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Pläne in Bad Reichenhall

Oberbürgermeister Lung zum geplanten Klinik-Neubau – „Es wird keine Salamitaktik geben“

Dr. Christoph Lung nahm sich Zeit, die drängendsten Fragen der Bürgerinnen und Bürger in Sachen Klinik-Neubau in der Kurstadt zu beantworten.
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Dr. Christoph Lung nahm sich Zeit, die drängendsten Fragen der Bürgerinnen und Bürger in Sachen Klinik-Neubau in der Kurstadt zu beantworten.

Der geplante Zentralklinik-Neubau in der Kurstadt Bad Reichenhall sorgt für Diskussionen und schlägt emotional hohe Wellen. In den sozialen Netzwerken geht es rund, in Leserbriefen wird klar, dass die Menschen zu vielen ihrer Fragen klare Antworten vermissen.

Bad Reichenhall - Was passiert beispielsweise mit dem Skaterplatz für Kinder und Jugendliche, der dort, zwischen Umgehungsstraße und Saalach, künftig keinen Platz mehr finden wird? Oder: Ist die massive Maßnahme wirklich nötig? Wie mehrfach berichtet ist auf der unbebauten Wiese direkt gegenüber des Rupertus Thermen-Parkplatzes sowie in der Fortsetzung nordostwärts ein umfangreicher Krankenhaus-Neubau geplant.

Die Entscheidung, dass Bad Reichenhall Klinik-Standort bleiben soll, ist gefallen – der Zuschlag stand monatelang auf höchst wackligen Beinen. Auf Facebook titelte Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung am 17. Dezember: „Heute ist ein guter Tag für das Berchtesgadener Land und die Stadt Bad Reichenhall“. Wir haben mit dem Stadtoberhaupt gesprochen, um die dringendsten Fragen der Bürgerinnen und Bürger zu klären.

