Osteuropäer spielen in Augen von Experten zentrale Rolle

Warnung vor tausenden unbesetzten Stellen: „Auf Reichenhaller Betriebe rollt eine Welle zu“

Experte warnt: Ohne Osteuropa-Einwanderer bleiben tausende Stellen in Reichenhall unbesetzt
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Herbert Tekles (Archivfoto) präsentierte im Stadtrat Bad Reichenhall seine Berechnung, wie sich die Bevölkerung in der Stadt künftig verschieben wird.

Wohin entwickelt sich Bad Reichenhall? Ein Experte präsentierte nun seine Prognose: Trotz vieler Zuzüge wird die Stadt schrumpfen - vor allem für die Betriebe sieht er „große Probleme“.

Bad Reichenhall - Rund 18.500 Einwohner hat Bad Reichenhall derzeit, doch die Prognose zeigt nach unten - und das, obwohl die Große Kreisstadt der Magnet für Zuzügler im Landkreis ist. Herbert Tekles vom Institut „Demosplan“ präsentierte am Dienstag, 23. Februar, seine Zukunftsstudie im Stadtrat. Die Bevölkerungsentwicklung Bad Reichenhalls könnte vor allem für den Arbeitsmarkt gravierende Veränderungen haben.

Minus von 2000 Stellen könnten unbesetzt sein

„Es wird noch nicht erkannt, welche Welle 2030 bis 2040 auf die Betriebe zurollt“, so Tekles. 4000 Beschäftigte in Bad Reichenhall werden bis zum Jahr 2035 aus dem Erwerbsleben herausfallen und nur etwa die Hälfte von ihnen könnte „ersetzt“ werden. „Dieses Minus von rund 2000 Stellen kann ein großes Problem für die Firmen werden, bei manchen könnte sich deshalb auch die Standortfrage stellen“, so der Experte. Die Zahl der Arbeitsplätze werde auch durch Digitalisierung und Rationalisierung nicht weniger, es gebe dadurch lediglich Verschiebungen zwischen den Branchen.

Dass rund 500 neue Wohneinheiten in Bad Reichenhall in den nächsten Jahren geplant sind und dass die Stadt mehr Zuzüge als Fortzüge aufweisen kann, reiche nicht. Aus der näheren Umgebung könne diese Lücke an Arbeitskräften nicht kompensiert werden und „auch das Potenzial aus den Bundesländern der ehemaligen DDR ist inzwischen ausgeschöpft“, so Tekles. Es seien vor allem Menschen aus dem östlichen Teil der EU, die auf dem heimischen Arbeitsmarkt hier in die Bresche springen. „Sie werden dringend gebraucht, auch weil viele junge und akademisch Ausgebildete wegen einer fehlenden Perspektive am Arbeitsmarkt wegziehen.“

Verhältnis bei den Kleinkindern

Bei den Zuzüglern aus Osteuropa handle es sich laut Tekles bei weitem nicht nur um Niedrigqualifizierte, auch viele Handwerker, Apotheker oder Ärzte seien darunter - „und es gibt die Tendenz, dass deren Zahl stark steigt.“ Über 50 Prozent der Kleinkinder bis zu einem Jahr haben in Bad Reichenhall schon jetzt einen Migrationshintergrund. „Auch das geht ganz überwiegend auf Osteuropäer zurück und kaum auf Flüchtlinge oder auf Österreicher, die in der Stadt ebenfalls eine große Rolle spielen“, so Herbert Tekles.

Eine weitere Erkenntnis des Demografen: Die Zahl der Unter-3-Jährigen sinkt - und trotzdem wird der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen steigen, weil Mütter wieder verstärkt zurück ins Erwerbsleben drängen. Das Fazit von Oberbürgermeister Christoph Lung: „Aus der Studie von Herbert Tekles müssen wir die richten Handlungen ableiten.“

xe

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