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Tourismus-Chefin Brigitte Schlögl im Interview

„Salz, Watzmann und Königssee wird langfristig nicht reichen“

Runder Tisch Innenstädte Brigitte Schlögl Stadtmarketing Bad Reichenhall Einzelhandel Gastronomie
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Dr. Brigitte Schlögl war vier Jahre lang Geschäftsführerin - erst für die BGLT, später für das Tourismus und Stadtmarketing Bad Reichenhall. Ende März verlässt Schlögl die BRM.

Brigitte Schlögl verlässt ihre Position als Geschäftsführerin der Bad Reichenhall Tourismus und Stadtmarketing GmbH. Im ersten Teil des Interviews mit BGLand24.de spricht sie über die zahlreichen Herausforderungen der letzten vier Jahre:

Frau Dr. Schlögl, Sie haben vier Jahre, erst für die BGLT und dann für die BRM, also die Bad Reichenhall Tourismus und Stadtmarketing GmbH, im Berchtesgadener Land gearbeitet. Werden Sie den Landkreis und sein „Bergvolk“ mit all seinen Eigenheiten vermissen?

Ich komme ja aus Österreich. Das heißt Bergvolk hüben wie drüben. Ja, ich werde einige Menschen vermissen, weil ich auch Freundschaften geschlossen habe und die werden mich auch weiter begleiten. Was ich aber nicht vermissen werde, sind die Rahmenbedingungen und diese vier Jahre mit dem sehr intensiven Krisenmanagement.

Sie haben ja auch einiges in den vier Jahren mitgemacht. Erst geht Herr Nagel, dann die Aufteilung der BGLT und oben drauf noch zwei Jahre Corona ...

Ich bin ja im April 2018 gleichzeitig mit Peter Nagel als gleichberechtigte BGLT-Geschäftsführerin eingestellt worden. Sein Abschied kam im November 2019, dann war im März 2020 Corona, dann verkündet im September 2020 die TRBK (Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee), dass sie aussteigt, dann war drei Monate intensive Aufarbeitung und ein Aufdröseln der GmbH und seit 1. Januar 2021 die Verantwortung nur Bad Reichenhall und Bayerisch Gmain. Und immer wieder dazwischen intensiver Lockdown, vor allem im Herbst, wo wir die ersten waren, die wieder zugesperrt haben. Ich hatte im Grunde in diesen vier Jahren keine einzige Phase, wo in Ruhe gearbeitet werden konnte.

Es ist also immer etwas dazwischen gekommen.

Es ist immer etwas passiert. Der Anfang ist ja nie ruhig. Du kommst wohin und kennst die Gegebenheiten nicht. Da braucht man mindestens ein halbes Jahr, um sich zu orientieren. Und in diesem halben Jahr war schon wieder das Budget für das nächste Jahr zu erstellen. Permanent geschahen nicht nur Kleinigkeiten, sondern auch sehr elementare Ereignisse. Und das hat schlicht und einfach Substanz gekostet.

Kann man überhaupt sagen, was die schwierigsten Momente in diesen vier Jahren waren?

Corona war schlimm. Aber wir haben aktiv eingegriffen. Das erste Mal Lockdown, dass war ja Mitte März 2020, begannen wir rasch mit der Planung von Aktionen und einer Promotion in Deutschland. Unter dem Motto „Bergfrühling – wir sind wieder da“, lancierten wir eine gute Aktion mit großem Erfolg. Wo wir leider überhaupt keine Planungssicherheit hatten, war bei den Veranstaltungen. Es wurde was geplant und im nächsten Moment schon wieder verworfen. Wir sind heute noch nicht ganz frei von diesen Unsicherheiten. Sehr emotional und auch schwierig war die Zeit als Peter Nagel gegangen ist. Ich musste binnen zwei, drei Tagen das Team auffangen. Da bin ich teilweise um halb sechs im Büro in Berchtesgaden gesessen, weil einfach so viel zu tun war. Und dann natürlich der zweite Cut, wie ich von einem Tag auf den anderen erfahren habe, dass die TRBK aussteigt. Wir hatten ja ein Konzept rund um Corona geplant. Und dann war es von einem Tag auf den anderen anders. Das waren für alle sehr belastende Zeiten.

