Er hätte auf Fairness gehofft

Endet Werner Hubers politische Karriere mit dem Verlust des Stadtratsmandats?

Rathaus Bad Reichenhall, Werner Huber, ehemaliger Stadtrat
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Obwohl er kein Stadtrat mehr ist, will Werner Huber seine guten Kontakte ins Bad Reichenhaller Rathaus weiter nutzen.

Bad Reichenhall - Eine Prüfung des Landratsamtes Berchtesgadener Land hatte im Juli Friedrich Hötzendorfer zum Stadtrat gemacht. Der bereits als 2. Bürgermeister vereidigte Werner Huber musste stattdessen aus dem Gremium wieder ausscheiden. Zieht Huber deshalb Konsequenzen?

„Nach mehreren Gesprächen mit Fachleuten aus dem juristischen Bereich habe ich mich entschieden, gegen die Entscheidung des Landratsamtes Berchtesgadener Land nicht zu klagen", bestätigt Werner Huber gegenüber BGLand24.de. Der ehemalige Stadtrat war ursprünglich per Losentscheid in den Stadtrat eingezogen. Da Huber und sein FWG-Parteikollege Friedrich Hötzendorfer gleich viele Stimmen hatten, prüfte das Landratsamt noch einmal alle ungültigen und beschlussmäßig behandelten Stimmzettel.


„Bei so einem knappen Ergebnis hätte ich mir gewünscht, dass noch einmal alle Stimmzettel ausgezählt werden und nicht nur die 6,22 Prozent“, bedauert Huber im Gespräch mit BGLand24.de. Die Auszählung des Landratsamtes hatte ergeben, dass Huber 1609 und Hötzendorfer 1610 Stimmen erhalten haben.


„Ich will nicht nachtarocken, das liegt mir absolut fern“, ist es Huber wichtig zu betonen. „Rechtlich ist es so, wie es ist. Aber das Landratsamt hätte aus Fairnessgründen sagen können, ‚wir zählen noch einmal alles nach‘.“ Dass das Landratsamt das nicht muss, weiß Werner Huber und er weiß auch, dass er genau das vor Gericht auch nicht erreichen könnte. Darum belässt er es bei der Entscheidung und verlässt den Bad Reichenhaller Stadtrat.

FWG-Stadtratsmitgliederwechsel in Bad Reichenhall: Huber hätte noch Ideen

„Ich bin schon enttäuscht, ich hätte es gerne noch einmal gemacht“, resümiert der scheidende Stadtrat. Es fällt ihm nicht leicht, das Amt aufzugeben. „Ich konnte mich nicht darauf vorbereiten.“ Deshalb stellt sich für Werner Huber auch immer wieder die Frage „Warum wurde nicht gleich nachgezählt?“

Dann hätte er sein Amt nicht angetreten, wäre nicht zum 2. Bürgermeister gewählt worden und hätte auch schon erste Ideen zusammen mit Oberbürgermeister Christoph Lung angefangen umzusetzen. „Wenn man heutzutage einen Personalausweis und einen Reisepass verlängern will, ist man schnell bei 90 Euro. Darum haben wir angefangen, Überlegungen zu starten, wie man Kartenzahlung im Rathaus installieren kann.“

Außerdem gebe es bei den Leerständen in der Fußgängerzone hervorragende Ansätze, wie man die Läden wieder bestücken könnte. Auch die Verkehrssituation in Bad Reichenhall, die man aus Sicht von Werner Huber am besten zu Fuß oder mit dem Rad bewältigt, stand für ihn genauso im Vordergrund wie die Energieversorgung der Stadt.

Werner Huber: „Wenn sie mich brauchen, bin ich da“

Vor allem bei der Diskussion um den neuen Krankenhaus-Standort, der das in die Jahre gekommenen Bad Reichenhaller Krankenhaus mit einem Neubau weiter stärken soll, und die Ausgestaltung des Landratsamtes wären Themen gewesen, die der Bank-Angestellte gerne mit vorangetrieben hätte. „Jetzt werde ich sie als interessierter Laie beobachten.“

Es kann also durchaus passieren, dass der ehemalige Stadtrat bei der ein oder anderen Sitzung des Gremiums in den Zuschauerrängen zu finden ist. Wenn er nicht gerade ehrenamtlich für den TSV Bad Reichenhall/Fußball unterwegs ist. „Ich habe da noch kein Amt, aber wenn sie mich brauchen, bin ich da.“

Nach überraschendem Ausscheiden: Werner Huber blickt positiv auf Bad Reichenhaller Stadtrat

Das war auch das Motto von Werner Huber als Stadtrat. Nach zwölf Jahren blickt er bei allen Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten vor allem darauf zurück, dass 90 Prozent der Beschlüsse einstimmig gefasst wurden, dass er sich mit allen Stadträten, egal welcher Fraktion, immer gut verstanden hat und ein fairer Umgangston geherrscht hat.

Vor allem über die Entscheidung, die Sporthalle an der Münchner Allee im Bestand zu sanieren, ist er bis heute mehr als froh. „Sie ist jetzt auf dem neuesten technischen Stand und wird von unseren Sportlerinnen und Sportlern fleißig genutzt.“ Vielleicht ist es ein Projekt wie dieses, dass ihn noch nicht sicher sagen lässt, ob er mit der Politik ganz aufhört. „Ich werde es mir gut überlegen“, verspricht er.

Das gelte auch für eine mögliche Aufstellung als Stadtrat bei der Kommunalwahl 2026. „Da ist der Zeitabstand für eine Prognose tatsächlich zu früh", so Huber. Auf alle Fälle will er die Geschehnisse in der Stadt weiter aufmerksam verfolgen. Durch seinen guten Draht zur Stadtverwaltung habe er immer die Möglichkeit, etwas anzusprechen. Ganz verloren gehen wird Werner Huber der Stadt Bad Reichenhall also nicht.

cz

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