„Hört uns endlich zu“

Leidenschaftlicher Kultur-Appell bei „5 vor 12“-Demo von Park-Kino-Besitzer Josef Loibl

Park-Kino-Betreiber Josef Loibl beim Anbringen eines „#LasstUnsÖffnen“-Plakates am Rathaus.
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Park-Kino-Betreiber Josef Loibl beim Anbringen eines „#LasstUnsÖffnen“-Plakates am Rathaus. Die „5 vor 12“-Demo gestern in Bad Reichenhall bildete die Schlussveranstaltung der bayernweiten Aktion. Loibl trat als Redner für die Kultur auf.

Es war ein leidenschaftlicher, emotionaler Appell, den Park-Kino-Besitzer Josef Loibl im Rahmen einer weiteren Montagsdemo „5 vor 12“ am Reichenhaller Rathausplatz für die Kultur hielt.

Bad Reichenhall - Tosender Applaus und ein gefühlt noch lauteres Topfschlagen der diesmal knapp über 100 Zuhörer, die trotz Regens gekommen waren, bestätigte den rührigen Cineasten. Einige suchten im Anschluss sogar noch das persönliche Gespräch – mit Maske und Abstand –, um Loibl und seinem Kompagnon Max Berger, der als Ordner fungiert hatte, Mut und Zuversicht auszusprechen.

Hört uns endlich zu“, rief Loibl ins Mikro. Denn, so sein zentraler Vorwurf: „Für die meisten Politiker ist unsere Branche, die Kultur, nicht existent“. Der heimische Kino-Betreiber nannte konkrete Zahlen: „Wir haben in der Kultur- und Kreativ-Wirtschaft 258.000 Unternehmen mit 1,8 Millionen Erwerbstätigen, die einen Jahresumsatz von 174 Milliarden Euro erwirtschaften. Wir sind damit eine der wichtigsten Branchen in diesem Land.“ Der Umsatzverlust durch die Maßnahmen der Regierung würden aktuell 98 Prozent bei den Konzert-Veranstaltern und 85 Prozent bei den „Darstellenden Künsten“ ausmachen.

„Die Entscheidungen der Politik sind ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich während der kurzen Öffnungsphase im Sommer 2020 um den Gesundheitsschutz ihrer Gäste kümmerten“, klagt Loibl weiter an. Er vermisse vor allem auch, dass sich Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, nicht um die Belange seines ihm zugewiesenen Ressorts kümmere. „Hier kommt gar nichts“. In Talkshows würden die Damen und Herren Politiker immer nur versichern, dass „sie uns verstehen – sie verstehen nichts“. Der Kino-Besitzer machte klar: „Kultur ist Nahrung für Körper, Geist und Seele, egal ob Jazz-Musik, Museum, Konzert oder Kino“. Die Branche brauche dringend Perspektiven und Hoffnungen. Denn das, was momentan passiere, sei laut Loibl „mut-, plan- und konzeptlos“.

Kurz sprach auch noch Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH in Freilassing: „Die Corona-Krise trifft vor allem die kleinen Betriebe, unseren Einzelhandel, das Handwerk, welches beispielsweise wiederum stark von der Hotellerie abhängig ist“. Das Wichtigste sei eine Perspektive, damit es schnellstmöglich zu einem „sicheren Öffnen“ komme.

Zum Treffen im Zentrum der Kurstadt hatte einmal mehr der Vorsitzende des Reichenhaller Unternehmerforums, Mike Rupin, eingeladen. Er stellte wiederholt klar, dass „letztlich wir die Wirtschaftshilfen mit unseren Steuern bezahlen, und in der weiteren Folge unsere Kinder und Kindeskinder.“ Ihnen dürfe nicht ein riesiger Schuldenberg hinterlassen werden, der vielleicht nie mehr abbezahlt werden könne. Die Reichenhaller Demo am gestrigen Montag war auch die Schlussveranstaltung der bayernweiten Aktion „#LasstUnsÖffnen“.

bit

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