Am Montag ab 17 Uhr

„Familien sind am Limit“: Eltern demonstrieren am Rathausplatz in Bad Reichenhall

Symbolbild: Schule in Corona-Zeiten.
+
Derzeit sind die Klassenräume in den Schulen leer, am 25. Januar wird dagegen allerdings in Bad Reichenhall demonstriert.

Mit der Demonstration am Rathausplatz fordern Eltern aus dem Berchtesgadener Land am Montag (25. Januar) ab 17 Uhr die Rückkehr in den Wechselunterricht ab 1. Februar und verbindlichen Präsenzunterricht ab 8. Februar, sowie die Öffnung der Kitas.

Die Mitteilung im Wortlaut:


Bad Reichenhall - Das Berchtesgadener Land befindet sich nun bereits seit drei Monaten im Lockdown. Die Weihnachtsferien wurden deutschlandweit vorgezogen. Dennoch dürfen unsere Kinder auch im Januar nicht zur Schule gehen. Auch die KITAS bleiben geschlossen. In Schule und KITA gibt es nur Notbetrieb für Familien, die dringenden Bedarf haben.

Eine Studie der Universität Cambridge ermittelte nach dem Lockdown zu Beginn des letzten Jahres einen Anstieg depressiver Verstimmungen bereits im Kindesalter. 98 Prozent der Kinderärzte beobachten vermehrt psychische Probleme beim Nachwuchs. Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Bettnässen und Antriebslosigkeit. Bei Jugendlichen zeigt sich teilweise exzessiver Medienkonsum und eine Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus hinzu.


Experten aus Medizin und Pädagogik verweisen seit Monaten auf diese besorgniserregenden Tatsachen, aber die Politik ist nicht bereit hier nachzubessern und verantwortungsbewusst zu handeln. Schutz der Risikogruppen vor Corona ist richtig und wichtig, dennoch muss hier gesamtgesellschaftlich gehandelt werden. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Deshalb fordern wir: Schulstart mit Wechselunterricht zum 1. Februar, Präsenzunterricht für alle ab dem 8. Februar. Die Zeit des Hinhaltens muss ein Ende haben.

Julia Schmied, Sozialarbeiterin und Mutter von 3 Kindern:
„Schule ist nicht nur Ort des Lernens, sondern auch für soziale Kontakte und ein Miteinander. Auch die besten Eltern können den Kontakt zu Gleichaltrigen nicht ersetzen. Gerade in der Grundschule sind LehrerInnen wichtige Bezugspersonen, Kinder lernen im Austausch mit diesen und durch die Dynamik in der Klasse. Als Sozialarbeiterin sehe ich auch die Gefahr für Kinder aus problembehafteten Familien, die ohne Besuch von Schule und Kita ihren sicheren Hafen verloren haben. Körperliche Gewalt haben in der Pandemie zugenommen. Verlust des Arbeitsplatzes, Angst, finanzielle Sorgen, Depression und Quarantäne sind häufige Ursachen von Gewaltgegenüber Kindern. 9,2 Prozent der Kinder unter zehn Jahren wurden Opfer häuslicher Gewalt im ersten Lockdown, so eine Studie der TU München. Hier muss sofort gehandelt werden und der Staat seinen Aufgaben nachkommen, Kinder haben ein Recht auf den Schulbesuch.“

Anja Haberstroh, Dipl. Soz. Pädagogin, systemische Familientherapeutin und Mutter von drei Kindern (9, 12 und 14 Jahre) betont:
„Ich wünsche mir, dass die ganze Energie, die jetzt in den Ausbau vom Homeschooling gesteckt wird, in die Organisation und Strukturierung von Präsenzunterricht investiert wird. Für mich ist die reine Wissensvermittlung nicht das Wichtigste. Es geht um die psychosoziale Entwicklung unserer Kinder und die Situation unserer Familien. Wissenserwerb kann nachgeholt werden, Störungen in psychosozialen Bereichen sind nicht so leicht wieder zu regulieren. Inzwischen haben die Kinder teilweise sechs Stunden am Stück Videokonferenzen, was für ihre Haltung, die Augen und die Entwicklung Ihres Gehirns äußerst schlecht ist. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen! Homeschooling ist für die Kinder, wenn Sie es ernst nehmen, anstrengender als Präsenzunterricht. Daher wünsche ich mir auch dieses Jahr Faschingsferien für unsere Kinder.“

