Am 11. März am Rathausplatz

Reichenhaller Demoveranstalter: „Die alten Leute sitzen in ihren Heimen und sind allein gelassen“

Am Donnerstag, ab 17 Uhr findet eine Demonstrationsveranstaltung zu Besuchsregelungen und Quarantänemaßnahmen in Alten- und Pflegeheimen statt. Den älteren Menschen in den Heimen soll so eine Stimme gegeben werden.

Bad Reichenhall - In den Senioren- und Pflegeheimen in der Region herrschen sehr unterschiedliche und teilweise nicht mehr zeitgemäße Besuchsregelungen. Ludwig Niederberger aus Bad Reichenhall ruft deshalb am Donnerstag, 11. März zwischen 17 und 18 Uhr zu einer Demonstrationsveranstaltung am Rathausplatz in Bad Reichenhall auf. Zur Teilnahme aufgerufen sind vor allem Angehörige und Menschen, denen das Thema ein ernsthaftes Anliegen ist.

Der 68-Jährige möchte mit der Veranstaltung auf die Gesamtsituation in den Heimen aufmerksam machen, weil er „mitkriege wie Angehörige unter der Situation leiden und sich nicht zu wehren wissen“. Deswegen bemüht sich der Rentner bereits seit Beginn der Pandemie darum, auf die schwierige Situation in den Heimen aufmerksam zu machen. Nachdem Ludwig bereits mehrere Emails an das Landratsamt, an den bayerischen Gesundheitsminister oder sogar an Ministerpräsident Markus Söder schickte und immer wieder auf die Lage aufmerksam machte, möchte er mit der Veranstaltung den nächsten Schritt gehen.

Heimbewohnern eine Stimme geben

Mit der Demonstration soll endlich „die Öffentlichkeit mehr mit einbezogen werden“, so Niederberger im Interview. Ihm gehe es bei der Veranstaltung nicht darum, „notwendige Maßnahmen zu kritisieren, sondern dass Maßnahmen gemacht werden, die nicht mehr zeitgemäß sind“. So seien in den Heimen die Regelungen sehr unterschiedlich umgesetzt, teilweise höre er von Angehörigen der Heimbewohner, dass sie nicht mehr die Zimmer der älteren Verwandten sehen dürften, sondern die Bewohner für den Besuch in ein extra Besuchszimmer gebracht werden. Die natürliche Kontrolle durch die Angehörigen falle da weg. Außerdem müsse man in manchen Heimen extra Termine für einen Besuch ausmachen oder dürfe maximal drei Mal die Woche bei den Verwandten vorbeisehen und dies auch noch zeitlich begrenzt.

„Die alten Menschen in den Heimen werden schlichtweg ein bisschen vergessen“, so Niederberger, „Eltern, Gastronomen, Händler gehen auf die Straße, aber die alten Leute sitzen in ihren Altenheimen und sind allein gelassen“.

Die Vorankündigung im Wortlaut

In den Alten- und Pflegeheimen werden immer wieder, auch nach einem Jahr „Pandemie-Erfahrung“, Quarantäneverordnungen und Besuchsregelungen erlassen und verfügt, die nicht mehr zeitgemäß, nicht mehr verhältnismäßig und in vielen Fällen wohl auch nicht mehr durch gesetzliche Regelungen oder Verordnungen zu begründen sind. Die Verantwortung dafür wird hin und hergeschoben.

Wir sind dabei die Ausnahmesituation mit all ihren Einschränkungen als neue Normalität hinzunehmen. „Die im Dunkeln sieht man nicht“ (Bert Brecht) z.B. die Menschen in den Alten- und Pflegeheimen. Wir holen sie am Donnerstag ans Licht. Die Angehörigen wollen die Verantwortlichen auf nicht mehr erträgliche und notwendige Einschränkungen aufmerksam machen. Für die Veranstaltung besteht Masken- und Abstandspflicht. Wer damit ein Problem hat, sollte erst gar nicht kommen.

Mitteilung Ludwig Niederberger

Für die Veranstaltung angemeldet sind vorerst 50 Teilnehmer, 100 hat das Landratsamt erlaubt.

ce

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