Gerüchteküche im Berchtesgadener Land brodelt

Werden noch erkrankte Corona-Patienten frühzeitig aus Kliniken in der Region entlassen?

Bad Reichenhall/Landkreise - An Corona erkrankte Patienten werden nach Hause geschickt, obwohl sie noch nicht genesen sind? Dieser Vorwurf kursierte zuletzt im Berchtesgadener Land. Wir haben uns erkundigt, was dran ist an der Behauptung und wie sich die Lage seitens der Kliniken wirklich darstellt.

Dass sich die Situation in den Kliniken durch steigende Fallzahlen und daraus resultierenden höheren Covid-Patienten auch auf den Intensiv-Stationen zuspitzt, ist bewiesenermaßen Tatsache. Für Aufregung sorgte jedoch zuletzt ein Post in einer hiesigen Facebook-Gruppe im Berchtesgadener Land:


Krankenhäuser würden bereits diejenigen Covid-19-Patienten, denen es weniger schlecht gehe - auch wenn sie noch hohes Fieber hätten - nach Hause schicken. Der Grund sei wohl „Überlastung“. Für gravierenden Fälle sei sonst kein Platz mehr in den Krankenhäusern. Dieser konkrete Fall habe sich so in Bad Reichenhall ereignet, wird in dem Post von Ende November geschildert.

Hubert Pilgram ist Ärztlicher Leiter der Krankenhauskoordinierung für die Landkreise Traunstein, Mühldorf am Inn, Altötting und Berchtesgadener Land in der Corona-Pandemie.

Stimmt das wirklich? Bgland24.de hat bei Hubert Pilgram, dem Ärztlichen Leiter der Krankenhauskoordinierung für die Landkreise Traunstein, Mühldorf am Inn, Altötting und Berchtesgadener Land nachgehakt. „Nach erfolgter Behandlung und sobald medizinisch vertretbar, werden Patienten aus den Kliniken nach Hause entlassen“, bestätigt er. Dies werde nicht nur bei Covid-Patienten so gehandhabt.

Häufig seien Patienten subjektiv noch nicht vollkommen genesen, benötigen beispielsweise einen Gips nach einer Operation oder sind noch abgeschlagen nach einer ausgestandener Lungenentzündung. Pilgram versichert, dass jene Patienten dann nicht mehr auf die stationäre Versorgung im Krankenhaus angewiesen seien. Hier reiche nur mehr eine Krankschreibung für zu Hause.

Patienten werden in Reha-Kliniken oder auf andere Stationen verlegt

„Zusätzlich haben wir aber zur weiteren stationären Versorgung die Corona-Verlegungsstelle reaktiviert“, schildert Pilgram weiter. „Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Genesung bei Covid-Patienten in der Regel etwas länger dauert. Diese ist an der Leitstelle angesiedelt und vermittelt Patienten aus den Akuthäusern weiter an Reha-Kliniken. Dort können die Patienten etwas länger versorgt werden. Dadurch schaffen wir in den Akuthäusern wieder mehr Platz.“

Die Kliniken im Rettungsdienstbezirk (RDB Traunstein) arbeiten laut Pilgram aktuell auf Hochtouren. Sie seien auch außerhalb der Pandemie gut belegt. Was derzeit verschoben oder abgesagt werde, seien - falls möglich - planbare operative Eingriffe oder elektive Untersuchungen. Es werden außerdem immer mehr Bereiche in Isolationseinheiten umfunktioniert, Pflegepersonal konzentriert und deswegen Teilbereiche geschlossen.

Bezogen auf die seit 21. November vollständig für den Rettungsdienst abgemeldete Burghauser Notaufnahme erklärt der Ärztliche Leiter der Krankenhauskoordinierung: „Im Rahmen des Pandemieplans des Innklinikums wurde die Klinik Burghausen sehr stark in die Covid-Versorgung eingebunden. Deswegen musste eine Konzentrierung des Personals erfolgen, sodass die Klinik vom Rettungsdienst derzeit nicht primär angefahren werden kann und die Versorgung in den Notaufnahmen der Kliniken Altötting und Mühldorf erfolgt.“

Für fußläufige Patienten stehe die Burghauser Notaufnahme aber weiterhin zur Verfügung. Die Klinik Burghausen - wie auch die anderen Krankenhäuser - würden „einen sehr guten Job“ machen und sei „in der Notversorgung der Patienten der Landkreise nicht wegzudenken“. Zudem erfolge aktuell die Aufstockung in Burghausen um insgesamt weitere zehn Betten von jetzt 40 auf 50 Betten für die Covid-Versorgung. Ferner werde in Altötting eine weitere Covid-Station mit 36 Betten eingerichtet.

Teilweise geschlossene Notaufnahmen seien Pilgram zufolge daher kein Grund zur Panik. Die Kliniken seien trotz hoher Fallzahlen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch gut gerüstet. Die Versorgung bleibe freilich gewährleistet: „Alle Kliniken versuchen allen Patienten die bestmögliche individuelle Betreuung zukommen zu lassen, die sie benötigen. Einiges kann aber nicht sofort allumfassend geregelt werden. Notgedrungen arbeiten die Kliniken in einem strukturierten Notfallmodus.“

Absprache unter den Kliniken werde koordiniert, auch mit den niedergelassenen Koordinierungsärzten, Landratsämtern, Gesundheitsämtern und den Hilfsorganisationen. „Dies klappt reibungslos. Wirklich alle Beteiligten arbeiten an dem Ziel die Pandemie soweit zu beherrschen wie es möglich ist“, schließt Pilgram seine Ausführungen.

mb

Rubriklistenbild: © Achilleas Chiras dpa

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