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„Mehr Chili“ für die Innenstadt

Einzelhandel in Bad Reichenhall: Leere Geschäfte aber viel Potenzial?

CIMA Innenstadt Bad Reichenhall Einzelhandel Wettbewerbsfähigkeit Schögl Lung
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Weniger „königlich-bayerisches Amtsgericht“ und mehr „Babylon-Berlin“. So fasst Roland Murauer, Projektleiter von CIMA, seine Empfehlungen für die Stadt Bad Reichenhall zusammen.

Wie steht es um den Einzelhandelsstandort Innenstadt Bad Reichenhall? Eine Analyse zeigt: Der Standort ist wettbewerbsfähig und birgt Potenzial. Doch am Horizont ziehen Gewitterwolken auf.

  • Das Stadtmarketing Bad Reichenhall hat eine Kaufkraftstrom- und Einzelhandelsstrukturanalyse für die Innenstadt Bad Reichenhall durchführen lassen.
  • Die Ergebnisse zeigen: Der Einzelhandel ist wettbewerbsfähig und hat viele Stammkunden.
  • Die Stadt hat aber auch viele Leerstände vorzuweisen und Marktanteile verloren - vor allem an den Onlinehandel.

Bad Reichenhall - Weniger „königlich-bayerisches Amtsgericht“ und mehr „Babylon-Berlin“. So fasst Roland Murauer seine Empfehlungen für die Stadt Bad Reichenhall zusammen. Der Einzelhandel in der Innenstadt steht nicht schlecht da, doch es müsse mehr „Pfeffer oder sogar Chili rein“. Denn: rund zwei Drittel des Angebots sind austauschbar. „Das findet der Tourist auch in seiner Heimat.“ Im Zugzwang sieht Murauer nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Politik, das Stadtmarketing und die Immobilienbesitzer.

CIMA-Erhebung: Kaufkraft- und Einzelhandelsstrukturanalyse

Murauer ist Projektleiter von CIMA und hat im Auftrag der Stadt die Kaufkraft, den Einzelhandel und die Wettbewerbsfähigkeit der Innenstadt Bad Reichenhall untersucht. Rund 2.700 durchgeführte Interviews sowie die Befragung von hunderten Unternehmen in der Stadt zeigen: Bad Reichenhall steht nicht schlecht da. Doch es ziehen „Gewitterwolken“ am Himmel auf.

Bad Reichenhaller - treue Kunden der Innenstadt

Die Einzelhändler in der Stadt haben sich einen treuen Kundenstamm aufgebaut. Rund 84 Prozent der eigenen Bevölkerung kauft Waren des täglichen Bedarfs in Bad Reichenhall. Langfristige Bedarfsgüter werden zu etwa zwei Dritteln außerhalb der Stadt gekauft. Es gebe keine großen Baufachmärkte oder Elektroanbieter in Bad Reichenhall, so Murauer.

Stadt verliert Marktanteile an Onlinehandel

Man habe deutlich Marktanteile verloren. Die Stadt schöpfe gerade einmal 30 Prozent der möglichen Kaufkraft im Einzugsgebiet ab. 2005 waren es noch 50 Prozent. Doch die Kunden wandern nicht etwa in den Europark in Salzburg ab. Größter Konkurrent mit 9,3 Millionen Euro im Jahr 2020: der Onlinehandel. „Das sehen wir eigentlich europaweit.“ 34,6 Millionen Euro flossen 2020 insgesamt an Kaufkraft ab. Profitiert haben davon neben dem Onlinehandel, und die Orte Salzburg (7,7 Millionen Euro) , Piding (6,8 Mio.), Freilassing (4,7 Mio.) und Traunstein (2,8 Mio.). Auch der Tourismus in der Kurstadt hat an Umsätzen verloren. Dennoch sei die Stadt im Vergleich zu anderen Kurorten noch ein „Top-Performer“.

Auch interessant: Stadtmarketing-Chefin: „Mit einer verlängerten Sperrstunde können wir die Innenstädte nicht retten“ (Plus-Artikel BGLand24.de)

Die Geschäfte in der Innenstadt sind produktiver geworden. Im Vergleich zu 2005 gibt es rund 1500 m² weniger Fläche, dafür einen höheren Umsatz. Hier seien etwa 20 Betriebe vom Mark bereinigt worden.

Viele Leerstände in der Innenstadt

Eine Gewitterwolke am Himmel betrifft die Leerstände in der Stadt. Derzeit seien es 47 Einheiten in der Innenstadt. Die hohe Zahl lege nicht an Corona, so Murauer. 34 davon seien Einzelhandelsflächen, der Rest vor allem Gastronomie und Dienstleistung. Damit stehen mit 2.800 m² rund 12 Prozent aller Einzelhandelsflächen in der Innenstadt leer. Ab zehn Prozent Leerständen „fängt das Lämpchen zum orange Leuchten an. Das heißt, man muss was machen“, so Murauer.

Überraschend hoch hingegen ist die Wettbewerbsfähigkeit des Handels. Fast drei Viertel der Betriebe stehen gut bis sehr gut da. Circa 15 bis 16 Betriebe befinden sich hingegen in der „Todeszone“. „Die werden aus unserer Sicht in den nächsten eineinhalb Jahren ihre Pforten schließen müssen.“

Zu hohe Mieten im Einzelhandel?

28 Prozent der Innenstadthandelsbetriebe zahlen mehr Miete als der Durchschnitt. Hier müsse man den Vermietern aufzeigen, dass dies derzeit nicht zu erwirtschaften sei. Stadtmarketingchefin Dr. Brigitte Schlögl zeigt sich überrascht. Sie habe mit einem größeren Anteil an „zu hohen“ Mieten gerechnet.

Und wo fahren die Konsumenten am liebsten in der Region zum Einkaufen? Nach dem Europark folgt auf Platz zwei mit der Stadt Salzburg gleich Bad Reichenhall. Erst danach kommen Rosenheim, Traunstein, Freilassing und Berchtesgaden.

Digitalisierung und Kampf gegen Leerstände

Doch wo muss jetzt die Stadt ansetzen, um den drohenden Gewitterwolken entgegenzusetzen? Zum einen „mehr Chili“ bei den Unternehmen. Der Betreiber muss stärker in den Mittelpunkt und es braucht nicht den hundertsten Friseur, sondern etwas Neues. Aber auch die Politik muss reagieren: „Sie können das beste Stadtmarketing haben, aber wenn man nicht weiß wohin die Reise geht, dann können Sie die Leistung nicht erwarten“, so Murauer. Deswegen müsse die Stadt eine Standortstrategie bestimmen.

Und die Händler selbst? Viele haben zwar eine Homepage, aber die Qualität würde nicht stimmen. Von Social Media Marketing seien die meisten auch noch sehr weit entfernt. An der „digitalen Basiskompetenz“ müsse man ansetzen, so Murauer. Bei den Leerflächenbesitzern sind gezielte Beratungsangebote nötig. Derzeit seien einige Leerflächen in einem Zustand, „dass die Gebirgsjäger hier Kampfübungen durchführen können“.

Die CIMA-Analyse wurde im Rahmen des Gründerwettbewerbs „sei mutig“ durchgeführt. Stadtmarktingchefin Dr. Brigitte Schlögl wünscht sich für die Stadt mehr Abwechslung und „Pep“ bei den Bewerbern. Die Frist wurde bis 20. Dezember verlängert.

ce

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