jahr und in einer Zeit – jetzt dann im Advent – in der wir das alles so dringend gebraucht hätten. Das lässt die Politik völlig außer acht, und so rauschen wir alle auf einer Spirale weiter nach unten.

Sie hatten mit der Neuverfilmung der „West Side Story“, Ihrem Advent- und Weihnachts-Höhepunkt 2021, eine emotionale Herzensangelegenheit vor Augen – inklusive großer Premiere mit aufwändig gestaltetem Hochglanz-Programmheft und einigen weiteren Veranstaltungen.

Loibl: Die Premiere war bereits ausverkauft. Wir mussten alles stornieren. Dieser wunderbare Film ist für lediglich 46 Tage als Kino-Auswertung vorgesehen. Danach wird ihn Disney als Verleiher in seinen Streaming-Kanal schieben. Jeder Tag der uns jetzt durch den Lockdown fehlt – der Filmstart erfolgt am 9. Dezember – tut unglaublich weh. Denn er wird nicht verschoben, denn Kinos an anderen Standorten dürfen ja öffnen. Wir wissen nun nicht, ob uns überhaupt noch genügend Zeit bleibt, die „West Side Story“ in halbwegs zufriedenstellendem Maße unserem Publikum präsentieren zu können.

Es geht sicher noch um so viel mehr.

Loibl: Unsere Jugendfilmtage kurz vor Weihnachten – abgesagt. Ein Live-Konzert mit „Reich an Hall“ zur „West Side Story“ – abgesagt. Große Konzert-Produktionen mit André Rieu, alles ausverkauft – gestrichen. Begleitaktionen mit Kindern, dem VdK, dem Seniorenbeirat oder Generationenbund, mit diversen Firmen, die Abende bei uns blocken – alles abgesagt. Einfach nur frustrierend. Denn wieviel Hoffnung dürfen wir ab 16. Dezember überhaupt haben? Die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr ist für uns mit die wichtigste im ganzen Jahr. Die Menschen haben Zeit, wollen sich unter anderem vielleicht mit einem Kino-Besuch ein wenig für ein anstrengendes Jahr belohnen.

Der Lockdown soll „vorerst“ bis 15. Dezember dauern, möglicherweise wird er über Weihnachten hinaus verlängert. Wollen Sie einmal offenlegen, wieviele Sonderveranstaltungen, Gäste und somit letztlich Einnahmen Ihnen allein durch die jetzt anberaumten drei Wochen Zwangsschließung durch die Lappen gehen?

Loibl: Ich muss ein wenig zurückgehen, denn das alles ging ja schon eher los. Mit der 2G-Regel für alle, selbst die Kinder, brach uns eine gewaltige Anzahl an Gästen weg. Wir hatten massig Absagen und Stornierungen. In Zahlen: Innerhalb von nur gut drei Wochen noch während der Öffnungszeit sprechen wir von zehn Privatveranstaltungen. Das allein entspricht gut 1500 Euro Umsatz inklusive Nebenverkäufen wie Getränken und Snacks. Der dreiwöchige Lockdown kostet uns rund 2000 Besucher á zehn Euro Ticketumsatz – abzüglich aller Steuern und der erheblichen Abgaben an die Filmverleiher. Um mal eine andere Größenordnung zu nennen: Über einen Zeitraum von sechs bis sieben Wochen bekommen wir allein für Papier-Handtücher und Klopapier eine Rechnung von gut 600 Euro zusammen.

Wieviel Ihrer Einnahmen müssen Sie an Ihre Verleiher überweisen?

Loibl: Im Schnitt geht gut die Hälfte unseres Umsatzes der eingesetzten Filme an die jeweiligen Verleiher wie Disney, Universal oder Warner. Plus Mehrwertsteuer. Die Zahl verringert sich, je länger wir einen Film einsetzen. Bei „James Bond“ lagen wir bei 50 plus sieben Prozent Mehrwertsteuer, bei der „West Side Story“ liegen wir sogar bei 53 Prozent. Bei „kleineren“, jedoch nicht weniger schönen Produktionen wie aktuell dem „Tagebuch einer Biene“ liegen wir auch mal zwischen 43 und 48 Prozent. Zu all dem kommen Dinge wie eine Mindestgarantie an Laufzeit, die kompletten Kosten für die Reklame, die Trailer- Bereitstellung, die wir als Kinobetreiber bezahlen – alles gleich in der ersten Spielwoche, ohne zu wissen, wie der Film noch angenommen wird.

Vor einigen Wochen erschien eine dpa-Meldung: Viele Kinos, unter anderem Ihres, erhielten erneut jeweils 10.000 Euro des FilmFernsehFonds (FFF Bayern) als Würdigung für ein ausgewähltes Qualitätsprogramm. Sie ärgern sich über die Veröffentlichungen dieser Zahlen.

Loibl: Weil sich das alles relativiert. Diese Prämien gehören zu unserem Gehalt. Welche andere Branche veröffentlicht ihre Gehälter, welche Privatperson macht das? Diese 10.000 Euro, die bei so manchem Neid hervorrufen, verpuffen rasend schnell. Allein für eine Woche „James Bond“ mussten wir eine hohe vierstellige Leihmiete an „Universal“ berappen. Wer hier irgendeine Art von Neid entwickelt, weil wir Prämien „einstreichen“, für die wir vorab gewisse Voraussetzungen erfüllen müssen, sollte vorher erstmal das System eines Kinos hinterfragen.

Ihnen geht es jedoch um weit mehr als das Monetäre…

Loibl: Weil das nicht alles ist. Die ganze Situation erhält natürlich einen negativ-nachhaltigen Effekt. Selbst wenn wir nach drei Wochen wieder aufsperren dürf(t)en, verhindert 2G oder 2G plus extrem viel. Viele werden sich nicht mehr testen lassen, wenn sie geimpft sind. Und einige vorgesehene Filme werden wir womöglich gar nicht mehr einsetzen können, aufgrund der Zeit, die uns jetzt davonläuft.

bit

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