Bad Reichenhaller Lungenfacharzt klärt auf

Trotz hoher Corona-Zahlen kaum Kranke, Intensiv-Patienten und Verstorbene - woran liegt‘s?

Dr. Christian Geltner ist Chefarzt an der Kreisklinik Bad Reichenhall in der Abteilung für Pneumologie und Beatmungsmedizin.
+
Dr. Christian Geltner ist Chefarzt an der Kreisklinik Bad Reichenhall in der Abteilung für Pneumologie und Beatmungsmedizin.

Bad Reichenhall - In der ganzen Region vom Königssee bis Rosenheim gibt es derzeit keinen Patienten, der aufgrund einer Covid-19-Erkrankung intensivmedizinisch behandelt werden muss. Gleichzeitig steigen die Fallzahlen der Erkrankten deutschlandweit aber stark an. BGLand24.de hat bei Pneumologe Dr. Christian Geltner nachgefragt, warum das so ist.

„Wir haben derzeit in der Kreisklinik Bad Reichenhall keine Covid-19-Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden. Stationär sind es schon ein paar.“ Dr. Christian Geltner, der Chefarzt der Pneumologie in der Kreisklinik Bad Reichenhall zeichnet somit ein Bild, dass es derzeit in fast allen bayerischen Krankenhäusern gibt. Gleichzeitig zwingen aber hohe Corona-Fallzahlen die Landratsämter in der Region zum Handeln. Ein Widerspruch, der vor allem eine Frage aufwirft: Warum braucht es jetzt so wenige Intensivplätze, die noch im Frühjahr Mangelware waren?


Viele Corona-Tests und medizinische Vorerfahrung: gibt es deshalb weniger Intensivpatienten?

Für Geltner ist das vor allem darauf zurückzuführen, dass viele gesunde, asympthomatische Patienten getestet würden. „Die hat es im Frühjahr sicher auch gegeben, aber da wurde erst sehr spät getestet.“ Demnach hätten die Fallzahlen im Frühjahr deutlich höher sein müssen als jetzt und es fällt schwer einen Vergleich zu ziehen. „Es gibt einfach weniger Kranke“, ist sich der Pneumologe sicher. „Maskenpflicht und Abstandsregel haben positive Auswirkungen auf die Gesundheit.“


Die Corona-Fallzahlen für Stadt und Landkreis Rosenheim von April bis September.

Für die Theorie, dass sich der Coronavirus gewandelt hätte, gebe es keine realistischen Zahlen, aber man habe seit März ganz viel über die Behandlung von Covid-19-Patienten gelernt. „Wir haben jetzt eine medizinische Vorerfahrung und wissen, wann man den Patienten wie viel Sauerstoff geben, wann man sie beatmen muss und welche Medikamente man nicht nehmen sollte.“

Darum viel Corona in Rosenheim: „Da geistern noch viele Viren rum“

Gleichzeitig gibt es mit Remdesivir mittlerweile das erste Medikament, das für die Behandlung von Covid-19 freigegeben wurde. „Das ist ein Virostatikum, das es schon länger gibt und aus der SARS-Entwicklung kommt“, ist Christian Geltner von der Wirkung überzeugt. Denn auch er kann bestätigen, dass seit Juni nur noch vereinzelt Patienten in Zusammenhang mit Covid-19 verstorben sind. Im Landkreis Traunstein ist beispielsweise seit 22. Juni niemand mehr in Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Warum ausgerechnet in Rosenheim die Zahlen immer wieder so durch die Decke gehen, weiß auch der Chefarzt der Bad Reichenhaller Pneumologie nicht. Er ist sich aber sicher, dass es noch mit den hohen Infektionen im März/April zusammenhängt. „Da geistern noch viele Viren rum, die sich jetzt wieder aufwärmen.“

Trotzdem geht Dr. Christian Geltner nicht davon aus, dass uns die scheinbar derzeit aufkommende zweite Welle so massiv erwischt wie noch im Frühjahr. „Die starken Maßnahmen im April/Mai haben gewirkt. Jetzt findet man die so genannten Cluster früher und kann mit Begrenzungen reagieren.“ Für den Pneumologen ist in diesem Zusammenhang vor allem wichtig, wie viele Kranke auch im Krankenhaus behandelt werden müssen. Diese Zahlen seien aus seiner Sicht entscheidend.

cz

Kommentare