Haben Sie so etwas schon einmal erlebt?

Nein. Ich bin sehr widerstandsfähig und halte vieles aus. Aber in dieser Abfolge war mir das unbekannt. Es ist nie alles eitel Wonne und Sonnenschein wenn man Verantwortung hat. Aber das alles war in einer unheimlichen Kürze hintereinander. Du hast sozusagen gerade mal Luft geschöpft, ist das nächste gekommen. Und so ging es weiter. Tourismus ist keine Aufgabe, die du von einer Woche auf die nächste machst. Du solltest ja mindestens drei Jahre einmal einen großen Blick nach vorne machen. Das war nie möglich.

Ist das der Grund, warum Sie aufhören?

Ich mache die Dinge immer gerne zu 100 Prozent. Ich kann eigentlich nicht mit Standgas fahren. Und wenn du dir etwas vornimmst, du arbeitest daran und es werden im nächsten Moment wieder die Rahmenbedingungen verändert, dann brennst du irgendwann aus. Wenn das einige Male geschieht, ist es einfach Kräfte zehrend. Für mich ist es die logische Konsequenz, dass ich nach vier Jahren diese Tätigkeit beende.

Sie mussten sich in ihrer Zeit im Berchtesgadener Land viel mit den Kommunen abstimmen und zahlreiche Diskussionen führen - gerade am Ende der BGLT. Wie lief das für Sie?

Der Tourismus funktioniert hier etwas anders wie in Österreich. Im Berchtesgadener Land wirken viele unterschiedliche Kräfte. Das war mir in dieser Form nicht bekannt. Oft ging es auch nicht um die Sache, sondern um Befindlichkeiten. Ich hielt es auch fachlich nicht für richtig, die BGLT zu zerreißen. Das habe ich immer gesagt und dabei bleibe ich auch. Aber es gibt politische Entscheidungen und die muss man akzeptieren.

Rein theoretisch, man fasst den touristischen Auftritt im Berchtesgadener Land wieder zusammen. Wäre dann noch Potenzial nach oben?

Es gibt im Berchtesgadener Land zwei touristische Marken, die andere Inhalte fahren. Das kann man gemeinsam vermarkten, weil es ja auch gut ist, wenn es unterschiedliche thematische Schwerpunkte gibt. Und man kommuniziert über die Inhalte, nicht über ein Logo. Also diese ewigen Logo Diskussionen sind so überflüssig wie ein Kropf, heißt es bei uns daheim. Das ist nicht das Thema. Es geht um das, was der Tourist auch buchen kann. Und da gibt es mehr als genug Potenzial. Aber es ist jetzt so wie es ist. Man hat 15 Jahre Aufbauarbeit genommen und gesagt, man geht wieder getrennte Wege. Und jetzt muss jede Gesellschaft oder jeder Verband sich überlegen, wie man weiterarbeitet. Aber Potenzial gibt es genug. 

Im Berchtesgadener Land wird ja gerne einmal langsamen, vorsichtigen Schrittes gegangen ...

Ich war nur vier Jahre in diesem Landkreis tätig. Das heißt, vieles was in den 50 Jahren seit Gründung des BGL passiert ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber ich wünsche allen, dass sie mutiger in die Zukunft gehen. Der Mitbewerb ist sehr stark, auch wenn es hier viele Vorzüge gibt. Die permanente Reduktion auf Salz, Watzmann und Königssee wird langfristig nicht reichen. 

Im zweiten Teil spricht Dr. Brigitte Schlögl vor allem über ihre Zeit in Bad Reichenhall, ihre eigene Karriere und vor welchen Herausforderungen die Stadt und ihr Nachfolger stehen.

ce

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