Herr Lung, das jetzige Krankenhaus wurde in den letzten Jahrzehnten stetig ausgebaut, saniert und modernisiert – und Millionen an Steuergeldern sinnvoll investiert. Ist das alles nun plötzlich nicht mehr gut genug? 
Christoph Lung: Das ist in der Tat die Frage, die ich am häufigsten gestellt bekomme. Es war so, dass ich im Herbst 2020 das erste Gespräch mit den Verantwortlichen der Kliniken Südostbayern AG hatte. Sie gaben mir klar zu verstehen, dass dringender Handlungsbedarf bestünde. Innerhalb der Kliniken hätte es schon seit Jahren Diskussionen gegeben, wie mit diesem Standort bei uns in Bad Reichenhall umzugehen sei – weil das bestehende Krankenhaus in der Riedelstraße keine Zukunft mehr habe: Aus Sicht des Unternehmens, aus medizinischer Betrachtungsweise, aus der gesamtmedizinischen Entwicklung heraus. Deshalb werde ein neuer Standort benötigt.
Was hieß das in erster Konsequenz für die Stadt Bad Reichenhall?
Lung: Klar war: Wenn wir weiter ein Krankenhaus haben wollen, müssen wir für einen neuen Klinik-Standort eine fünf Hektar große Fläche finden. Offenbar waren die Kliniken Südostbayern bereits in der Vergangenheit, vor meiner Zeit als OB, an die Stadt herangetreten – mit der Bitte, sich um einen neuen Standort zu bemühen. Fakt ist aber: Wir haben zum Zeitpunkt meines ersten Gesprächs, also im Herbst 2020, quasi bei Null angefangen.
Zunächst war ein anderer Standort angedacht.
Lung: Wir hatten ein Grundstück neben dem Landratsamt im Auge. Dort sahen wir die geeignete Fläche für ein neues Klinikum. Sie wäre von der Verkehrsanbindung her günstig, in Sachen Hochwasserschutz würde es keinerlei Berührungspunkte geben. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Vorhaben dort nicht machbar ist. 
Deswegen kam die Idee einer Grundstücks-Rochade ins Spiel?
Lung: Die als „Dreisprung“ bekannt gewordene „Lösung“ haben wir politisch nicht durchbekommen: Das Landratsamt an die Münchner Allee, die neue Klinik an den jetzigen Landratsamt-Standort, das Amt für Maß und Gewicht in die Riedelstraße, also an den aktuellen Klinik-Platz.
Wie ging es weiter?
Lung: Im Sommer 2021 waren wir in der Lage, uns völlig neu zu orientieren. Es ging zunächst allein um die Frage, wo wir im Stadtgebiet fünf Hektar zusammenhängende Fläche herbekommen, um einen entsprechenden Klinik-Neubau gut abbilden zu können. Wichtig war vor allem für mich, eine verkehrsgünstige Infrastruktur in unmittelbarer Nähe zu haben.
Wieviel Hektar beinhaltet der aktuelle Standort?
Lung: 2,2 – es wirkt vielleicht größer, ist jedoch „ungünstig gebaut“, einfach historisch gewachsen. Die Fläche an der Therme mag kleiner als fünf Hektar wirken. Das liegt wohl an der länglichen Ausbreitung des Areals. Um dieses Gelände zu finden, sind wir im Sommer mit Stadträten aus allen Fraktionen minutiös alle Grundstücke durchgegangen, die im Stadtgebiet für ein derartiges Vorhaben denkbar sind.
Es ging allein um Grundstücke, die der Stadt gehören?
Lung: Nicht nur. Wir haben uns in erster Linie Flächen angeschaut, von denen wir uns versprachen, sie möglicherweise in einem vertretbaren finanziellen und zeitlichen Rahmen erwerben zu können. Das jetzt vorgesehene Areal befindet sich komplett im Eigentum der Stadt Bad Reichenhall. Das war eine Lehre, die wir mitunter aus dem „Dreisprung“ gezogen hatten. Wir bieten keine Grundstücke an, die uns aktuell nicht gehören. Wir hatten uns zudem lange Zeit in einer Konkurrenzsituation zu einem Grundstück in Piding befunden. Damit konnten uns die Kliniken natürlich konfrontieren – und wir haben permanent dagegen angearbeitet. Unsere nun geplante Fläche ist in Sachen Hochwasserschutz sogar sicherer als jene in Piding.
Gilt das auch für die gewünschte Verkehrsanbindung?
Lung: Sie ist zumindest nicht schlechter. Wir haben durch den Hammerschmiedweg bereits eine bestehende Linksabbiegespur. Wir können das Areal also von der Umgehungsstraße her erschließen, gegebenenfalls sogar über die Traunfeldstraße.
Gibt es weitere große Pluspunkte?
