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Abschlussveranstaltung in Bad Reichenhall

„Mit’n Redn kemman d’Leit z’somm“: Sprachliche Vielfalt verstehen und wertschätzen

von links: Heinz Schober (FBSD), Cordula Pribyl-Resch (Universität Salzburg), Eugen Unterberger (Universität Salzburg), Siegfried Bradl
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von links: Heinz Schober (FBSD), Cordula Pribyl-Resch (Universität Salzburg), Eugen Unterberger (Universität Salzburg), Siegfried Bradl

In zwei Projekten wurden gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus Bayern und Salzburg die Vorurteile rund um die Themen Dialekt und Sprache kritisch hinterfragt. Die Abschlussveranstaltung fand am 20. Mai in Bad Reichenhall statt.

Die Pressemitteilung im Wortlaut

Bad Reichenhall – „Dialekt ist voller Fehler!“ oder „Leute, die Hochdeutsch sprechen, sind arrogant!“ - solche und ähnliche Vorurteile gegenüber unterschiedlichen Sprachformen des Deutschen sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Die wenigsten hinterfragen sie, den wenigsten sind sie bewusst. Ebenso ist den wenigsten bewusst, dass solche stereotypen Einstellungen sogar zu sozialer Diskriminierung führen können – dass also beispielsweise jemand aufgrund seines Dialektes oder eines bestimmten Akzents Ausgrenzung erfährt oder weniger Chancen auf eine berufliche Anstellung haben kann.

Diese problematischen Bewertungen werden bisher auch in Schulbüchern kaum kritisch hinterfragt. Die beiden folgenden Projekte aber wollen sie gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus Bayern und Salzburg bewusstmachen, reflektieren und hinterfragen: das vom Programm INTERREG (Bayern – Österreich) der Europäischen Union geförderte Projekt Mit’n Redn kemman d’Leit z’somm, das 2021 mit dem Salzburger Regionalitätspreis ausgezeichnet wurde, und das Land-Salzburg-Projekt Sprachliche Vielfalt verstehen, wertschätzen und ausbauen.

Federführend hierbei ist ein Team aus Germanistinnen und Germanisten der Universität Salzburg. Unterstützt werden sie vom Förderverein für Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) sowie der Pädagogischen Hochschule Salzburg. Und ohne die Kooperation mit engagierten Lehrkräften an Salzburger und bayrischen Schulen wäre die Umsetzung des Projekts nicht möglich gewesen.

In einem ersten Schritt wurden lehrplangestützte Unterrichtsmaterialien für den Deutschunterricht der 4., 6. und 10. Schulstufen entwickelt, die sich in fünf Modulen zu je zwei Unterrichtseinheiten aufteilen. Die Schülerinnen und Schüler erfahren darin beispielsweise, dass das Beherrschen von Dialekt UND Standardsprache eine Form von Mehrsprachigkeit ist oder dass Dialekt nicht falsch ist, sondern wie jedes Sprachsystem bestimmten Regeln folgt.

Sie erkennen, dass Sprachvariation etwas Alltägliches ist und es nützlich und auch bereichernd sein kann, die eigene Sprachverwendung zu variieren. Das betrifft natürlich nicht allein unterschiedliche Varietäten (Sprachformen) des Deutschen, sondern auch andere Muttersprachen.

Eine anschauliche und motivierende grafische Gestaltung der Materialien kam dabei nicht zu kurz. So tauchen beispielsweise immer wieder die fünf „Freunde“ Naomi, Emma, Samir, Finn und Anna auf, die die Schülerinnen und Schüler durch die Inhalte der fünf Module begleiten. In einem anderen Kapitel geht es darum, dass Deutsch vielfältig ist. Dafür wurde eine Karte des deutschen Sprachraums gestaltet, auf der die Lernenden die verschiedenen Dialektgebiete und unterschiedliche Begrüßungen sehen können. Die Materialien wurden in einem nächsten Schritt von engagierten und interessierten Deutschlehrkräften im Unterricht eingesetzt, und zwar an 16 Partnerschulen im Berchtesgadener Land, im Landkreis Traunstein, im Salzburger Flachgau, Tennengau und Pinzgau sowie in der Stadt Salzburg.

Im Rahmen dreier Fortbildungen wurden die teilnehmenden Deutschlehrerinnen und -lehrer für den Einsatz der Materialien geschult. Auf der Projekt-Website www.spravive.com stehen nun bereits alle Unterlagen samt Handreichungen für Lehrkräfte gratis zum Download zur Verfügung.

Zentral für alle Beteiligten der Projekte war und ist es, ein Bewusstsein für Sprachenvielfalt und Sprachvariation zu schaffen und eben nicht eine Varietät des Deutschen – wie Dialekt oder Standarddeutsch – zugunsten der anderen abzuwerten. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich in ihrer sprachlichen Vielfalt wertgeschätzt fühlen und diese als wertvolles Potential für den sprachlichen Alltag erkennen.

