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Stadtratsmitglied schlägt Enteignung vor

Gefahr Seebach: So soll Karlstein vor Hochwasser geschützt werden

Karlstein Bad Reichenhall Seebach Weitwiese Hochwasserschutz
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Die Weitwiese bei Karlstein ist Überschwemmungsgebiet. Doch wie können die Anwohner vor dem Seebach geschützt werden?

Der Stadtrat Bad Reichenhall hat die überarbeiteten Pläne für den Seebach an der Weitwiese besprochen. Die Kostenfrage ist jedoch noch offen - und ein Stadtratsmitglied wirft sogar Enteignung zum Wohle des Hochwasserschutzes in den Raum.

Bad Reichenhall - In Karlstein zittern die Anwohner am Seebach entlang der Weitwiese bei jedem Unwetter. Schnell tritt das Gewässer über seine Ufer und überschwemmt dabei die Gärten und Häuser des Stadtteils. Ein Hochwasserschutz ist dringend notwendig.

Neue Planung beim Hochwasserschutz für Karlstein

Die Stadt Bad Reichenhall arbeitet bereits seit geraumer Zeit zusammen mit dem Ingenieurbüro aquasoli an einem Hochwasserschutz. Doch „für die bisher angedachte linienförmige Schutzline entlang der Bebauung am Seebach konnten nicht alle benötigten Grundstücksflächen erworben werden“, erklärt Thomas Knaus vom Stadtbauamt im Sachvortrag während der Stadtratssitzung am Dienstag (12. Juli). Auch der Abbruch der Karlsteiner Stuben und Neubau einiger Wohngebäude habe die Situation vor Ort verändert. Die neuen Gebäude seien bereits in einer hochwasserangepassten Höhenlage errichtet worden.

Hinzu kommt eine Erkenntnis aus dem Projekt „Sturzflutmanagement“: Die abfließenden Niederschläge aus den Hanglagen oberhalb der Staufenstraße würden bei Starkregenereignissen große Wassermengen in Richtung der angedachten Schutzlinie verursachen. Die binnenseitigen Gebäude auf der dem Seebach abgewandten Seite könnten dadurch gefährdet werden.

Die neue fachliche Einschätzung - neben der Tatsache, dass nicht alle benötigten Grundstücke gekauft werden können - empfiehlt, „nur in Teilen eine linienförmige Schutzlinie zu errichten“, so Knaus. Ein weiterer Teil der Anwesen solle über Schutzmaßnahmen direkt am Objekt selbst gesichert werden.

Damm, Pumpanlage und Bachverlegung

Aquasoli behält alle laufenden und geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen in und um Bad Reichenhall im Blick. So kann die Wechselwirkung der jeweiligen Projekte beobachtet werden. Die meisten Maßnahmen liegen in der Zuständigkeit des Wasserwirtschaftsamts Traunsteins und weniger bei der Stadt Bad Reichenhall.

Die neue Variante, der abschnittsweise Gewässerausbau mit Objektschutzmaßnahmen in Karlstein liegt jedoch in der Zuständigkeit der Stadt. „Mit Objektschutzmaßnahmen kann man einen Teil der Gebäude schützen“, erklärt Bernhard Unterreitmeier von aquasoli.

Die konkrete Maßnahme bedeutet eine Verlegung des Bachs, ein Damm entlang der Fischzuchtanlage, damit das Wasser nicht überströmen kann und im inneren Bereich hinter der Schutzlinie eine technische Entwässerungsanlage. „Die Pumpanlage braucht es bei Hochwasser.“ Nur dann springe die Anlage an. „Energiekosten werden möglichst gering gehalten.“ Die Bauwerke würden vereinzelt angepasst, etwa eine Überführung des Baches, die angehoben und vergrößert wird. Die Böschung des Seebachs wird flacher und mit Bäumen und Sträuchern ökologisch aufgewertet.

Gärten überfluten trotzdem bei Hochwasser

„Die Häuser mit Objektschutz in erster Reihe bleiben Hochwassergebiet, aber der Schutz am Gebäude wird hergestellt“, so Unterreitmeier. Das Wasser kann also noch bis zum Haus stehen, aber nicht mehr in die Räumlichkeiten eindringen. „Fenster werden ausgetauscht, Türöffnungen werden verschlossen, eine Geländemodellierung - da geht es um wenige Zentimeter, oder auch mal einen Zaunsockel anheben“, so Unterreitmeier. Auch Dammbalken an Gebäudeöffnungen seien eine Möglichkeit.

Sollte man die Grundstücke für den Hochwasserschutz enteignen?

Friedrich Hötzendorfer (FWG) bevorzugt die alte Planung, die an den Grundstücksverhandlungen scheiterte. „Was ist mit Enteignung bei den Grundstücken?“ Eine Enteignung kommt für Lung nicht infrage, solange es eine andere gute Variante gebe. Die vorherige Variante hätte außerdem noch weitere Nachteile mit sich gebracht. Der Verbau des Seebachs wäre weiter in die Weitwiese hineingerückt.

„Wir hätten das gesamte Siedlungsgebiet Karlstein über eine Pumpe entwässern müssen“, so Unterreitmeier: „Das ist auch ein Kostenfaktor. Der technische Aufwand bei der ersten Lösung wäre erheblich größer gewesen.“ Die Weitwiese bleibe bei beiden Varianten Überschwemmungsgebiet. Letzten Endes stimmt Hötzendorfer mit Ankündigung den Planungen nicht zu. „Wenn alle zehn Jahre die Wiese überflutet wird, und da 300 m² Gras verloren gehen - da wachst schließlich kein wertvolles Korn drauf“, dann sehe Hötzendorfer deutliche Vorteile in der ersten Variante. Es solle zu Gunsten der Hauseigentümer und nicht zugunsten des Landwirts entschieden werden.

Anwohner oder Allgemeinheit - Wer zahlt den Objektschutz?

Wer die Kosten für den Objektschutz der einzelnen Gebäude trägt und ob dieser verbindlich sein wird, ist indes noch nicht geklärt. „Wir werden versuchen, die Einzelmaßnahmen mit in das Projekt einzubinden. Der Freistaat Bayern fördert diese in der Regel mit 50 Prozent“, erklärt Josef Kaltner, Sachgebietsleiter Tiefbau. Ob am Ende die Allgemeinheit oder der Anwohner zahlen werde, müsse der Stadtrat entscheiden.

Auch die Kosten des Gesamtprojekts stehen noch nicht fest. Ursprünglich waren zwei Millionen Euro oder auch mehr veranschlagt. Unterreitmeier schätzt, dass die Kosten der neuen Planungsvariante sogar niedriger ausfallen könnten. Oberbürgermeister Lung möchte eine Anwohnerversammlung in Karlstein organisieren, um Fragen rund um den geplanten Hochwasserschutz und Objektschutz der einzelnen Gebäude klären zu können.

Mit zwei Gegenstimmen beschließt der Stadtrat die vorgestellte Planung. Die Verwaltung wird mit der Umsetzung der Maßnahme beauftragt.

ce

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