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ovb24.de stellt die Brauereien in der Region vor

Bürgerbräu Bad Reichenhall: Wie die „Alpenbrauerei“ plötzlich 139 Jahre älter wurde

Bürgerbräu Bad Reichenhall
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Vater Christoph (links) und Sohn Markus Graschberger vom Bürgerbräu Bad Reichenhall. Der Familienbetrieb existiert inzwischen in fünfter Generation.
  • Marina Birkhof
    VonMarina Birkhof
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Bad Reichenhall - Hopfen und Malz, Gott erhalt‘s - diesen Spruch kennt jeder. Ebenso wie das Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516, ein Garant für süffiges und gutes Bier. Bayern und das bayerische Bier - eine Liebesgeschichte, die seit Jahrhunderten besteht. ovb24.de nimmt die Brauereien in der Region ein bisserl genauer unter die Lupe. Markus Graschberger vom Bürgerbräu Bad Reichenhall steht uns Rede und Antwort:

+++ Hier finden Sie einen Überblick über alle Brauereien der ovb24-PAY-Serie+++

Seit wann gibt es Ihre Brauerei?

Am Standort der heutigen Brauerei Bürgerbräu wird seit 1494 gebraut. Die Brauerei war schon immer unter familiärer Führung und das ist auch heute noch eine Privatbrauerei. Mittlerweile steht mit dem Sohn des heutigen Bräus Markus Graschberger die fünfte Familiengeneration in den Startlöchern zur weiteren Nachfolge der langen Brauereitradition in Bad Reichenhall.

Wie sieht die Gründungsgeschichte aus?

Im Jahr 1493 gibt es in Bad Reichenhall ein eigenes Reinheitsgebot, das damit sogar älter ist als das bayerische Reinheitsgebot. Erlass von Herzog Georg von Bayern: „Ein jeder Brauer soll gemäß dem Eid, den er geschworen hat, nichts anderes für das Bier gebrauchen als gutes, beschautes und sachgerecht hergestelltes Malz, Wasser und Hopfen.“ Die erste urkundliche Erwähnung der Brauerei war im Jahr 1494 und damalige Hauptabnehmer waren die Saliner in Bad Reichenhall. 1834 wurde das Gebäude beim Stadtbrand teilweise zerstört. 1901 erfolgte der Erwerb der Brauerei (damals „Graßlbräu“) durch August Röhm und die Gründung des „Bürgerbräus Bad Reichenhall“. Ihm zu Ehren wird heute unser „Gustl“ gebraut. 1945 wird die Brauerei durch Bombenangriffe schwer zerstört und in den darauffolgenden Jahren wiederaufgebaut, ehe 1950 wiedereröffnet werden konnte. 1980 erfolgte die Übernahme durch den heutigen Bräu Christoph Graschberger und Urenkel von August Röhm.

Wie erklärt sich Ihr Brauerei-Logo und das Etikett?

Seit dem Wiederaufbau der Brauerei Bürgerbräu im Jahr 1901 war das Brauerei-Wappen immer fester Bestandteil der Logos. Mit dem Markenrelaunch 1978 (aus „Bürgerbräu“ wird „Unser Bürgerbräu“ kommt unser Bürgerbräu-Kopf mit in den Markenauftritt und steht seitdem als Personifikation für den Reichenhaller Bürger für „das bayerische Bier in Person“. Außerdem wird das Brauerei-Wappen zum Doppelwappen in Kombination mit dem Reichenhaller Stadtwappen erweitert. Mittlerweile hat auch der Bezug zur Alpenregion, in der die Brauerei beheimatet ist, Einzug auf die Etiketten gefunden. Wir sind eine echte „Alpenbrauerei“.

Haben Sie einen Werbeslogan?

Die Brauerei steht für „das bayerische Bier in Person“.

Gibt es Vereine, Mannschaften, etc., die von Ihnen gesponsert werden?

