Bund Naturschutz warnt vor Risiken

Naturschutzverbände klagen gegen Wasserkraftwerk am Saalacher-Luitpoldwehr

Bad Reichenhall/München - Die Naturschutzverbände Landesfischereiverband Bayern (LFV) und BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) klagen unterstützt vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) gegen eine Wasserkraftanlage an der Saalach. Anfang Oktober hat das Landratsamt Berchtesgadener Land der Firma ProNaturstrom GmbH Tittmoning die Bewilligung zum Bau erteilt.

Die Pressemitteilung des Bund Naturschutzes im Wortlaut:


Am 6. November 2020 wurde die Klage beim Verwaltungsgericht München eingereicht. Nach Ansicht der Verbände verstößt das Projekt sowohl gegen die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) als auch das Wasserhaushaltsgesetz (WHG).

„Die Energiewende gelingt nicht dadurch, dass zu Lasten des Artenschutzes und den Fließgewässern immer neue Kleinwasserkraftwerke genehmigt und errichtet werden solange es noch immer große Dachflächen gibt, die für Photovoltaikanalgen genutzt werden können“, kommentiert Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V. das geplante Vorhaben.
„Restwassermengen sind dafür gedacht, den Fischen wenigstens einen ausreichenden Lebensraum zu geben“, kommentiert Prof. Dr.-Ing. Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbands. „In eine solche Restwasserstrecke nun nochmals eine Wasserkraftanlage zu setzen, führt diesen Schutzgedanken ad absurdum.“

Das geplante Schachtkraftwerk soll in das sehr alte, rund 200 m breite, vierstufige denkmalgeschützte Luitpoldwehr hineingesetzt werden und in einer Restwasserstrecke (dem alten Flussbett der Saalach) betrieben werden. Schon 2014 und 2015 hatten die Umweltverbände in ihren Stellungnahmen auf die hohe Eingriffsintensität bei vergleichsweise marginaler, klimaneutraler Stromerzeugung hingewiesen– im Restwasser vom Restwasser noch einmal Restwasser durch eine weitere Wasserkraftanlage zu generieren, ist nicht nachhaltig.

Für das Hauptwasserkraftwerk Bad Reichenhall-Kibling wird Wasser vom Saalachsee nach Kirchberg geführt und von dort über einen Kraftwerkskanal kurz hinter der Kretabrücke wieder in die Saalach eingeleitet. An der Talsperre Kibling wurde zudem ein Restwasserkaftwerk mit einer maximalen Wassermenge von 6m³/s installiert. In dieser Restwasserstrecke soll nun ein weiteres Restwasserkraftwerk als Schachtkraftwerk errichtet werden. Festgelegt ist, dass an der Kiblinger Sperre jahreszeitlich gestaffelt 3,0 bis 4,0 m3/s Restwassermenge in das Mutterbett der Saalach und über das Luitpoldwehr geleitet werden müssen (siehe Karte).

Nach WRRL befindet sich die Saalach unterhalb des Saalachstausee in einem mäßig ökologischen Zustand, um den notwendig guten ökologischen Zustand zu erreichen, muss eine Durchgängigkeit für Fische darunter auch europäisch geschützte Arten wie Äsche und Huchen (Anhang IV FFH-RL) als wichtigste Maßnahme umgesetzt werden. „Diese wird allerdings nicht durch den Einbau dieser bislang nirgendwo hinreichend erprobten Wasserkrafttechnik sichergestellt“, äußert sich Rita Poser, BN-Kreisvorsitzende im Berchtesgadener Land kritisch.

Da die Fische immer der Hauptströmung folgen, werden die meisten im Turbinenraum landen. Die Abstiegsalternative über die Rechenfläche ist nicht minder gefährlich, da das Unterwasserpolster von 1,5 Metern für größere Fische zu gering ist. Durch den Aufschlag insbesondere größerer und somit schwererer Fisch ein hohes Verletzungsrisiko gegeben, wie etwa Wirbelbrüche, Rupturen oder innere Blutungen. Darüber hinaus soll eine bislang ebenfalls nicht erprobte direkt neben dem Kraftwerksschacht anzubringende sogenannte Deelder-Schleuse als Fischaufstiegsanlage dienen, für die es in den einschlägigen Regelwerken keinen Stand der Technik gibt.

Ein weiteres Problem sind die großen Geschiebemengen. Jährlich werden bis zu 60.000m³ Geschiebe aus dem Saalachsee per LKW direkt vor die Staumauer transportiert. Das verhindert die weitere Verlandung des Sees und ist zwingend notwendig, um eine weiter Verschärfung (z.B. Sohlendurchschlag) durch fehlendes Geschiebe flussabwärts an Saalach und Salzach zu verhindern. Vor allem durch die Erosion von Feinsedimenten wird das hochdrehende Turbinenlaufrad beeinträchtigt, so dass sich die Jahresleistung schon nach relativ kurzer Betriebsdauer auf weniger als 1GWh pro Jahr reduzieren wird. Das entspricht 1- 1,3 Prozent des Energiebedarfs der Stadt Bad Reichenhall. Die vom Betreiber behauptete jährliche Stromerzeugung von etwa 2GWh wird in den Antragsunterlagen an keiner Stelle belegt.

Pressemitteilung Bund Naturschutz

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