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„Sicher in die Natur und zurück kommen“

Problem-Unterführung der B21 - Marzollerin startet Petition und trifft einen Nerv

Ramona Becker mit einem ihrer Pferde vor der gefluteten Unterführung.
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Ramona Becker mit einem ihrer Pferde vor der gefluteten Unterführung.

Eine Unterführung an der B21 bei Marzoll steht seit Monaten fast dauerhaft unter Wasser. Die Stadt hat daraufhin einen „Not-Steg“ für Fußgänger gebaut, die Unterführung aber für Fahrradfahrer und Reiter gesperrt. Ramona Becker hat deswegen eine Petition gestartet. Ihr geht es um die Sicherheit der Reiter und Pferde, denn die Alternativen zwingen sie auf viel befahrene Straßen.

Bad Reichenhall - Hier kommen nur noch wenige durch: die Unterführung unter der B21 in Marzoll ist seit einigen Monaten für viele Passanten gesperrt. Schilder verbieten das Durchreiten oder Fahren. Fahrradfahrer müssen absteigen. „Hauptschuldiger“ für die Sperre ist wohl vor allem der Biber. Durch seine Bauten in der Marzoller Au staut sich das Wasser immer mehr, wodurch auch der Grundwasserspiegel steigt. Dadurch steht die Unterführung die meiste Zeit unter Wasser.

Die Stadt Bad Reichenhall hat daraufhin einen Holzsteg gebaut, um zumindest Fußgängern den Durchgang zu ermöglichen. Die Alternative, nämlich direkt die Bundesstraße 21 zu queren, wäre viel zu gefährlich. Neben dem Holzsteg bestand einige Zeit zumindest auch noch die Möglichkeit, die Unterführung durch das Wasser zu begehen. Genutzt wurde das vor allem von Reitern mit ihren Pferden. Auch die 23-jährige Ramona Becker aus Marzoll nutzt diese Unterführung seit sie sieben Jahre alt ist. Becker besitzt Pferde, reitet auch selbst und hat außerdem Reitbeteiligungen für ihre Pferde. Sie alle sind immer durch die Unterführung durch und hinein in den Wald geritten - bis die Stadt den Durchgang durch das Wasser sperrte.

Die Unterführung unter der B21 steht tief unter Wasser. Der Durchgang neben dem Holzsteg ist gesperrt.

Es geht um die Sicherheit 

Becker hat deswegen eine Petition gestartet: „Problem, und wieso ich das gestartet habe, ist für mich, dass die meisten meiner Reitbeteiligungen 13 Jahre alt sind und die müssen jetzt damit sie in den Wald kommen, entweder ein langes Stück an der Straße ohne Gehsteig gehen oder wirklich durch die Autounterführung auf der Fahrspur von den Autos. Und ich habe echt kein gutes Gefühl mehr dabei, wenn ich sie reiten schicke“, erklärt sie im Gespräch mit BGLand24.de. Der jungen Marzollerin geht es hauptsächlich um die Sicherheit. Deswegen ist ihr eine offene Unterführung auch so wichtig, denn dahinter kommt gleich der für Reiter und Pferde sichere Wald. „Das ist eigentlich unser Hauptreitgebiet. Wir gehen im Sommer ganz selten mal über die Wiesen. Aber eigentlich gehen wir immer in den Wald rein, weil es eben auch einfach am sichersten ist. Keine Autos. Nicht viel anderes“, so Becker. 

Auf beiden Seiten der Unterführung sind mittlerweile Sperren angebracht. Fahrradfahrer müssen für eine Durchfahrt absteigen.

Die 23-Jährige trifft mit ihrer Petition offensichtlich einen Nerv. Bereits 122 Personen (Stand: 19. Mai) haben mit unterschrieben. Viele sind laut den Kommentaren selbst betroffen, andere zeigen sich solidarisch: „Ich möchte, dass meine Enkelkinder sicher in die Au kommen“, schreibt etwa ein Unterzeichner aus Bad Reichenhall. Weil „ich die Pferdebesitzer und Reitbeteiligungen unterstützen will, die nicht mehr in den Wald kommen, ohne die stark befahrene Bundesstraße zu überqueren, was für Reiter und Tier, aber auch für die Autofahrer mit unnötigen Gefahren verbunden ist“, schreibt ein weiterer Unterstützer aus Piding. Auch eine Nuterzin aus Bad Reichenhall spricht sich für die Sicherheit aus: „Weil ich der Meinung bin, dass egal ob Fußgänger, Radfahrer oder eben Reiter, sicher in die Natur und zurück kommen.“

Überflutung ein kontinuierlicher Prozess

Becker schrieb bereits im Februar an die Stadt Bad Reichenhall und sprach die Problematik an. Damals verwies man auf die zwei Ausweichmöglichkeiten - alternative Querungen an der Reichenhaller Straße und in Weißbach, denn an der überfluteten Unterführung könne man derzeit nichts ändern. Der provisorische Holzsteg sei die einzige Möglichkeit. Auch auf Nachfrage von BGLand24.de bei der Stadt Bad Reichenhall stellt sich heraus, dass die Lösung gar nicht so einfach ist. 