Wir sponsern zum Beispiel die Fußballer vom TSV Bad Reichenhall und auch den RFC Bad Reichenhall – den Reichenhaller Rugby-Verein. Außerdem unterstützen wir natürlich weitere regionale Vereine: Trachten-, Sport- und Kulturvereine wie zum Beispiel R’haller Sternenzeltverein und die Reichenhaller Philharmonie.

Wie viele Angestellte gibt es bei Ihnen? Bilden Sie aus - wenn ja, in welchen Bereichen?

Wir haben circa 40 Angestellte im Brauereibetrieb und bilden natürlich auch zum Beruf des Brauers und Mälzers aus.

Welche Biere stellen Sie her? 

Bei uns gibt es ein reiches Sortiment an klassischen Biersorten: Gustl und Gustl Kellerbier als Bayerisch Hell, Alpenstoff, Export und Braumeister als Export, bei den Weißbieren Hefe-Weizen, Hefe-Weizen dunkel, Leichte Weiße und Hefe-Weizen alkoholfrei beim dunklen Export unser Ruperti-Dunkel, das Pils sowie unsere Bockbiere Suffikator (dunkler Doppelbock), Hallgrafenbock (Bock hell) und Rupertus Weizenbock (Weizenbock dunkel). Zudem bieten wir Biermischgetränke wie Alpenstoff NaturLemon oder unser Natur-Radler sowie alkoholfreie Getränke wie Orangen- und Zitronenlimonade, Cola-Mix und Apfelschorle an.

Wie stehen Sie zur Craft-Beer-Bewegung und ist das Reinheitsgebot noch zeitgemäß?

Für uns heißt Craft-Beer nichts anderes als handwerklich gebrautes Bier. Das passiert bei uns seit 1494 mit allen unseren Bieren. Viele Dinge die in größeren Brauereien maschinell abgefertigt werden oder automatisiert werden, sind bei uns echte Handarbeit. Das Reinheitsgebot ist für uns in dieser Hinsicht keinerlei Einschränkung. Bier hat Tradition in Bayern und Traditionen fortzutragen ist eine bayerische Tugend. Viel faszinierender am Bier ist es doch, was aus den wenigen Zutaten für eine Vielfalt entstehen kann. Das Reinheitsgebot ist absolut zeitgemäß, vieles verändert sich heute sehr schnell und da ist die Verlässlichkeit, die einem das Reinheitsgebot bietet, ein willkommener Ruhepol – man weiß einfach was man bekommt!

Bierstile wie IPA, Porter oder Stout sind bei uns nicht zu finden - als Alpenbrauerei bedienen wir hauptsächlich den bayerischen Geschmack. Trotzdem haben wir mit unserer „Bürgerbräu Edition“ eine Serie für den besonderen Gaumen: Drei kräftige Bockbiere (Weizenbock dunkel, Heller Bock, und Dunkler Bock), die extra lang gelagert (ein halbes Jahr) noch zusätzliche Aromen entfalten. Abgefüllt in eine 0,75 Liter Champus-Flasche und zu genießen in einem Biergourmet-Glas. Besonders stolz sind wir auf unseren Alpenstoff: Das Bier der Berge!

Woher beziehen Sie Ihre Rohstoffe für die Herstellung Ihrer Biere?

Der Hopfen kommt aus der Tettnang in der Hallertau und das Malz aus Oberbayern, Schwaben und Franken (Kulmbach).

Stichwort Einzugsgebiet: Wo kann Ihr Bier überall erworben werden?

Unser Einzugsgebiet ist hauptsächlich das Berchtesgadener Land und der Traunsteiner Landkreis. Wir liefern aber auch bis nach München und haben Abnehmer in weiterer Entfernung in ganz Deutschland. Wegen der Grenznähe exportieren wir unser Bier auch nach Österreich und Italien.

Auf welchen Festen sind Sie vertreten?

Unsere klassischen großen Feste sind - unter normalen Bedingungen - das Reichenhaller Herbstfest und das Reichenhaller Stadtfest.

Wie viel Liter Bier werden pro Jahr bei Ihnen abgefüllt?

Circa drei Millionen Liter.