Christian Foitzik (Rechtsanwalt in der Stadt Reichenhall und Vater von 3 schulpflichtigen Karlsgymnasium-Kindern) liest am 23. Januar auf n-tv.de ein Interview des neuen CDU – Vorsitzenden Laschet , der sagt: „Gesundheit ist wichtiger als Bildung“. Aber ohne Bildung ist keine Gesundheitsvorsorge möglich und Bildung funktioniert nur mit Präsenzunterricht. Das haben die letzten elf Monate gezeigt. Die bayerischen Schulen weisen nicht die Infrastruktur für einen geregelten Präsenzunterricht auf. Am 20. Januar liest Christian Foitzik auf der Internetseite der WHO: https://www.who.int/news/item/20-01-2021-who-information-notice-for-ivd-users-2020-05, dass PCR-Tests zum Nachweis einer Infektion mit dem „neuartigen SARS CoV-2“ überhaupt nicht unbesehen geeignet sind, eine Infektion zu erkennen. So ist die Meinung von Herrn Foitzik, dass bei der Kollision der Grundrechte Bildung und Gesundheit, keines von beiden zurücktreten darf.

Manon Foitzik, Mutter von 3 Kindern und Ergotherapeutin, gibt aus 15 Jahren selbständiger Therapietätigkeit von entwicklungsverzögerten, verhaltensauffälligen und lerngeschwächten Kindern, folgende Erfahrungen weiter:
„Schule und Kindergarten sind für die Entwicklung der Wahrnehmung, somit unter anderem für die kognitiven Fähigkeiten (Ausdauer, Konzentration, Aufmerksamkeit Arbeitstempo), die Lernfähigkeit, das Sozialverhalten, für die Psyche unserer Kinder von erheblicher Bedeutung. Unsere Wahrnehmung entwickelt sich v.a. in den ersten Lebensjahren. In dieser Zeit saugen unsere Kinder alle Reize, die sie erhalten, wie einen Schwamm auf. Unsere Wahrnehmungsentwicklung erfolgt unser Leben lang, jedoch umso älter wir werden, desto langsamer können wir unsere Sinne schulen und daher auch um so schwieriger lernen. Deshalb ist die Zeit der Entwicklung und des raschen Lernens unserer Kinder im Kindergarten- und Schulalter unwiederbringbar. Unsere Wahrnehmung, kann man sich so wie einen Hausbau vorstellen. Die Basiswahrnehmung ist wie das Fundament, der Keller eines Hauses. Ist dieser nicht solide gebaut, so wissen wir alle, wie schwer es ist, einen undichten oder feuchten Keller zu sanieren. Ebenso verhält es sich mit Versäumnissen in der Entwicklung und somit auch der Bildung unserer Kinder.“

Sepp Dorfhuber, Schreinermeister und Vater von 2 Kindern formuliert es drastischer:
„Appell an den gesunden Menschen-Verstand: Sollen Kinder den Preis bezahlen für die unverhältnismäßigen Maßnahmen, die Erwachsene verzapfen? Abgesehen von umstrittenen Maskenpflichten für Kinder, „Stundenlanges“ Stoßlüften etc. bekommen sie nur Verbote, nicht nachvollziehbare Maßnahmen vorgesetzt. Und wenn sie unangenehme Fragen stellen werden sie Mundtot gemacht und auf die Seite geschubst. Kinder sind alles andere wie blöd und lassen sich diese Idiotie nicht mehr gefallen. Sie wollen in die Schule, vernünftig lernen und aktiv sein. Alles andere zieht sie herunter, macht sie krank und depressiv. SCHULE AUF!

Auch Hubert Eder, Vater von 2 Kindern wünscht sich eine Öffnung der Schulen: „ Bei uns können die Kinder viel hinaus. Aber die sozialen Kontakte in der Schulen fehlen den Kindern sehr, sie brauchen Ihre gleichaltrigen Freunde.“

Pressemitteilung Julia Schmied

Kommentare