Lesefreude und Austausch

So funktioniert das neue Bücher-Kastl in Karlstein

Die gute Freundin und Autorin Daniela Brotsack freut sich über das kostenfreie Angebot, neue Werke kennenzulernen.
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Evelyn Tauber (links) aus Karlstein mit ihrem Bücher-Kastl.

Bad Reichenhall - Die Idee hatte sie schon vor Corona. Die durch die Krise „gewonnene“ Zeit nutzte Evelyn Tauber nun, sie auch umzusetzen: Ein Bücher-Kastl für alle.

Angebracht an ihrem Haus in Karlstein, Sonnenstraße 1. Das Prinzip beinhaltet zwei Möglichkeiten: Ein Buch ausleihen und nach dem Genuss des Lesens wieder zurückbringen. Oder ein Buch nehmen und dafür ein anderes in die Box stellen – quasi als Tauschgeschäft. Das entnommene Werk kann in diesem Fall behalten werden. Beide Varianten werden kostenfrei angeboten und sind an die englische Idee „Little Free Libraries“ angelehnt. Auf der britischen Insel ist diese sogar in einer landesweiten Gemeinschaft organisiert, die Bücher-Boxen gibt es in jedem Viertel eines Ortes oder einer Stadt. „So ein kleines Häuschen wollte ich auch“, sagt Evelyn Tauber, sie selbst „verschlingt“ im Monat drei bis vier Bücher, im Urlaub mehr. 


„Ich möchte Bücher, die ich gelesen habe, nicht wegwerfen. Bis auf einige wenige, die man sich vielleicht für immer behält. Ich möchte mit dieser Aktion Menschen, deren Budget vielleicht nicht reicht, um immer wieder neue Bücher anzuschaffen, die Gelegenheit geben, die gebrauchten Werke zu lesen“, so die 52-Jährige. Das neue Karlsteiner Bücher-Kastl aus Holz, in den Lieblingsfarben der Initiatorin blau-weiß gestrichen, hat ihr handwerklich begabter Ehemann Manfred gezimmert und an der Seitenwand der Garage angebracht – gut sichtbar für jeden, der vorbeikommt. „Das Angebot wird bereits bestens angenommen, die Menschen freuen sich sehr darüber“, berichtet Tauber. Auf einem kleinen Plakat neben der Box wird das Prinzip nochmal explizit erklärt, im Kastl selbst befinden sich Flyer über die Aktion. 

In Großgmain gibt es eine alte Telefonzelle, die als Bücher-Box genutzt wird. Ein ähnliches Angebot, in größerer Form mittels Bücher-Regal, gibt es am „Gelben Haus“ in der Tiroler Straße in der Reichenhaller Oberstadt. Evelyn Taubers Lieblingsbuch ist übrigens der Roman „Die Wand“ von Marlen Haushofer. In ihrem Kastl stehen zum Beispiel Michael Degens „Nicht alle waren Mörder“ oder Anna Gavaldas „Zusammen ist man weniger allein“. Die Initiatorin denkt bereits über die reine Bücher-Box-Aktion hinaus: „Möglicherweise lassen sich über sie kleine private Lesungen heimischer Autoren oder ein Literaturkreis bewerben.“ Über Nachahmer würde sie sich übrigens ebenfalls freuen. 


Die Mitarbeiterin der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung in der Kreisklinik Bad Reichenhall ist in diesen Corona-Zeiten zudem in Sachen Mund- und Nasenschutz tätig: Seit gut drei Wochen näht Evelyn Tauber individuell gestaltete Stücke – „für eine brauche ich mittlerweile nur noch zehn Minuten“. Sie möchte diese aber nicht verkaufen. „Wer eine will, kann gerne vorbeikommen und mit Naturalien sozusagen bezahlen“, lacht die Karlsteinerin.

bit

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