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Auf den Zentimeter genau

„Amtlich vermessen“: Alpenstadt City-Lauf in Bad Reichenhall in offizielle Bestenliste aufgenommen

Franz Groß hat die Strecke des City-Laufs amtlich vermessen
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Mit dem Fahrrad hat Franz Groß (Mitte) die Zehn-Kilometer-Distanz des City-Laufs quer durch die Kurstadt „amtlich vermessen“. Darüber freuen sich die Lauf-Mit-Organisatoren Martin Dufter (links) und Boris Bregar vom TSV Bad Reichenhall.

Bad Reichenhall - Die Strecke für den Alpenstadt City Lauf in Bad Reichenhall wurde amtlich vermessen und ist nun „Bestlisten-fähig“.

„Amtlich vermessen“: Das ist für Profi- wie Freizeitläufer nicht unerheblich. Durch die Distanz-Bestätigung eines Wettbewerbs erhält eine Veranstaltung einen ganz anderen, „offiziellen“ Charakter und Stellenwert. „Das ist für die entsprechenden Besten- und Ranglisten wichtig“, sagt Franz Groß. Er hat jetzt die Zehn-Kilometer-Distanz, drei Runden zu je 3,3 Kilometer, für den „Alpenstadt City“-Lauf am Samstag, 28. Mai, in Bad Reichenhall festgelegt. Um am Ende der drei Runden auf die vollen zehn Kilometer zu kommen – denn dreimal 3,3 Kilometer wären ja nur 9,9 Kilometer – wird ein „finaler Einkehrschwung“ auf den Rathausplatz eingerichtet.

Damit die vom TSV Bad Reichenhall gewünschte Ziel-Position im Zentrum der Kurstadt beibehalten werden kann, wird die exakte Streckenlänge durch die entsprechende „Verschiebung“ der Startlinie erreicht. Sie liegt in der Salinenstraße, in der genügend „Spielraum“ vorhanden ist. Von dort werden die Läuferinnen und Läufer am Renntag, 18 Uhr, Richtung Fußgängerzone starten, um ihre Runden durch die Kurstadt zu drehen.

Franz Groß aus Erding begann vor rund 15 Jahren mit den regelmäßigen Laufstrecken-Bestimmungen für den Stadtlauf in seiner Heimatstadt. „Viele verschiedene Baustellen, die wir immer wieder anders umgehen mussten, erforderten Jahr für Jahr neue Vermessungen“, erzählt Groß. Er war in seinem Berufsleben Vermesser und ist für diese ehrenamtliche Tätigkeit nun prädestiniert. Irgendwann kam nach einem entsprechenden Kurs Bad Reichenhall mit seinem Rupertus Thermenlauf dazu, heute vermisst Groß sportliche Distanzen in ganz Südbayern bis zur Halbmarathon-Strecke über 21,1 Kilometer. Der Bayerische Leichtathletik-Verband ist für seine Arbeit dankbar, erhält er damit doch eine ganze Reihe an Bestenlisten-tauglichen Bewerben.

Bevor Franz Groß mit seiner Arbeit beginnt, wird eine Eichstrecke auserkoren. Im Reichenhaller Fall liegt diese am Alten Königlichen Kurhaus. Dabei kommt ein klassischer Kilometerzähler zum Einsatz, den der Vermesser an der Nabe seines Fahrrad-Vorderrades montiert. Ein solcher wird beispielsweise auch bei der Aufnahme von WM-Strecken verwendet. Nach der Kalibrierung fährt Franz Groß die von den Veranstaltern gewünschte Strecke ab.

Die Einheiten auf dem Messgerät werden schließlich in Meter umgerechnet, pro Meter gibt es zehn Einheiten, eine beträgt also zehn Zentimeter. „Der Kilometerzähler misst vorwärts wie rückwärts“, sagt Groß. „Bin ich verkehrt gefahren, fahre ich den gleichen Weg zurück und korrigiere den Fehler.“ Gleich beim ersten Vermessen auf die gewünschte Streckenlänge zu kommen, ist quasi unmöglich. Fehlende Meter werden durch Zusatzschlenker – im Reichenhaller Fall durch den Ortenaupark – erreicht.

Mit wenigen Handgriffen ist ein Distanzmesser an der Radnabe eines Vorderrades montiert.

Jede Strecke ist ein paar Meter länger

„Jede Strecke wird jedoch um wenige Meter länger vermessen“, verrät Franz Groß, weil die Läufer nie exakt auf der Ideallinie laufen. Auf der anderen Seite „fehlen“ bei jeder Vermessung immer ein paar Meter. Diese können mit der Festlegung der Startlinie ausgeglichen werden: „Wir haben in der Salinenstraße genug Platz, um den exakten Punkt zu bestimmen“, so Martin Dufter, 2. Vorstand des veranstaltenden TSV Bad Reichenhall.

Nach der Vermessung legt Franz Groß ein mit Fotos unterlegtes Protokoll an. Darin legt er auf den Zentimeter genau Start- und Ziel-Position fest, vor Ort unterstützt mit Markierungsnägeln aus Stahl. Der Veranstalter ist verpflichtet, seine Strecke nach dieser Aufzeichnung entsprechend festzulegen. Die Distanz weicht automatisch für jeden Einzelnen immer um ein paar Meter ab, weil der Lauf-Korridor einige Meter breit ist und „Abkürzungen“ an Kurven – der eine läuft sie innen an, der nächste von außen, der eine läuft Ideallinie, kürzt über einen Gehsteig ab – immer möglich sind. Der komplette Lauf kann zudem nicht mit Trassierband sozusagen abgesperrt werden.

Mit Markierungsnägeln aus Stahl werden markante Strecken-Punkte wie Start und Ziel von Vermesser Franz Groß gesetzt.

Nur amtlich vermessene Strecken erhalten den Status, von den nationalen Verbänden als „Bestenlisten-fähig“ eingestuft zu werden. Für Veranstalter eine wichtige „Auszeichnung“, weil die Teilnehmer/-innen somit nicht nur den optimalen, weil bestätigten Vergleich ihrer eigenen Leistungen bekommen, sondern gleichzeitig nur über diese offiziellen Zeitenlisten mögliche Qualifikationen für höherdotierte oder weiterführende Bewerbe erhalten. Mit diesen Werten besitzen sie stets wertvolle Richtwerte ihres jeweils aktuellen Leistungsvermögens, um die entsprechenden Nachweise vorlegen zu können.

Wie berichtet findet einen Tag nach dem City-Lauf – also am Sonntag, 29. Mai, ab 10 Uhr – der Trailrun über den Hochstaufen statt: 1440 Höhenmeter, Streckenlänge 17 Kilometer – statt. Er ist nichts für Einsteiger: „Hier geht‘s ans Eingemachte“, sagt Martin Dufter. Der teils schon erheblich exponierte „Stoanane Jager“ im Anstieg – ein „schwarzer Weg“ – erfordert einiges an Erfahrung. „Wer unsicher ist, sollte sich den Weg vorab unbedingt anschauen“, empfiehlt Dufter. Runter geht‘s über den Normalweg „Bartlmahd“.

Von Hans-Joachim Bittner

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