Stadt kauft Anteile der zerfallenden BGLT

„Welt endet nicht am Hallthurm“: Wohin orientiert sich Reichenhall touristisch?

christoph lung reichenhall
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Der 30-jährige Christoph Lung ist der CSU-Kandidat für den Oberbürgermeister von Bad Reichenhall, Lung warf den Amtsinhaber Herbert Lackner Parteiintern aus dem Rennen.

Bad Reichenhall - Die Zukunft der touristischen Vermarktung im Landkreis ist momentan gänzlich offen - klar ist jetzt: Die Stadt Bad Reichenhall übernimmt alleinig die BGLT und sucht nach einem Kurs.

Die Stadt Bad Reichenhall übernimmt alle Anteile der zerfallenden „Berchtesgadener Land Tourismus GmbH“ (BGLT) und wird sich dadurch vorerst selbst touristisch vermarkten. Das beschloss der Stadtrat am Dienstag, 22. Dezember, mit nur einer Gegenstimme. Bisher gab es drei Gesellschafter an der BGLT: Neben dem „Duo“ Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain waren das die „Erlebnisregion BGL“, also die Gemeinden des Rupertiwinkels, und die „Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee“ (TRBK), die die Talkessel-Gemeinden vertritt und sich zuletzt von der BGLT trennte. Bad Reichenhall zahlt für die Anteile 18.700 Euro.


Stadt Bad Reichenhall übernimmt alle Anteile der BGLT

„Wir befinden uns in einer absurden Lage. Dass es zur Trennung kommt wollten wir niemals“, so Oberbürgermeister Christoph Lung in der Stadtratssitzung. Jetzt gebe es aber kein Zurück mehr. Eine gewisse Zusammenarbeit mit der TRBK im südlichen Landkreis müsse es aber auch in Zukunft geben, denn „die Welt endet nicht am Hallthurm“. Die Gäste sollten künftig nicht merken dürfen, dass es im Landkreis verschiedene Tourismusverbände gebe.


Den diplomatischen Ton des Oberbürgermeisters teilten nicht alle im Stadtrat. „Wir lassen uns wie so oft von den ‚Südstaaten‘ am Nasenring herumführen“, so Friedrich Hötzendorfer. Man dürfe sich vom Alleingang der TRBK jetzt nicht unter Zeitdruck versetzen lassen und müsse die künftigen Wege genau prüfen. Manfred Hofmeister appellierte, dass Bad Reichenhall künftig stärker mit den Rupertiwinkel-Gemeinden zusammenarbeiten solle: „Wir sollten sie nicht alleine stehen lassen. Jeder Gast im Rupertiwinkel ist ein potenzieller Gast Bad Reichenhalls. Und außerdem bilden wir ja gemeinsam mit Freilassing ein Oberzentrum.“

Wie vermarktet sich der Tourismus im BGL künftig?

Wie sich der nördliche Landkreis künftig touristisch vermarkten wird, ist derzeit aber völlig offen. Anger und Piding überlegen eine Zusammenarbeit mit der „Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee“. Sich näher an Bad Reichenhall und seine Dachmarke „Alpenstadt“ zu binden hätten die beiden Gemeinden abgelehnt, so Christoph Lung. In Saaldorf-Surheim, Freilassing oder Laufen will man sich selbst um seinen Tourismus kümmern - zumindest bis neue Kooperationen gefunden werden. Von Laufens Bürgermeister Hans Feil kam beispielsweise der konkrete Vorschlag, sich dem „Chiemgau-Tourismus“ des Landkreises Traunstein anzuschließen.

Dass die Gemeinden im Landkreis, die nicht der TRBK im Süden angehören, ihren Tourismus einfach weiterhin selbst über die BGLT vermarkten, ist nämlich ebenfalls nicht so einfach. Denn die TRBK besitzt sämtliche Markenrechte - nicht nur die Rechte auf ihre eigene Marke „mächtigstes Bergerlebnis“, sondern auch die der „Alpenstadt“ (Bad Reichenhall) oder der „Erlebnisregion“ (Rupertiwinkel). Sie wurde bisher als Sub-Marke von Berchtesgaden geführt. Die Trennung der TRBK von der BGLT erfolgt zum 1. Januar 2021. 23 Angestellte der bisherigen BGLT werden dann für die TRBK arbeiten, 13 verbleiben bei der BGLT.

xe

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