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Pilotprojekt in Bayern

„Stiller Wald“ Kirchholz: So könnte ein Naturfriedhof bei Bad Reichenhall aussehen

Das Kirchholz bei Bad Reichenhall könnte ein Naturfriedhof werden. Das Konzept, wie ein Naherholungsgebiet auch Ruhestätte sein kann, haben Vertreter der Bayerischen Staatsforste vorgestellt.

Bad Reichenhall - Amselgezwitscher, raschelndes Laub und kleine Plaketten an stolzen Bäumen. Das Kirchholz bei Bad Reichenhall könnte bald die Heimat des dritten „Stillen Waldes“ in Bayern sein - einem Naturfriedhof mit minimalistischem Ansatz.

Die beiden Vertreter der Bayerische Staatsforsten Rainer Droste und Bernd Vetter haben dem Stadtrat Bad Reichenhall das Konzept des „Stillen Waldes“ vorgestellt. Immer mehr Menschen würden sich für eine letzte Ruhestätte in der Natur bzw. im Wald interessieren, erklärt Droste. Nach zahlreichen Anfragen, ob die Bayerischen Staatsforste denn Flächen für Naturfriedhöfe zur Verfügung stellen würden, habe man sich dazu entschieden, selbst Naturfriedhöfe zu ermöglichen.

Drei Pilotprojekte in Bayern sind der Anfang des Stillen Waldes: Mittenwald, Königsholz und womöglich Kirchholz bei Bad Reichenhall. „Wir haben natürlich mit der Suche dort begonnen, wo es in Bayern am schönsten ist. Deswegen ist es keine Überraschung, dass wir auch zu Ihnen gekommen sind“, so Droste.

Naturfriedhof „Stiller Wald“ - Grab-Baum selbst aussuchen

Im „Stillen Wald“ darf man sich den Platz des Grabes selbst aussuchen. Das können Bäume, Sträucher, Felsen oder auch besondere Monumente in der Natur sein. Anders als auf einem klassischen Friedhof wird im „Stillen Wald“ auf Grabschmuck und -steine verzichtet. „Die Naturbelassenheit ist eigentlich unser oberstes Gebot. Allerdings wollen wir auch keine anonyme Bestattung“, so Droste. Eine kleine Plakette mit dem Namen des Verstorbenen am Baum befestigt markiert deswegen den Platz der Urne.

Der Naturfriedhof selbst wird von außen erkennbar sein, aber ebenfalls mit minimalistischen Markierungen in Form von Lärchenpfosten. Der „Wald soll weiterhin Wald bleiben“, erklärt Vetter. Auch die Bestattung ist sehr nachhaltig. Die Bayerischen Staatsforste haben dafür selbst entwickelte, biologisch abbaubare Vollholzurnen vorgesehen.

Die Bestattungsbäume werden digital erfasst, „damit wir exakt wissen, wo die Urne ist und später wieder lokalisieren können, wenn bspw. ein Baum umfällt“.

Kirchholz bleibt Erholungsgebiet für Alle

Im Gelände werden Ruhebänke aufgestellt - für Angehörige, die den Verstorbenen gedenken, aber auch für alle Bürgerinnen und Bürger, „die den Wald jederzeit für Erholungszwecke nutzen können“, so Vetter. Denn das Kirchholz würde trotz Naturfriedhof ein Naherholungsgebiet bleiben. „Alle Einrichtungen, die wir für einen Stillen Wald schaffen, stehen der Bevölkerung ganzjährig zur Verfügung. Das ist kein Ort, an dem man sich jetzt nur aus Trauerzwecken aufhält. So wie bisher das Kirchholz auch für Erholungszwecke genutzt wird, so soll es auch in Zukunft wieder genutzt werden können“, so Vetter.

Auch Oberbürgermeister Christoph Lung (CSU) nehme den Wunsch in der Bevölkerung nach Alternativen zum kommunalen Friedhof wahr. Zum möglichen „Stillen Wald“ im Kirchholz meint Lung: „Die Aufenthaltsqualität dieses Areals würde steigen. Es bleibt betretbar und wird sogar attraktiver, etwa mit den Sitzmöglichkeiten. Es soll weiterhin ein Joggingareal sein, wo sich die Menschen ganz unbefangen bewegen. Man soll und kann reingehen und genauso ist es auch gedacht.“

Die genauen Flächen im Kirchholz wird die Stadt festlegen. Die Vertreter der Staatsforsten stellen klar: „Von der tatsächlichen Dauernutzung ist immer nur in kleiner Teil der Fläche betroffen.“

Besonderheit „Stiller Wald“: Sternschnuppenbäume

Fragen zum „Stillen Wald“ werden vor Ort eine Infotafel am Eingang und ein eigener Ansprechpartner beantworten können. „Wir stellen jemanden ein, der nur für diesen Friedhof zur Verfügung steht.“ Es werde auch tägliche Führungen zu Informationszwecken geben.

Das Grabnutzungsrecht in einem „Stillen Wald“ ist ähnlich geregelt wie auf einem kommunalen Friedhof. Interessierte können für 25 oder 50 Jahre ein Nutzungsrecht gegen ein einmaliges Entgelt erlangen. Es wird auch Sternschnuppenbäume geben. „Das sind Bäume, an denen die Fehlgeburten und Kinder bis im Alter von drei Jahren kostenfrei ihre letzte Ruhe finden können“, so Vetter.

Warum eigentlich das Kirchholz?

Und warum soll eigentlich das Kirchholz bei Bad Reichenhall der dritte Standort bayernweit werden? Nicht nur die Prominenz als Kurstadt trug zur Entscheidung bei. „Das Kirchholz liegt unmittelbar an der Stadt. Der Wald zeichnet sich durch eine hervorragende Pflege der letzten Jahrzehnte aus. Nicht nur der Wald ist sehr gut gepflegt, sondern eben auch die Wege. Und was uns besonders wichtig ist: Die Bäume weisen sehr unterschiedliche Formen auf und sind in unterschiedlichen Arten vorhanden. Das ist sehr wichtig, damit die Menschen, die sich einen Baum aussuchen, diesen auch wieder erkennen. Und je aufwändiger und besonderer der Baum ist, desto besser ist er zu finden“, so Vetter.

Die Bayerischen Staatsforsten streben einen dauerhaften Friedhofbetrieb an, der nicht zeitlich befristet ist. Die Stadt muss noch darüber entscheiden, ob sie Flächen im Kirchholz in einen Naturfriedhof umwidmen wollen.

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ce

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa (Symbolbild)

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