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Interview zu erstem Fazit und kommenden Herausforderungen

Reichenhalls OB Lung nach einem Jahr im Amt: „So gut wie nichts war normal“

Antrag im Rathaus Bad Reichenhall
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Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung (Fotomontage).

Seit gut einem Jahr ist Christoph Lung Oberbürgermeister von Bad Reichenhall. Wir haben mit ihm ein erstes Fazit gezogen und über die zurückliegenden und kommenden Herausforderungen gesprochen.

Sehr geehrter Herr Lung, Sie sind jetzt seit einem Jahr Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz nach einem Jahr aus?
Es war eine in jeder Hinsicht spannende Zeit, in der wegen Corona so gut wie nichts normal war. Persönlich bin ich mit dem ersten Amtsjahr zufrieden, die Aufgabe macht richtig Spaß und wir konnten einiges anschieben. Klar ist: Es gibt sehr viel zu tun, auch und gerade in der nächsten Zeit.
Noch immer ist die Politik und das öffentliche Leben durch Corona eingeschränkt. Sie selbst waren erst zwei Wochen in Quarantäne. Wie schwierig ist es, in dieser Zeit „normale“ Stadt-Politik zu betreiben?
Herausfordernd! Am meisten stört mich, dass der ungezwungene Kontakt im letzten Jahr nur sehr eingeschränkt möglich war. Allein, dass die Rathäuser aus Infektionsschutzgründen nur nach vorheriger Terminvereinbarung aufgesucht werden können, widerstrebt meiner Auffassung von bürgernaher Verwaltung. Diese Einschränkung ist wegen Corona aber leider noch nötig. Neben all den pandemiebedingten Herausforderungen „normale“ Stadtpolitik zu machen, hat im Ganzen aber gut funktioniert und es geht auch was weiter.
Wie sehr können Sie die Protestwelle verstehen, die über Wochen immer montags durch „ihre“ Stadt rollte? Und wie können Sie helfen?
Ich konnte und kann unsere Geschäftsleute, Wirte und Hoteliers gut verstehen, dass sie nach der so langen Zeit des Lockdowns und so vielen Einschränkungen endlich schrittweise zur Normalität zurückkehren wollen. Endlich sind konkrete Öffnungsschritte in Sicht und wir freuen uns, dass wir auch wieder Urlaubsgäste in unserer schönen Stadt begrüßen dürfen. Ich habe die ganze Zeit engen Kontakt zum Reichenhaller Unternehmerforum gehalten und auch bei der ein oder anderen Protestveranstaltung vorbeigeschaut. Helfen kann ich bei den Corona-Themen leider nur sehr eingeschränkt, indem ich die Pandemie-bedingten Anliegen an unsere Abgeordneten in Bund und Land weitergebe. Und was wir vor Ort lösen können, versuchen wir so unkompliziert wie möglich vor Ort zu regeln.
Der wohl größte Punkt in Ihrer bisherigen Amtszeit war der Austritt der „Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee“ und somit auch der übrigen Gemeinden aus der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH. Sie ist jetzt allein für Bad Reichenhall und Bayerisch Gmain zuständig. Die Umstrukturierung steht erst am Anfang. Wie geht es weiter, auch im Hinblick auf den Antrag im Stadtrat, Synergieeffekte mit der Kur GmbH zu finden?
Es ist kein Geheimnis, dass ich immer ein Anhänger einer landkreisweit einheitlichen touristischen Vermarktung war. Von demher habe ich mich um dieses Trennungsthema nicht beworben, wurde aber gewissermaßen von den Versäumnissen der Vergangenheit eingeholt. Wir mussten unter großem Zeitdruck die BGLT auftrennen und haben versucht, daraus das Beste zu machen. Immerhin haben wir es jetzt mit der Bad Reichenhall Tourismus und Stadtmarketing allein in der Hand, uns am touristischen Markt zu präsentieren. Wichtig war mir dabei aber, dass wir die inhaltlichen Ergebnisse des Markenprozesses nicht über Bord werfen und auch weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Bergerlebnis Berchtesgaden achten. Dem Gast ist es nämlich völlig egal, wer hinter der jeweiligen Tourismusorganisation steckt: Der Gast will seine Zeit bei uns genießen und wird natürlich auch mal nach Salzburg fahren – und genauso auch nach Berchtesgaden. Insofern ist es unsere Aufgabe, die vielen Möglichkeiten der Region optimal darzustellen. Und natürlich werden wir parallel auch versuchen, eine sinnvolle Aufstellung für die Zukunft zu finden, die möglichst effizient ist. Der Überprüfungsprozess wird ergebnisoffen zu führen sein und da machen wir uns demnächst auf den Weg.
