Experte berichtet über Trends in unserer Region

Corona und der Immobilienmarkt: Zwar kein Preisverfall, aber...

Die Corona-Pandemie hat sich auf den Immobilienmarkt ausgewirkt, berichtet Prof. Dr. Stephan Kippes vom IVD Institut - Gesellschaft für Immobilienmarktforschung und Berufsbildung mbH in München. Allerdings nicht durch einen Preisverfall, sondern durch neue Trends bei der Nachfrage.
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Die Corona-Pandemie hat sich auf den Immobilienmarkt ausgewirkt, berichtet Prof. Dr. Stephan Kippes vom IVD Institut - Gesellschaft für Immobilienmarktforschung und Berufsbildung mbH in München. Allerdings nicht durch einen Preisverfall, sondern durch neue Trends bei der Nachfrage.

Bad Reichenhall/Südostoberbayern - Die Corona-Pandemie hat sich auf den Immobilienmarkt ausgewirkt. Allerdings nicht beim Preis, sondern bei dem, was nachgefragt ist, wie uns ein Experte berichtet.

„Die Aufwärtsentwicklung der Preise ist, wenn auch vielleicht etwas gedämpft, weitergegangen. Die ganze Zeit über schon war die Zahl von Objekten im Angebot auch deutlich zurückgegangen“, berichtet Prof. Dr. Stephan Kippes vom IVD Institut - Gesellschaft für Immobilienmarktforschung und Berufsbildung mbH in München gegenüber bgland24.de. Anfang des Jahres hatten deutschlandweit viele noch mit sinkenden Preisen berichtet, was jedoch nicht eintrat, wie auch die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.


Schaut man sich die Preisentwicklung in ausgewählten Städten der Region an, bestätigt sich das auch. Beispielsweise in Bad Reichenhall stieg der Preis eines Einfamilienhauses von 450.000 auf 530.000 Euro an. In Rosenheim wiederum erhöhte sich der Quadratmeterpreis für Wohnungen sogar von 2390 auf 4000 Euro.

Kein Preisverfall aber neue Anforderungen an Immobilien auch in der Region durch Corona-Pandemie


„Es gibt aber nun neue Trends auf dem Markt“, so Kippes weiter. „Wohnungen mit Balkon oder Garten in irgendeiner Form sind nun sehr viel stärker nachgefragt als zuvor.“ Eine eigene Außenfläche, beispielsweise zum Grillen oder Feiern, sei wegen der Verlagerung vieler Freizeitaktivitäten nach Hause in der Pandemie wichtiger geworden. „Dagegen Wohnungen die so etwas nicht bieten können sind deutlich weniger gefragt.“

Die Preisentwicklung bei Einfamilienhäusern in Bad Reichenhall, Altöting, Mühldorf und Rosenheim.

Vor allem aber das Home Office-Arbeiten vieler Arbeitnehmer habe sich stark ausgewirkt. „Da ist zum einen der Pendelradius zum Arbeitsplatz“, führt Kippes aus. Zwar sind immer noch vor allem Immobilien im Umland von Metropolen wie beispielsweise München gefragt. Beispielsweise im Raum Altötting und Mühldorf sorgte die Eröffnung des A94-Neubauabschnitts, wie erwartet, weiter für Anstiege. „Aber selbst wenn beispielsweise nun noch zweimal, statt wie bisher fünfmal die Woche ins Büro muss, nimmt man auf einmal sehr viel größere Radien in Kauf“, merkt Kippes an.

Die Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen in Bad Reichenhall, Altöting, Mühldorf und Rosenheim.

„Vor allem aber haben sich durch die Ausbreitung des Home Office neue Anforderungen an Wohnungen ergeben.“ Es müsse nicht unbedingt ein zusätzliches Zimmer als Büro daheim sein. „Aber zumindest eine Nische oder genügend Platz im Wohnzimmer, damit man einen Teil für den Heimarbeitsplatz abzweigen kann, ist zunehmend ein Auswahlkriterium.“ Auch, ob ein leistungsfähiger Internetanschluss am Wohnort vorhanden ist, sei wichtiger geworden. Dies hatte kürzlich auch der Verband der Bayerischen Wirtschaft (vbw) berichtet.

Kein Aus für das klassische Büro

Bedeutet der Trend zur Heimarbeit ein Aus für das klassische Büro? „Kurzfristig ist das erstmal unwahrscheinlich, da viele Mietverträge für lange Jahre abgeschlossen sind“, so Kippes. Auch die dpa berichtet, dass Unternehmen seit dem Frühjahr zwar wesentlich weniger neue Büros angemietet als vor der Pandemie, doch einen flächendeckenden Trend zur Kündigung von Büromietverträgen gibt es bisher nicht. „Allerdings könnten langfristig manche Unternehmen, bei denen das auch zum Firmenmodell passt, Geschmack daran finden, weniger Kosten für die Anmietung von Bürofläche zu haben.“

Die Preisentwicklung bei Mietwohnungen in Bad Reichenhall, Altöting, Mühldorf und Rosenheim.

„Zusammenfassend kann man also sagen: Einen Preisverfall gab es nicht, aber die Corona-Pandemie hatte definitiv bei der Art der nachgefragten Immobilien eine erhebliche Auswirkung“, resümiert Kippes.

hs

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