Ergebnisse der Projekte

Der Einsatz der Materialien im Unterricht wird vom Projektteam der Uni Salzburg wissenschaftlich begleitet. Denn die Forscher wollen herausfinden, ob sich stereotype Einstellungen der Kinder gegenüber Standarddeutsch und Dialekt durch diese innovativen Materialien verändern lassen. In Form von Fragebögen wurden dafür die Spracheinstellungen der Schülerinnen und Schüler erhoben – und zwar bevor und nachdem die fünf Module im Unterricht durchgenommen wurden.

Ähnliche sogenannte „Language Awareness“-Projekte wurden mit gutem Erfolg bereits im englischsprachigen Raum durchgeführt. Für das deutschsprachige Gebiet stellt die wissenschaftlich begleitete Auseinandersetzung mit dieser Thematik aber eine Innovation dar. Dabei zeigen Studienergebnisse, dass das Arbeiten an der Sprachbewusstheit den Zusammenhalt in der Klasse stärken sowie sich positiv auf Lernmotivation und -ergebnisse auswirken kann.

Nach statistischer Auswertung der gewonnenen Daten scheint es in der Tat so zu sein, dass stereotype Einstellungen zu Sprachvarietäten durch den Einsatz entsprechender Schulmaterialien im Deutschunterricht hinterfragt und verändert werden können. Nach der Intervention – also dem Einsatz der Unterrichtsmaterialien an den Schulen – schätzen die Schüler Dialekt nun deutlich seltener als schlampiges oder falsches Deutsch ein.

Zudem verändern sich die Zuschreibungen von vermeintlich ‚typischen‘ Eigenschaften: Vor der Intervention wurden Dialektsprechende als deutlich weniger kompetent eingeschätzt als Standardsprechende, nach der Intervention näherten sich die Bewertungen einander an. Damit wurde ein zentrales Ziel des Projekts erreicht, da eine Gleichwertigkeit der beiden Varietäten, die ja an bayrischen und Salzburger Schulen zum Alltag gehören, aus wissenschaftlicher Sicht nur unterstrichen werden kann und auch mithilfe der Unterrichtsmaterialien vermittelt werden sollte.

Abschlussveranstaltung

Im schönen Ambiente des Königlichen Kurhauses in Bad Reichenhall fand am 20. Mai die Abschlussveranstaltung des von INTERREG Bayern – Österreich geförderten Projekts mit Gästen von beiden Seiten der Grenze statt. Anwesend waren Interessierte aus Politik und Wissenschaft und natürlich auch aus den teilnehmenden Schulen.

Die Grußworte sprachen „Hausherr“ und Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung, der Landrat des Berchtesgadener Landes Bernhard Kern als Vertreter der bayrischen sowie der Kuchler Bürgermeister Dr. Thomas Freylinger als Vertreter der Salzburger Seite. Für den FBSD stimmten die Vorstände Siegfried Bradl (Gesamtverein) und Heinz Schober (LV Rupertiwinkel) auf die Veranstaltung ein.

Im Anschluss präsentierte das Team der Universität Salzburg – vertreten durch die Projektleiterinnen Dr. Irmtraud Kaiser und Universitätsprofessorin Dr. Andrea Ender sowie den Mitinitiator des Projekts Eugen Unterberger MA und Projektmitarbeiterin Mag. Cordula Pribyl-Resch MEd – Inhalte und Ergebnisse des Projekts. Für die passende musikalische Unterhaltung sorgten Marianne und Stefan Kern (Gitarre und Ziehharmonika) und die Gewinnerin des Wettbewerbs „Rap de Schui“, Teresa Waldherr. Durch den inforeichen und gleichzeitig unterhaltsamen Nachmittag führte die Schriftführerin des FBSD, Marianne Hauser.

Die Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse der Mittelschule Teisendorf, mit Schulleiterin Michaela Märzendorfer und Lehrer Michael Riedl

Gegen Ende der Veranstaltung wurden noch die drei besten kreativen Abschlussprojekte, eingereicht von motivierten Schülerinnen und Schülern, mit jeweils 150 Euro für die Klassenkasse prämiert. Das Preisgeld wurde vom FBSD zur Verfügung gestellt. Ausgezeichnet wurden die Mittelschule Teisendorf (6. Schulstufe), das Gymnasium Laufen (6. Schulstufe) und das Werkschulheim Felbertal (10. Schulstufe). Von einer dialektalen Umdichtung des WincentWeiss-Liedes „Wer wenn nicht wir“ bis hin zum unterhaltsam gestalteten Interview über den bayrischen Dialekt und zur kreativen Gestaltung von Quizshows war alles dabei.

Pressemitteilung der Universität Salzburg

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