Vor allem in die Bildung bzw. die Schulen und Kindergärten in Bad Reichenhall wird fleißig investiert. Sind diese Maßnahmen ausreichend, um den demographischen Wandel entgegen zu treten und für die Zukunft gut aufgestellt zu sein?
Wir investieren in der Tat ganz massiv in Bildung und Betreuung. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies richtig ist. Kinder sind unsere Zukunft und da haben wir eine große Verantwortung, das bestmögliche Bildungsangebot zu bieten. Neben der Grundschule an der Heilingbrunnerstraße erweitern wir derzeit auch den Kindergarten am Leitererweg und den Naturkindergarten Rumpelwichte in Marzoll. Hinzu kommt ein wahres Mega-Projekt, mit dem wir noch in den Startlöchern stehen: Die Erweiterung der Mittelschule und den Neubau der Grundschule Sankt Zeno. Um die langfristige Entwicklung zu begleiten, haben wir eine eigene Sozialraumanalyse beauftragt, die uns auch interessante Erkenntnisse geliefert hat.
Welche Projekte liegen Ihnen in Ihrer Stadt am meisten am Herzen? Und welche können Sie davon zeitnah umsetzen?
Bildung haben wir erörtert, insofern möchte ich exemplarisch drei ganz unterschiedliche Themengebiete nennen, die uns aber alle herausfordern werden .Derzeit treibt mich insbesondere die weitere Entwicklung der Innenstadt nach Corona um. Wir müssen es schaffen, dass insbesondere der Bereich der Fußgängerzone eine hochattraktive Begegnungszone bleibt. Da wird uns das neue Luisenbad sicherlich sehr gut tun, der Hofwirt wird ein weiterer Baustein zur Innenstadtbelebung und ich hoffe sehr, dass wir auch beim Axelmannstein bald nächste Entwicklungsschritte sehen. Ich bin außerdem sehr gespannt, welche Geschäftsideen unser Ideenwettbewerb hervorbringt: Kreative Gründerkonzepte zu verwirklichen bringt neue Ladengeschäfte und macht unsere Innenstadt noch interessanter.
Zweitens nenne ich das Thema Wohnungsbau. Wir wissen aus vielen Studien, aber auch aus eigenem Erleben, dass Wohnen ein zentrales Zukunftsthema ist. Gerade viele junge Familien suchen nach einem Eigenheim, finden aber nichts oder jedenfalls nichts Bezahlbares. Wohnen ist dabei ein überaus wichtiges Thema für alle Generationen, mit jeweils unterschiedlichen Bedürfnissen. Derzeit sind insbesondere private Bauträger am Markt aktiv, die entsprechend wirtschaftlich ausgerichtet sind. Ich meine, dass wir ergänzend auch von Seiten der Stadt künftig stärker tätig werden müssen.
Drittens nenne ich das Thema Nachhaltigkeit und Regionalität. Die Stadt Bad Reichenhall lebt auch von der einmaligen Umgebung und dies bringt eine besondere Verantwortung für unsere natürlichen Lebensgrundlagen mit sich. Nur wenn es uns gelingt, Ökonomie und Ökologie in ein vernünftiges Verhältnis zu setzen, können wir diese natürlichen Lebensgrundlagen auch langfristig sichern. Insofern werden wir uns künftig stärker damit befassen müssen, wie wir am besten nachhaltig wirtschaften – das ist ein Querschnittsthema, das von der regionalen Energieerzeugung bis hin zum fairen Handel reicht und künftig verstärkt unser Augenmerk verlangt. 
Sie sind der jüngste Bürgermeister im Landkreis. Wie läuft der Austausch mit den anderen Bürgermeistern? Bringen Sie frischen Wind in vielleicht veraltete Ansichten oder können Sie von den „altgedienten“ Bürgermeistern lernen?
Wir haben ein sehr gutes Miteinander unter den Landkreisbürgermeistern, wir pflegen da einen wirklich guten Austausch, der uns gegenseitig weiterbringt. Natürlich lerne ich da auch dazu und nehme die ein oder andere Anregung mit. Veraltete Ansichten habe ich bei den Kollegen wirklich nicht entdecken können. Im Gegenteil: Alle setzen sich mit Leidenschaft und Engagement für ihre jeweilige Kommune ein, das ist unsere Gemeinsamkeit und die wollen wir auch künftig pflegen. 
Herr Lung, wir danken für das Gespräch.

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