Laut Pressesprecherin Katrin Dennerl handle es sich bei der Überflutung der Unterführung um einen kontinuierlichen Prozess, der aufgrund der anhaltenden Aktivitäten des Bibers weiter fortschreite. „Mit steigendem Wasserstand der Marzoller Au war die Fahrbahn anfangs nur feucht und nach starken Niederschlägen wasserbedeckt. Seit Herbst letzten Jahres übersteigt der Wasserstand eine aus den Gesichtspunkten der Verkehrssicherheit nicht mehr vertretbare Höhe“, so Dennerl. Der Grund für die Überflutungen: der Biber. Das große Nagetier sorgt durch den massiven Aufstau des Oberflächenwassers und Veränderungen der Wasserwege für einen Anstieg des Grundwasserspiegels. 

Auch Dennerl verweist auf die Frage nach alternativen Quermöglichkeiten der B21 auf die Reichenhaller Straße mit „720 Metern Entfernung“ und auf den „Blumenweg in 1380 Metern Entfernung.“ Becker hält dagegen. Aus ihrer Sicht sei die einzig sichere alternative Unterführung für Reiter die bei Weißbach: „Dafür müssen sie aber ein weites Stück an der Straße gehen“, so Becker, „aber bei der Hauptstraßen-Einfahrt Richtung Türk fahren auch die ganze Zeit die Lkw. Da ist die Spedition, da ist kein Gehsteig, da ist eigentlich gar nichts.“ 

Woran scheitert es? 

Nach einer langfristigen Lösung wurde mit dem Straßenbauamt laut Sprecherin Dennerl bereits mehrmals gesucht. Bisher seien jedoch alle Vorschläge gescheitert. Technische Lösungen, wie etwa eine Pumpstation würden ausscheiden, solange der Biber die Marzoller Au bewohne. Den Biber einfach entnehmen geht auch nicht. Das habe die Naturschutzbehörde beim Landratsamt untersagt. Als Sofortlösung wurde dann in Abstimmung mit dem Straßenbauamt durch die Stadt Bad Reichenhall eben jener Notsteg errichtet, der auch jetzt noch steht. So können zumindest Fußgänger die Problem-Unterführung passieren.

Aus Sicht des Straßenbauamtes erscheine die einzige Lösung „ein Neubau mit entsprechend wasserdichter Wanne und verlängerten Rampenbauwerken“, so Dennerl. Kurzfristig ist dies aber nicht umsetzbar. Becker hofft auf eine baldige Lösung, denn sie und auch ihre Reitbeteiligungen reiten nach wie vor mit ihren Pferden aus, „und eigentlich habe ich mir da keine Sorgen machen müssen, weil die können alle reiten und meine Pferde sind recht brav. Aber sie sind halt eigentlich immer auf direktem Weg in den Wald gekommen und im Wald selbst war es dann natürlich am sichersten. Das ist jetzt eben auch hinfällig. Jetzt hab ich eben echt kein gutes Gefühl mehr.“ 

Infos zur Unterführung

Das Bauwerk steht im Eigentum und in der Unterhaltslast des Freistaats Bayern Straßenbauverwaltung (B21).

Der Unterhalt und die Verkehrssicherungspflicht des Geh- und Radweges liegen bei der Stadt Bad Reichenhall.

Die Unterführung befindet sich in der Gemarkung Marzoll zwischen den Ortsteilen Türk und Weißbach. Sie unterquert im Verlauf der sogenannten Haidergasse die B21.

Reiter und Fußgänger dürfen laut Sprecherin der Stadt Bad Reichenhall an dieser Stelle der Unterführung die Bundesstraße 21 nicht überqueren.

Der Wasserstand in der Unterführung beträgt teilweise bis zu 40 cm Höhe. Für Radfahrer sei diese Tiefe „absolut nicht zu verantworten, da gegebenenfalls auch Kinder in das Gewässer einfahren könnten“, so Dennerl zu der Sperre neben dem Holzsteg. Eine technische Trennung zwischen Pferden und Radfahrern sehe man derzeit nicht, dies werde man aber gerne noch einmal prüfen. Eine entsprechende Anfrage durch BGLand24.de wurde dem zuständigen Sachbearbeiter weitergeleitet.

Zur Petition: Öffnung der Hauptstraßenunterführung (B21) Marzoll/Türk auch für Reiter

ce

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