Lung: Wir würden eine Entwicklung „aus der Stadt heraus“ schaffen, jedoch in der Nähe zur bestehenden Infrastruktur. Ich möchte hier nicht negativ über die Pidinger Lösung und somit den früheren Alternativ-Standort sprechen. Dort wäre es jedoch im Prinzip ein reiner Retortenbau geworden. Natürlich bauen wir auch auf der grünen Wiese. Aber wir liegen zumindest Innenstadt-nah. Wenn wir uns anschauen, woher all die Patienten kommen, ist es naheliegend, den Klinik-Neubau an die Große Kreisstadt quasi anzudocken.
Der Bestandsbau macht rein äußerlich nicht den Eindruck eines maroden, überholten Gebäudes, welches ausgedient hätte. Was soll aus dem Bestandsbau werden, wie soll er künftig genutzt werden?
Lung: Ich kann diese Sichtweise verstehen, stelle mir die gleiche Frage. Ich muss jedoch zur Kenntnis nehmen, dass der Wunsch, an anderer Stelle neu zu beginnen – mit den entsprechenden Entwicklungsmöglichkeiten – absolut nachvollziehbar ist. Es darf nicht vergessen werden, dass hier die Gesundheitsversorgung für Jahrzehnte auf neue Füße gestellt wird. Die Frage, was mit dem Bestand passiert, ist absolut legitim. Sie würde sich übrigens so oder so, also ganz unabhängig von der Standortentscheidung Piding oder Bad Reichenhall stellen. Die Zeitphase bis zur Eröffnung des neuen Klinikums werden wir konstruktiv nutzen, um diese Frage zu klären. Klar ist: Niemand hat Interesse daran, dass das bestehende Krankenhaus-Areal brachfällt, nicht die Kliniken Südostbayern AG als Grundstückseigentümerin, nicht wir als Stadt.
Welche Ideen für den Bestand gibt es?
Lung: Bislang sind es lediglich Vorschläge: Personalwohnungen, überhaupt Wohnbau – die Lage ist fantastisch. Wir werden diese Gedanken fortführen und später in eine konkrete Planung überführen.
Thema „Entwicklungsmöglichkeit“, die Sie angesprochen haben: Bezieht sich das auf eine mögliche Salamitaktik, das dann bebaute Areal irgendwann noch weiter Richtung „Fritzer“ zu nutzen?
Lung: Eine Salamitaktik wird es nicht geben. Wir werden mit den Kliniken Südostbayern klar absprechen, wie die Baumaßnahme ausgeführt sein soll, um eine bestmögliche Gesundheitsversorgung jetzt und in Zukunft zu gewährleisten. Wir werden das im Bauleitplanverfahren offen und transparent kommunizieren, um die entsprechende Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen.
Von welchem Zeitrahmen in Sachen Klinik-Neubau sprechen wir überhaupt?
Lung: Als realistisches Ziel ist ein Umzug für Anfang 2028 kommuniziert. Da erst seit kurzem feststeht, dass der Klinik-Standort in Bad Reichenhall bleibt, gibt es natürlich noch keinen Bebauungsplan.
Schließlich handelt es sich um einen Neubau auf einer grünen Wiese.
Lung: Bis Ende 2023 soll der Bebauungsplan stehen. Zuvor hat der Stadtrat den Aufstellungsbeschluss zu fassen. Wir müssen uns als Bauleitplan-Behörde überlegen, wie die Maßnahme dort sinnvoll abgebildet werden kann – in Sachen Umweltschutz, verkehrliche Anbindung und vielem mehr. Erst danach wird das eigentliche Thema „Bauen“ angegangen. Realistisch ist eine etwa dreijährige Bauphase. Wir haben einen stringenten, aber ambitionierten Zeitplan. Baubeginn könnte 2026 sein.
Der Skaterplatz am Freizeitgelände wird von den Kindern und Jugendlichen extrem gut angenommen und genutzt. Im Herbst wurde sogar noch eine neue Rampe gebaut. Warum diese Maßnahme, finanziert aus Steuergeldern, wenn die Einrichtung doch komplett für das neue Klinikum wird weichen müssen?
Lung: Wir haben uns ebenfalls die Frage gestellt, ob wir das jetzt noch machen sollen. Bis zur Umsetzung des Neubaus vergehen aber noch ein paar Jahre. Außerdem wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht, wie die Standort-Entscheidung ausfällt. Wenn wir entschieden hätten, die Rampe nicht mehr zu bauen, müssten wir die Frage jetzt genau andersrum beantworten.
Die Jugendlichen stören an diesem Standort niemanden, die nächste Wohnbebauung ist weit genug entfernt. Sie kommen durch die Thermen-Unterführung zudem sicher an diesen Ort. Der Skaterplatz wurde stetig ausgebaut, der DFB finanzierte hier ein Kunstrasen-Mini-Spielfeld, das nachmittags und an den Wochenenden quasi pausenlos hervorragend genutzt wird. Die Stadt wird oft kritisiert, zu wenig für den Nachwuchs zu tun. Was soll aus diesem hervorragenden Angebot nun werden?