Wie geht es Ihnen in der Corona-Pandemie aktuell und wie blicken Sie in die Zukunft?

Natürlich hat uns die Pandemie als Brauerei mit hohem Gastronomie-Anteil streckenweise nicht unwesentlich getroffen. Was die Situation aber auch gezeigt hat: In schwierigen Zeiten ist der Zusammenhalt der Brauereien untereinander gestiegen. Das verdeutlicht die Chiemgau-Tourismus-Aktion „Die privaten Heimatbrauer halten zusammen!“ Auch innerhalb der Belegschaft ist das zu spüren. Wir haben die Zeit genutzt und unser Handelsgeschäft durchweg steigern können. Für die Zukunft begleitet uns Optimismus und wir versuchen uns laufend weiterzuentwickeln. Der Trend Richtung Lokalität neben der Regionalität, den die Pandemie hervorgebracht hat, unterstützt uns dabei.

Rückblick auf die letzten 10 Jahre: Was ist da besonderes passiert? Gab es ein besonderes Jubiläum?

Besonders war, dass wir auf einen Schlag älter geworden sind. Man hat zwar immer vermutet, dass die Brauerei älter ist - Gründungsjahr bis 2016 war das Jahr 1633. Aber es fehlte der Nachweise. Zum 500-jährigen Jubiläum des bayerischen Reinheitsgebots im Jahr 2016 hat Stadthistoriker Dr. Johannes Lang etwas tiefer gegraben und das Reichenhaller Reinheitsgebot aus dem Jahr 1493 entdeckt - zugleich einen Nachweis für eine Braustätte vom heutigen Standort ein Jahr später (1494). Wir sind von heute auf morgen also mindestens 139 Jahre älter geworden. 2019 haben wir deshalb unser großes 525-jähriges Jubiläum gefeiert mit verschiedenen Festlichkeiten über das ganze Jahr verteilt. Höhepunkt war ein dreitägiges Bierzelt im Sommer mit Streetfood-Festival und Auftritt von Django 3000.

Zusätzlich haben wir im April 2020 den Bundesehrenpreis der DLG erhalten: Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) zeichnet alljährlich Unternehmen, die über viele Jahre hinweg ununterbrochen mit höchsten DLG-Prämierungen ihre überdurchschnittliche Qualität unter Beweis gestellt haben, mit dem „DLG-Preis für langjährige Produktqualität“ aus. 2020 wurde uns dieser Preis bereits zum 27. Mal in ununterbrochener Folge verliehen. Damit gehören wir zu den 15 Brauereien mit den häufigsten Prämierungen in dieser Kategorie. Bei der diesjährigen Prüfung wurden zudem erneut mehrere unserer Bierspezialitäten mit dem begehrten „DLG-Preis in Gold“ ausgezeichnet.

Ausblick: Stellen Sie in Zukunft besondere Aktionen in Aussicht?

Wir suchen laufend nach nach neuen Ideen und Aktionen. Aktuell gibt es zwar noch keine konkreten Vorstellungen, aber es wird sicher wieder etwas kommen. Natürlich waren auch wir nicht ganz unberührt von der Pandemie und haben hier zuletzt über Social Media eine Aktion durchgeführt, bei der unsere Wirte für einen im Handel gekauften Kasten mit einem Liter Bier für die Zeit nach der Pandemie unterstützt wurde. Insgesamt sind dabei 105 Liter pro Wirt dabei heraus gekommen. Wir finden: Ein super Ergebnis!

Abschließend ein Satz über Sie: Was zeichnet Ihre Brauerei aus?

In unserer Familienbrauerei wird aus Überzeugung Bier von Menschenhand gebraut, mit allen Sinnen und großem persönlichem Engagement. Auf der Basis von überlieferten wie auch neu konzipierten Rezepturen, traditioneller Braukunst, besten Rohstoffen, idealem Brauwasser aus den Tiefen der Alpen, langen Reifezeiten und seit jeher im Einklang mit unserem „Reichenhaller Reinheitsgebot“ aus dem Jahr 1493.

mb

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