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Zu Besuch beim Liedermacher in Bad Reichenhall

„Ich stehe in den Startlöchern“ - Geplante Cannabis-Legalisierung: Söllners Ziel erreicht?

Hans Söllner Bad Reichenhall Cannabis Hanf Marihuana Legalisierung
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Hans Söllner in seinem Haus in Marzoll bei Bad Reichenhall. Für den Liedermacher könnte mit der Cannabis-Legalisierung durch die Bundesregierung ein lange verfolgtes Ziel erreicht werden: „Ich hoffe nur, dass es kein Staatsmonopol gibt.“

Die neue Bundesregierung plant die Legalisierung von Cannabis - geht damit Hans Söllners Traum in Erfüllung? Wir haben den Liedermacher daheim in Bad Reichenhall besucht. Auch wenn er zu gern ins Geschäft einsteigen würde, so ganz traut er dem Braten noch nicht.

Bad Reichenhall - Die Hühner sausen durch den Garten, der Holzofen bollert und daneben wärmt sich Hans Söllner an einer Tasse Tee. Das Häuschen im Reichenhaller Ortsteil Marzoll ist klein und bescheiden, Auftritte spielt er momentan keine, aber er wirkt zufrieden. „Hanf ist ein Teil von Freiheit“, schwärmt Hans Söllner beim Besuch von BGLand24.de, „und es ist sicher besser dazu geeignet, seinen eigenen Weg zu finden, als durch Alkohol. Nicht nur für mich, auch für die Allgemeinheit“. Und geht es nach der neuen Bundesregierung, soll eben jene „Allgemeinheit“ auch bald die Möglichkeit dazu haben. Die Cannabis-Legalisierung steht im Koalitionsvertrag.

Söllner zur Cannabis-Legalisierung: „Normaler Umgang nur über Legalität möglich“

67 Jahre alt ist Söllner inzwischen. Den ersten Joint rauchte er mit 26. Seitdem wurde er nicht nur durch seine Lieder bekannt, sondern auch, weil er mit seiner aufmüpfigen Art selten vor Behörden oder Gerichten zurückschreckte. Im Jahr 2000 scheiterte er vor dem Bundesverwaltungsgericht, als Anhänger des Rastafari-Glaubens legal Marihuana zu konsumieren. „Ich glaube, dass ich zumindest dazu beigetragen habe, dass mehr über Cannabis geredet wird, über die Vor- und Nachteile und dass alles ein bisschen lockerer gesehen wird.“

Einstiegsdroge, drohende Psychosen, Suchtpotenzial - Söllner kennt all die Argumente, die gegen eine Legalisierung ins Feld geführt werden. „Aber das alles trifft auch auf alle anderen Drogen oder auf Medikamente zu“, so der Bad Reichenhaller. Tabak oder Alkohol seien Einstiegsdrogen, Hanf alleine aber nicht. „Einen normalen Umgang mit Cannabis können wir nur über die Legalität lernen.“ Jeder solle selbst darüber entscheiden dürfen und schließlich könne man betrunken genauso „Scheiße bauen“ wie bekifft. Jobverlust, Hausdurchsuchungen, Haarproben, Stress mit der Familie - all jene Probleme für „kleine Konsumenten“ könnten dann Geschichte sein.

Hans Söllner: „Mit Bier kann ich nicht umgehen“

Hans Söllner selbst raucht wenn dann nur noch Marihuana pur, dem Tabak hat er vor über 20 Jahren abgeschworen („es war eine gnadenlose Sucht“): Mal mittags zwei Züge, dann vielleicht abends zwei Züge, dann mal wochenlang wieder gar nichts. „Ich rauche nicht, wenn es mir schlecht geht oder um Probleme zu vergessen“, betont er. Ihm helfe der Joint bei der Kreativität: „Hanf ist ein Lebensmittel. Es erinnert mich ans Weiterkommen, ans Wachsen oder auch daran, dass alles einmal vorbei ist.“ Mit dem Alkohol hat es Söllner dagegen nicht so: Ja, manchmal ein Achterl Wein, „aber mit Bier kann ich nicht umgehen. Nach dem dritten geht‘s mir schlecht, das will ich nicht“.

Mehr als eine Absichtserklärung gibt es von der Berliner Regierungskoalition bisher nicht. Die Legalisierung könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Wer darf wie viel „Gras“ besitzen? Wer darf anbauen? Wer wickelt den Verkauf ab? Die Details sind noch völlig unklar. „Ich hoffe nur, dass es kein Staatsmonopol gibt. Dass einem vorgeschrieben wird, was gekauft werden muss. Dann könnte wieder ein Schwarzmarkt entstehen“, so Söllner. Wenn es nach ihm geht, soll ein Wettbewerb entstehen, mit vielen, kleinen (Hanf-)Bauern, „ähnlich wie bei den Winzern mit dem Wein, wo man sich durchprobieren kann, was es alles gibt“.

Selbst in den Cannabis-Markt einsteigen? Söllners GmbH bereits gegründet

Und in diesem Wettbewerb will Hans Söllner selbst auch mitmischen. „Ich stehe schon in den Startlöchern“, so der Liedermacher. Vor einem halben Jahr hat er eine GmbH gegründet und vertreibt jetzt unter seinem Namen sogenannte CBD-Produkte mit dem Wirkstoff Cannabidiol, der aus Hanf gewonnen wird. Da gibt es zum Beispiel das „Edeltraut Extrakt“ zur „Pflege des Mundraums“ - zehn Milliliter für knapp 50 Euro. Aber dabei soll es nicht bleiben. Fall die Regierung es zulässt, will Söllner selbst anbauen und sein „Gras“ verkaufen: „Ich will keine Millionen, aber die Leute sollen sagen können, ‚das ist vom Hans, das ist was Gutes‘.“

xe

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