Lung: Ich rolle das Feld von hinten auf: Dieses Freizeitgelände ist der beste Beweis, dass die Stadt hier etwas Vernünftiges geschaffen hat – weil es funktioniert. Deshalb haben wir uns frühzeitig darauf verständigt, dass an anderer Stelle ein adäquater Ersatz geschaffen werden muss. Wir mussten jetzt aber erstmal Schritt eins gehen, die Standortsicherung für den Klinik-Neubau. Ich kann versprechen, dass wir uns zeitnah zusammensetzen werden, um das Thema „neues Freizeitgelände“ anzugehen. Wie gesagt: Wir gehen strukturiert vor, Schritt für Schritt.
Sicher kein leichtes Unterfangen, eine vergleichbare Fläche im „relativ engen Reichenhaller Tal“ zu finden, ohne Wohnbebauung in unmittelbarer Nachbarschaft.
Lung: Natürlich müssen wir uns das genau anschauen, um Nutzungskonflikte zu vermeiden. Ist eine Fläche gefunden, reden wir über die Gestaltung. Diese wird vielleicht sogar noch etwas zeitgemäßer. Wir wollen dieses Angebot auf jeden Fall erhalten, hier stehen wir im Wort. Zum jetzigen Zeitpunkt über Standorte zu spekulieren, wäre jedoch unseriös.
Der Wohnmobil-Stellplatz ist ebenfalls ein bestens genutztes Angebot der Stadt – letztlich ein sehr zeitgemäßes, weil seit der Pandemie ein enormer Camping-Boom einsetzte.
Lung: Der Stellplatz hat bei den Einheimischen weniger Anhänger als das Freizeitgelände, weil er ein Angebot ausschließlich für Gäste ist. Er war grundsätzlich ein wenig aus der Not heraus geboren, weil sich das zuvor alles relativ unkontrolliert am Friedhofs-Parkplatz St. Zeno abspielte. Dort hat das einfach nicht gepasst. Für den aktuellen, ganz offiziellen Standort an der Therme spricht natürlich einiges, keine Frage. Er war jedoch schon jetzt zu klein, wir mussten am Pendler-Parkplatz Ausweichmöglichkeiten schaffen. Dass wir in der Stellplatz-Frage ebenfalls adäquaten Ersatz benötigen, ist klar. Sonst bekommen wir jene Zustände, die wir vor der Schaffung dieses Angebotes hatten: Die Camper suchen sich andere, „wilde“ Plätze, um bei uns zu sein. Wir hatten das bekannte Problem am Thumsee. Wenn wir also kein Angebot machen und „geregelt“ einladen, programmieren wir Konflikte vor und befeuern das Problem neu – vor allem an Stellen, an den wir das nicht haben wollen. Wir werden uns deshalb heuer gut überlegen, was wir mit diesen Stellplätzen machen. Das ist unser Anspruch.
Zudem sind Wohnmobilisten als Gäste-Klientel sicher nicht zu unterschätzen, selbst wenn sie nicht Einnahmen wie beispielsweise jene von Hotelgästen generieren.
Lung: Die Camper sind definitiv eine attraktive Gäste-Gruppe, die gerne zu uns kommt. Sie lassen Geld hier, gehen zum Einkaufen, ins Café, zahlen übrigens auch Kurtaxe. Sie bedienen einen nicht zu unterschätzenden Markt. Wenn wir diesen nicht unterstützen, sucht er sich andere Bahnen. Ich möchte betonen: Wir haben jetzt zwei Handlungsstränge: Den Bebauungsplan Klinik-Neubau mit der Standortfrage. Dazu das Freizeitgelände mit Skater-, Fußball- und Spielplatz sowie Wohnmobil-Stellplatz. Das Krankenhaus ist prioritär, weil das nicht nur für unsere älteren Mitmenschen, sondern für alle Bevölkerungsgruppen – von ganz jung bis ganz alt – wichtig ist. Darum hat es Vorrang. Das heißt nicht, dass wir die jungen Leute hinten runterfallen lassen. Wir werden beide Vorhaben mit der gleichen Entschlossenheit vorantreiben und schauen, dass wir etwas Gutes daraus machen.
Muss die schöne Allee mit 16 Bäumen weichen oder ist in Sachen Naturschutz angedacht, sie als „auflockernden Grünstreifen“ möglicherweise in das Neubau-Projekt zu integrieren?
Lung: Im Bezug auf die wegbegleitenden Bäume ist noch nichts entschieden. Das wird im anstehenden Bauleitplanverfahren geklärt – gemeinsam mit der Frage, ob und welche Ausgleichsmaßnahmen anfallen. Grundsätzlich wird es unser Ziel sein, eine nachhaltige, umweltfreundliche und naturnahe Bauleitplanung zu entwickeln, die aber als oberste Aufgabe immer das Wohl der Patienten im Blick haben sollte. Wir können mit der bestehenden Infrastruktur, unter anderem mit Fernwärme, in Sachen umweltfreundlicher Energie bereits ein recht gutes Angebot machen.

Interview: Hans-Joachim Bittner

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